Diese Website ist seit dem Ende des Studiengangs Informationswissenschaft
im Juni 2014 archiviert und wird nicht mehr aktualisiert.
Bei technischen Fragen: Sascha Beck - s AT saschabeck PUNKT ch
Drucken

Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

Management-Informationssysteme

Überblick über den Stand und die Entwicklung von Management-Informationssystemen

Wie bereits ausgeführt befaßt sich die Informationswissenschaft von ihrem Forschungsansatz her mit Menschen, die Probleme zu lösen oder Entscheidungen zu treffen haben, wobei ihnen das dazu notwendige Wissen fehlt. Damit ist auch der Bereich der Management-Informationssysteme für uns interessant. Deshalb folgt hier ein Überblick über den Stand und die Entwicklung von Management-Informationssystemen

Die Entwicklung von Management-Informationssystemen (MIS) begann in den 70er Jahren, scheiterte jedoch an den unzulänglichen Hard- und Software-Voraussetzungen. Durch die verbesserten technischen Voraussetzungen erleben MIS in den 90er Jahren eine Renaissance.

Der Grundgedanke von MIS ist folgender: reale Problemlösungsprozesse im Rahmen einer effektiven Managementarbeit sollen technisch unterstützt werden. Dies geschieht, indem unternehmensweit auf alle entscheidungsrelevanten Daten zugegriffen werden kann und diese Daten in Kontroll-, Planungs- und Simulationsprozesse einbezogen werden können.

Damit unterscheiden sie sich von Expertensystemen, die Problemlösungsfähigkeiten von menschlichen Experten simulieren. Expertensysteme verfügen über große Wissensmengen auf einem Spezialgebiet und gehen hermeneutisch vor. Sie verfügen über die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen.

Gegenwärtig können MIS Manager unterstützen, indem sie ihnen gefilterte, konzentrierte und aufbereitete Informationen (erfolgskritische Daten) innerhalb von kürzester Zeit zur Verfügung stellen. Diese Unterstützung bezieht sich jedoch ausschließlich auf gut strukturierte Daten und Prozesse, die in feste logische Formen gebracht werden können. Schlecht strukturierte Aufgaben können zur Zeit noch nicht von MIS unterstützt werden. Sie müssen weiterhin von Menschen erledigt werden.

In der Literatur werden die verschiedensten Bezeichnungen für MIS verwendet: Computer Information System (CIS), Entscheidungsunterstützungssystem (EUS), Decision Support System (DSS) auf hierarchisch niederer Ebenen und Management Support System (MSS), Executive Support Systems (ESS) Führungsinformationssystem (FIS) und Executive Information System (EIS) auf hierarchisch höherer Ebene. Oft werden die einzelnen Bezeichnungen für das ganze MIS verwendet. Verbreitet ist aber die Auffassung, daß MIS immer aus mehreren Komponenten bestehen, wobei die Unterscheidung der einzelnen Komponenten begrifflich nicht immer sauber ist.

MIS bestehen aus mindestens zwei Ebenen: auf hierarchisch niederer Ebene bestehen sie aus DSS, die lokale Lösungen sind. Diese DSS werden verbunden zu MSS, die auf hierarchisch höherer Ebene angesiedelt sind. Dadurch ist ein durchgehender Informationsfluß von den unteren Hierarchieebenen zur höchsten Hierarchieebene, der Entscheidungsebene, gegeben. Die Integration der einzelnen Ebenen ist der entscheidende Punkt, nur wenn sie funktioniert, funktioniert auch der Informationssfluß. Damit ist das MIS abhängig von den technischen Gegebenheiten (Rechnerebenen: Großrechner, Client-Server-Architekturen, PC-Netze) und der Organisationsstruktur im Unternehmen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können MIS nur Unterstützung auf einem relativ niederen kognitiven Level leisten. Sie übernehmen vereinfacht gesagt Zuarbeiterfunktion, können noch keine eigenen Entscheidungen fällen. Um die MIS zu Expertensystemen weiterentwickeln zu können, hofft man auf Ergebnisse aus der Künstlichen-Intelligenz-Forschung.