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Studium Informationswissenschaft

Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

3. Was ist eine Informationsgesellschaft?

Ilse Harms

„Eine Informationsgesellschaft ist eine stark von Informationstechnik geprägte Gesellschaft. Die Prägung zeigt sich in der Bedeutung, welche Informationstechnik in Arbeit, Freizeit und Rüstung einnimmt. Sobald die Mehrheit der Beschäftigten im Informationssektor arbeiten würden, wäre es auf jeden Fall berechtigt, von einer Informationsgesellschaft zu sprechen. Es ist nicht leicht, den Umfang des Informationssektors aus den vorhandenen Wirtschaftsstatistiken zu entnehmen“
(Otto, Peter / Sonntag, Philipp 1985 : Wege in die Informationsgesellschaft. Steuerungsprobleme in Wirtschaft und Politik. DTB-Verlag 4439, S.49).

Die Japaner haben dies bereits Anfang der 70er Jahre mit einer quantitativ orientierten Kommunikationsforschung versucht, d.h. mit den Methoden der Ökonomie und der Statistik, also mit ökonometrischen Verfahren den Grad der Informatisierung ihrer eigenen und anderer Gesellschaften zu messen.
Sie bildeten einen „Informationsindex“ als Maßstab. Dieser „Informationsindex“ bestand aus 10 Kennzahlen, z.B. Zahl von Telefongesprächen pro Person und Jahr, Zahl der verkauften Zeitungen und Fernsehgeräte pro 1000 Einwohner, Anzahl der in Informationsberufen Beschäftigten im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigten und die Informationsausgaben in Prozent der Gesamtausgaben. Mit solchen Kennzahlen untersuchten die Japaner, wie weit sie im Verhältnis zu ihren Konkurrenten unter den Industrienationen in der Entwicklung in Richtung auf die „Informationsgesellschaft“ schon fortgeschritten waren. Mit dem Ergebnis dieser Untersuchung waren die Japaner im übrigen recht zufrieden, da es zeigte, daß sie Vergleich zu anderen Industrienationen schon recht weit waren.
(Vgl. Schöhl, Wolfgang 1984: Informationsgesellschaft. Der Stand der wirtschaftlichen Kommunikationsforschung in Japan und in den Vereinigten Staaten – eine Herausforderung für die deutsche Wissenschaft. In: Publizistik, Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, 3-4/29.Jg, 1984. S.401-417)).

Mittlerweile ist man auf dem Gebiet der ökonomisch-quantitativ orientierten Kommunikationsforschung zu einem umfassenderen Informationsindex gekommen, der z. B. die Messung von internationalen Informationsströmen beinhaltet. Die Vergleichbarkeit bleibt aufgrund unterschiedlicher Zuordnungen und Erfassungsarten in den verschiedenen Ländern allerdings ein Problem. So sind z.B. die nationalen Zuordnungen von Berufsgruppen unter den Begriff Informationberufe unterschiedlich und erschweren somit den Vergleich.

Aus der qualitativen Kommunikationsforschung kommt eine Definition, die diesen quantitativen Aspekt einschließt, aber darüber hinaus auch die Ursachen der Entwicklung zu einer Informationsgesellschaft umfaßt. Wesentliches Merkmal der arbeitsteiligen Industriegesellschaft demokratischer Prägung ist das hohe Maß an sozialer Differenzierung, das sich mit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts herausgebildet hat. Der Einzug der fabrikmäßigen Produktion, die Arbeitsteilung in Form des Taylorismus (arbeitsteilig differenzierte Zerlegung ehemals zusammengehöriger Arbeitsprozesse) und die daraus resultierenden Veränderungen in der Sozialstruktur der Gesellschaft kennzeichnen die Industriegesellschaft.
An diesem Punkt setzt die Definition von Ulrich Saxer, einem Kommunikationswissenschaftler an, indem er ausführt: „die Komplexität dieser Gesellschaft, ihre Differenziertheit, hat ein derartiges Ausmaß angenommen, daß neben den bekannten drei Sektoren der Urproduktion, also vor allem der Landwirtschaft, dem Handwerk und der Industrie als verarbeitendem Sektor und dem Dienstleistungssektor, ein vierter Sektor sich allmaehlich ausbildet, nämlich derjenige der Kommunikation, der die anderen kommunikativ erschließen muß„.
(Saxer, Ulrich 1983: Die Neuen Medien. Staats-, sozial- und kulturpolitische Aspekte. In: Schweizer Monatshefte 6/1983, S.493-503., Zitat: S.493).

Das heißt mit anderen Worten, unsere Gesellschaft hat sich aufgrund ihrer Produktionsweise, die ja extrem arbeitsteilig strukturiert ist – beispielhaft ist auf das zunehmende Expertentum zu verweisen – derartig ausdifferenziert, daß die Funktionsfähigkeit nur aufgrund zunehmender und verbesserter Information aufrecht erhalten werden kann.

Beispiel: Als die Sowjetunion in den 50er Jahren (1957) den Wettlauf mit der USA um den ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn gewonnen hatte, grassierte der sog. Sputnik-Schock . Mit Bestürzung stellte die westliche Welt fest, daß eine Nation, der man sich überlegen glaubte, einen derartigen Erfolg in der Raumfahrttechnik hatte. Eine der Erklärungen bestand darin, daß der dort herrschende Zentralismus die Sammlung und Bereitstellung wichtiger Informationen, konkret Forschungsergebnisse, begünstigt. In der eher unübersichtlichen Forschungslandschaft im Westen sah man die Gefahr von Doppelarbeit und Verschwendung von Ressourcen.
Eine Reaktion auf diesen Sputnik-Schock war in den USA der Weinberg-Report, der eine Analyse der akuten Grundprobleme von Informationsammlung und Bereitstellung beinhaltete. Die BRD reagierte mit Programmen (IuD-Programm, Fachinformationsprogramm), die die Einrichtung sog. Fachinformationszentren zu allen wissenschaftlichen Disziplinen vorsah. Dort sollten alle wichtigen Informationen mit Hilfe von Datenbanken zentral gesammelt, gespeichert und online zur Verfügung gestellt werden. Die Bundesregierung schuf damit einen neuen Bereich, dessen Aufgabe es ist, die anderen kommunikativ zu erschließen.

 

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