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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Die Geschichte des Computers

Die Geschichte des Computers

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Stephan Schlicker

2. Vom ersten Computer zum Mikroprozessor

Die Zeit vor dem Mikroprozessor war geprägt von Mainframes und Minicomputer. Mainframes waren sehr große Rechner, zumeist raumfüllend, stromverschlingend und viele Millionen kostend. Beispiele für solche Mainframes sind der 1942 von den Briten zum Knacken des ENIGMA-Codes benutzte Colossus oder der erste kommerziell vermarktete Computer UNIVAC aus dem Jahre 1951.
Minicomputer waren schon so klein, dass sie Schrankgröße hatten. Sie kosteten mehrere hunderttausend Dollar.
Der erste solche Minicomputer, der kommerziell vermarktet wurde, und über eine Tastatur und einen Bildschirm verfügte war der PDP-1 von DEC.

Abb. 4: PDP-1, erster kommerzieller Minicomputer mit Bildschirm
Abb. 4: PDP-1, erster kommerzieller Minicomputer mit Bildschirm

Der kleinste Minicomputer, der PDP-8 von DEC, konnten sogar von Handelsvertretern im Kofferraum zur Vorführung mitgenommen werden. Aber all diese Maschinen waren nicht im Entferntesten das, was man unter Personal Computern versteht. Die Mainframes und Minicomputer konnten von mehreren Leuten benutzt werden, und Rechenzeit war nur zentral in Rechenzentren gegen viel Geld zu bekommen. Computer im Besitz von Privatpersonen gab es nicht. Nur Institute, Behörden und sehr große Firmen konnten sich überhaupt einen Computer leisten.

Während dieser Zeit gab es jedoch einige wichtige Innovationen und Erfindungen, die eine Miniaturisierung ermöglichten, und diese auch immer weiter voran getrieben.
Die wohl wichtigste Erfindung auf diesem Gebiet wurde 1948 von William Bradford Shockley patentiert, der Transistor. Also jenes Halbleiterbauteil, das auch heute noch die Grundlage jeglicher Mikrochips bildet.
Eine weiter Bahnbrechende Idee war die erstmalige Nutzung eines Eisenkernes als Speicher 1949 durch Jay Forester, die 1953 zur Entwicklung der ersten Magnetband-Geräte und später zu der heute immer noch bekannten Form von Festplatten führte, 1973.
1959, also 18 Jahre nach dem legendären Z3, patentiert Texas Instruments den ersten Integrierten Schaltkreis, auch Chip genannt.

Eine der ersten populären Anwendungen von Hochintegrierten Schaltkreisen neben der militärischen Nutzung und dem Bau von Großrechnern waren die Rechenmaschinen. Zunächst waren dies Tischgeräte, viele tausend Dollar teuer, die lediglich die Grundrechenarten beherrschten und eine Leuchtanzeige mit wenigen Stellen besaßen.
Doch es dauerte nicht lange, bis die Rechenmaschinen dank höher integrierter Halbleiter und neuer Schaltkreise immer kleiner und leistungsfähiger wurden. Vor allem Texas Instruments verkaufte Chipsätze für Rechenmaschinen in großen Mengen. Diese Chipsätze wurden von kleinen Firmen gekauft, die daraus Rechner bauten und gewinnbringend verkauften. Hewlett-Packard verkaufte 1968 mit dem HP9100A einen Tischrechner für 4900 Dollar, der immerhin schon trigonometrische Funktionen berechnen konnte. Das Gerät besaß eine Kathodenstrahlröhre als Anzeige.
Der nächste Schritt war die Entwicklung des Taschenrechners. Ende der sechziger Jahre kamen die ersten Modelle auf den Markt. Sie konnten lediglich die Grundrechenarten ausführen und hatten nur selten Speicherfunktionen.
1969 hatten Intel-Entwickler die Idee eines programmierbaren Universalschaltkreises, der 1971 dann fertig wurde und als erster Mikroprozessor namens 4004 auf den Markt kommt.

Abb. 5: Intel 8080, Nachfolger des 4004
Abb. 5: Intel 8080, Nachfolger des 4004

Allerdings war die Größe, und selbstverständlich auch die Geschwindigkeit, der damaligen Computer nicht der einzige Unterschied zu den PC´s von heute. So waren auch die Ein- und Ausgabe grundlegend verschieden.
Die gesamte Ein- und Ausgabe lief ursprünglich fast ausschließlich über Lochkarten. Bei der Eingabe änderte sich das 1953 langsam, als die schon angesprochenen Magnetbänder als Speichermedium benutzt wurden, und Anfang der 70er Jahre erstmals Floppy Disks aufkamen. Als zusätzliche, direkte Eingabegeräte fungierten ab 1956 auch Tastaturen, und ab 1968 erstmals auch eine Maus.
Auf Seiten der Ausgabe benutzte man 1960 erstmals einen Kathodenstrahlmonitor, der heute noch als eins der Standardausgabegeräte verwendet wird.

Außerdem gab es in dieser Zeit natürlich auch einige wichtige Entwicklungen auf dem Gebiet der Software, die an dieser Stelle nicht verschwiegen werden sollen.
So wurde 1949 mit Short Code die wohl erste high-level Programmiersprache und ca. 3 Jahre später mit Autocode der vermutlich erste Compiler entwickelt und benutzt. Ohne solche Werkzeuge wäre heutige Software nicht denkbar.
Im Jahre 1967 kamen dann erstmals Ansätze einer Softwareindustrie auf, nachdem IBM als erster Computerhersteller ankündigte Hard- und Software künftig einzeln zu verkaufen.