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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Bibliotheken

6. Universalbibliotheken

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Diese erwerben umfangreiche Bestände von wichtigen ausländischen Neuerscheinungen aller Wissensgebiete und stellen einen großen Altbestand an in- und ausländischer Literatur bereit. Sie werden durch auswärtigen Leihverkehr stark beansprucht, erarbeiten spezielle bibliographische Verzeichnisse und überregional wichtige Bibliothekskataloge. Beispiele hierfür sind die Staatsbibliotheken in Berlin und München. Deren Bedeutung liegt in ihrem großen und wertvollen Altbestand, den reichhaltigen beständen an aktueller Literatur des In- und Auslandes aller Fächer und den Beständen ihrer Sonderabteilungen (Orientalistik, Slawistik, Musik, Handschriften, Inkunabeln, Karten).

6.1 Die Deutsche Staatsbibliothek
6.2 Die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz
6.3 Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
6.4 Die Bayerische Staatsbibliothek

6.1 Die Deutsche Staatsbibliothek
Die 1659 gegründete preußische Kurfürstliche, später „Königliche Bibliothek“ zu Berlin wurde nach dem 1. Weltkrieg in „Preußische Staatsbibliothek“ und 1954 von der DDR-Regierung in Deutsche Staatsbibliothek umbenannt. Der Name „Deutsche Staatsbibliothek“ war also nie auf das gesamte Deutschland bezogen, sondern zur Zeit der Namensgebung einerseits retrospektiv gemeint, „in Würdigung der Verdienste“, und für die Zukunft auf den Staat DDR gerichtet. Die Bibliothek war Ende des vorigen Jahrhunderts die führende deutsche Bibliothek und hatte früher durchaus auch nationalbibliothekarische Funktionen inne, wie z.B. bei der zentralen Herstellung von Katalogkartendrucken („Berliner Titeldrucke“) oder ersten Bemühungen zur Schaffung eines deutschen Zentralkatalogs. Ihrer langen Geschichte entspricht der Wert ihrer Büchersammlung.

6.2 Die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz
Aus den während des 2. Weltkriegs auf dem Territorium der westlichen Länder ausgelagerten Beständen der Preußischen Staatsbibliothek entstand der Grundstock für eine Paralleleinrichtung, zunächst in Marburg als „Westdeutsche Bibliothek“ aufgebaut und dann 1978 im berühmten, von Hans Scharoun entworfenen Neubau in Berlin als „Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ eingerichtet, nur einen Steinwurf entfernt vom in der Deutschen Staatsbibliothek verbliebenen Hauptbestand. Die Bestände wurden zielstrebig komplettiert und ausgebaut, so dass die Bibliothek zu Beginn der 90er Jahre wieder zu den bedeutendsten deutschen Bibliotheken gehörte. Sie war und ist wesentlich beteiligt an elektronisch geführten Normdateien und Zentralkatalogen und bekleidete die Funktion der internationalen ISBN- und ISMN-Agentur.

6.3 Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Auch diese beiden Einrichtungen wurden nach der Wiedervereinigung zusammengeführt zu einer gemeinsamen Bibliothek, die in zwei Häusern in Berlin weitergeführt wird und nun den Namen Staatsbibliothek zu Berlin trägt. Träger ist die „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“, eine Einrichtung, die dem Bundes-Innenministerium zugeordnet ist und den Besitz der früheren preußischen Museen, der Preußischen Staatsbibliothek und anderer Institute zusammenfasst. Sie wird zu 75% vom Bund und zu 25% durch die Länder finanziert.
Ihre nationalen und regionalen Aufgaben sind nicht deutlich zu umreißen. Sie ist eine wissenschaftliche Universalbibliothek mit herausragenden deutschen und internationalen Beständen und nach der Deutschen Bibliothek die zweitgrößte deutsche Bibliothek mit allein 9 Millionen Bänden und eine der größten wissenschaftlichen Universalbibliotheken in Europa.
Katalogdaten zu Beständen der Staatsbibliothek sowie Angaben zu den überregionalen Sammelschwerpunkten in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten System der Literaturversorgung (Sondersammelgebiete) können Sie online abrufen. Die SBB ist Depotbibliothek aller wichtigen internationalen Organisationen und nimmt mit 1,1 Millionen Entleihungen einen Spitzenplatz unter den deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken ein. Sie fungiert als Clearingstelle für den Internationalen Leihverkehr und besitzt Sammelschwerpunkte u.a. auf den Gebieten abendländische, orientalische und Musikhandschriften, Inkunabeln, Nachlässe, Karten, Musikalien sowie Zeitungen, Kinder- und Jugendbücher, Parlamentaria, Amtsdruckschriften und Veröffentlichungen Internationaler Organisationen. Das historische Gebäude der alten Staatsbibliothek wird künftig vor allem das Depot für die Altbestände sein und vorwiegend als Präsenzbibliothek für die Forschung und Wissenschaft dienen, der Neubau als moderne Ausleihbibliothek mit allen zeitgemäßen Informationsdienstleistungen.

6.4 Die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek ist die Landesbibliothek des Freistaates Bayern und eine der größten wissenschaftlichen Universalbibliotheken im deutschen Sprachraum. Sie sammelt wissenschaftliche Publikationen aller Länder und aller Fachrichtungen, ausgenommen Technik und angewandte Agrarwissenschaften. Sie verfügt über einen hervorragenden Altbestand (Sammlung Deutscher Drucke, VD 16, VD 17) mit weltweit einer der bedeutendsten Handschriftensammlungen. Besonders intensiv werden Publikationen zur Geschichte, Musik und aus und über Osteuropa gesammelt. Darüber hinaus verfügt die Bibliothek über zahlreiche Sonderbestände. Die Bibliothek wurde 1558 von dem Wittelsbacher Herzog Albrecht V. gegründet. Sie ist also, ähnlich wie die Preußische Staatsbibliothek, trotz ihres Namens eine Landesbibliothek, die im Laufe ihrer Geschichte eine Bedeutung erlangt hat, die sie aus der großen Zahl anderer wissenschaftlicher Bibliotheken hervorhebt. Sie wird vom Land Bayern unterhalten. Auch sie in der Vergangenheit „Königliche Bibliothek“ des Königreichs Bayern und auch sie 1919 zur „Staatsbibliothek“ des Freistaats umbenannt. Sie ist ab 1663 Pflichtexemplarbibliothek für das Territorium des damaligen Landes Bayern und ab dem 19. Jahrhundert für das Gebiet des heutigen Landes. Auf der Homepage der BDB wird eine umfassende Darstellung der Geschichte der Bestände gegeben. Mit heute 6.8 Millionen Bänden war sie bis zur Zusammenlegung der beiden vorerwähnten Einrichtungen die größte deutsche Bibliothek, wie oben erwähnt, mit einem ungewöhnlich wertvollen Altbestand von allein 77.000 Handschriften einschließlich Musikhandschriften und mehr als 18.000 Inkunabeln – die größte Sammlung dieser Art auf der Welt.
Die Bestände blieben von Kriegsschäden weitgehend verschont. So konnte nach dem Kriege eine geschlossene Sammlung mit Traditionsbewusstsein und Offenheit für den Fortschritt konsequent zu einer modernen Bibliothek entwickelt werden, die ihren unverzichtbaren Platz im deutschen Bibliothekswesen besitzt. Mit 39.600 laufenden Zeitschriften unterhält sie auch den größten Bestand aller deutschen Ausleihbibliotheken. Ihre Schwerpunkte sind u.a. die Gebiete Vor- und Frühgeschichte, klassische Altertumswissenschaften, Geschichte deutschsprachiger Länder, Frankreichs und Italiens und Musikwissenschaft. Sie nimmt entsprechend dem Umfang ihrer Bestände eine zentrale Rolle im Leihverkehr ein und ist, wie die Staatsbibliothek zu Berlin, Depotbibliothek internationaler Organisationen. Sie ist seit langem einer der bedeutendsten Zulieferer für nationale Datenverbünde und Normdateien und sie hat sich, ähnlich wie die Deutsche Bücherei, international anerkannte Kompetenz auf dem Gebiete der Buch- und Handschriftenrestaurierung erworben.

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