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Presse

2006 02 07 SZ

Saarbrücker Zeitung 07.02.2006

Infowissenschaft bald im Fächerverbund?

Computerlinguist regt ein gemeinsames Kompetenzzentrum mit Informatik und Philosophie an

Das Studienfach Informationswissenschaft hat alleine keine Zukunft. Ein neues Konzept aus der Computerlinguistik sieht einen interdisziplinären Fächerverbund mit der Informatik und der Philosophie vor.
Von SZ-Redaktionsmitglied Patrick Griesser

Saarbrücken. Zu „Quo vadis, Erziehungswissenschaft“ wird am Freitag um 15 Uhr auf dem Campus der Saar-Uni diskutiert (siehe Campus-News). Zur gleichen Fakultät gehört auch die Informationswissenschaft und die Diskussion zur Zukunft dieses Faches läuft bereits seit längerem. Die Ansätze sind vielfältig und ein wesentliches Problem ist derzeit noch ungelöst: Das Fach ist nur mit einer Professur ausgestattet und das ist für eine alleinige Weiterführung des Studienganges zu wenig. Eine neue Anregung kommt nun aus der Computerlinguistik: Professor Hans Uszkoreit setzt sich dafür ein, ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum zu errichten, in dem neben der Informationswissenschaft die Philosophie, die Computerlinguistik und die Informatik gemeinsam den Studieninhalt tragen würden. „Wir sind alle bereit, etwas dazuzugeben.“ Er appelliert: „Ich bin nach wie vor optimistisch, dass die Informationswissenschaft erhalten und verbessert werden kann. Das wäre das bessere Konzept.“

Offener Brief an Unispitze

Eine weitere Perspektive könnte der Zusammenschluss des Faches mit der Erziehungswissenschaft sein. Der Inhaber des einzigen Lehrstuhls der Informationswissenschaft an der Saar-Uni, Professor Harald Zimmermann, argumentiert gegen diese Überlegung in einem offenen Brief an Universitätspräsidentin Margret Wintermantel, den er jüngst veröffentlicht hat: Er sorgt sich, dass die Inhalte der Informationswissenschaft in einem gemeinsamen Studiengang unter den Tisch fallen könnten. Die gleichen Befürchtungen formuliert auch Jan Mertens vom Fachschaftsrat der Informationswissenschaft: „Es soll am Mittwoch ein Konzept im Fakultätsrat diskutiert werden, in dem sich keinerlei Inhalte der Informationswissenschaft finden, nur die Ressourcen wurden verplant.“

Ein Konzept werde tatsächlich diskutiert, es sei jedoch lediglich der Startpunkt der Beratungen, erklärte gestern der Dekan der Fakultät Rainer Krause auf Nachfrage. „Am Mittwoch soll eine Kommission eingesetzt werden für die Schaffung eines neuen Studienganges.“ Die Zusammensetzung der Kommission sei jedoch noch offen. Zudem solle die „planerische Nullquote“ eingeführt werden. Die Folge wäre, dass ab dem kommenden Semester für den aktuellen Masterstudiengang keine Studenten mehr aufgenommen werden würden.

„Eine Universität mit einem Informatik-Schwerpunkt braucht die Informationswissenschaft“, setzt sich Jan Mertens vom Fachschaftsrat für eine rasche Entscheidung zur Zukunft seines Faches ein. Unterstützung erhält er dabei vom Computerlinguisten Professor Manfred Pinkal: „Wir haben einen zunehmenden Bedarf bei Fragen, wie man sich die Informationsmengen unserer Zeit erschließen kann.“

Positiv drückt sich Universitätspräsidentin Margret Wintermantel aus: „Die Inhalte der Informationswissenschaft müssen weiter berücksichtigt werden“, erklärt sie. Derzeit gebe es lediglich konkurrierende Konzepte aus der Erziehungswissenschaft und der Computerlinguistik, eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet die Juso-Hochschulgruppe die Initiative des Dekans der Philosophischen Fakultät III, eine Nullquote für die Infowissenschaft zu verhängen. „Mit der Nullquote soll das Aus für die Informationswissenschaft beschlossen werden“, sagt Martin Sand, Sprecher der Jusos. Es werde nicht mit nicht zutreffenden Zahlen operiert, um die Nullquote zu begründen, erklärt Sand. Bei der Berechnung der Kapazität der Informationswissenschaft werde die im Oktober frei werdende Professur nicht mehr mitgerechnet. Dies sei vollkommen unüblich, da eine Lehrstuhlvertretung für das Wintersemester benannt werden müsse, die dann bei der Kapazitätsberechnung mit gezählt werden müsse. red