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Studium Informationswissenschaft

Studienführer Informationswissenschaft

1. Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes

Das Fach Informationswissenschaft ist seit den 70er Jahren an wissenschaftlichen Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland vertreten. In Saarbrücken gibt es einen Studiengang mit den Abschlüssen Magister und Promotion, in Regensburg und Düsseldorf Bachelor- und Masterstudiengänge, in Konstanz (zusammen mit der Informatik) einen Bachelor- und Masterstudiengang „Information Engineering“ und in Hildesheim einen Magisterstudiengang „Internationales Informationsmanagement“ mit einem Studienschwerpunkt „Angewandte Informationswissenschaft“.

Eine C4-Professur für Informationswissenschaft wurde 1980 an der Universität des Saarlandes (mit Promotionsmöglichkeit zum Dr. phil.) eingerichtet; 1984 wurde eine Fachrichtung als eigenständige Gliederung realisiert und etwa gleichzeitig die Studienordnung zum Studiengang Informationswissenschaft mit Abschluss eines Magister Artium (M.A.) durch den saarländischen Minister für Kultur, Bildung und Wissenschaft genehmigt.

Informationswissenschaft ist Magister- und Promotionsfach an der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes, es gelten also die entsprechenden allgemeinen Prüfungsordnungen.

Die Bezeichnung Information hat unterschiedliche Bedeutungen: In einer Variante ist sie bis heute durch die Informationstheorie bestimmt als das Kodieren und Dekodieren von Nachrichten in elektromagnetischen Leitern. Von daher ist der Begriff indirekt eingegangen in den Terminus Informatik als der Wissenschaft von Computern mit mathematischen und physikalischen Komponenten.

Für das Verständnis der Informationswissenschaft relevant ist jedoch die Bedeutung Information im Sinne des (geglückten) Transfers von Wissen bzw. des Prozesses der Wissensvermittlung selbst. Hierbei steht der inhaltliche Aspekt im Vordergrund. Wissen muss gesammelt, für und durch den (spezifischen) Benutzer selektiert und aufbereitet, durch technische Medien (Druck, Datenbank, Bildplatte,…) vermittelt und zugänglich gemacht werden. Informationswissenschaft im allgemeinen Sinn ist die Wissenschaft von der Repräsentation, Rezeption und Präsentation, v.a. aber vom Transfer von Wissen.

Wissen und Wissensveränderungen bestimmen das Verhalten und die Entscheidungen des Menschen (bzw. ggf. auch eines vom Menschen als Hilfsinstrument entwickelten Systems). Der Begriff Information wird im Folgenden weitgehend synonym mit Wissenstransfer verstanden.

Die Diffusion von Wissen z.B. von den Forschern und Forschungszentren in die gewerbliche Nutzung, aber auch die Bildung öffentlicher Meinung vollzieht sich z.Z. vielfach informell und intuitiv. Mit informationswissenschaftlich geprägten Methoden und Verfahren soll dieser Prozess des Wissenstransfers stärker systematisiert, v.a. ökonomisiert und zielgerichtet werden. Dazu gehört – und dies ist ein Schwerpunkt des Saarbrücker Modells -, den Wissenstransfer z.B. mit sprachwissenschaftlichen und informationstechnischen Instrumentarien effizienter zu gestalten.

Wissenstransfer vollzieht sich in vielfältiger Weise; er ist auch herkömmlich schon partiell stärker strukturiert und thematisiert worden. Erziehung z.B. bedeutet unter dieser Schwerpunktsetzung v.a. die Weitergabe „gesicherten“ (oder auch „kanonisierten“) Wissens an die nächste Generation. In Patentanmeldungen wird technisches Wissen als Verwertungsanspruch eingebracht. Die Bilanz eines Unternehmens dient u.a. den potentiellen Kapitalanlegern, Partnern oder Kunden als Entscheidungsgrundlage, Gesetzespublikationen vermitteln die normative Ordnung von Staaten oder Gesellschaften usf.

Der Informationswissenschaft kommt durch ihre relativ „neutrale“ Betrachtungsweise des Wissenstransfers eine Brückenfunktion zu. Informationswissenschaft ist systematisch und thematisch (auch methodisch) eng verbunden mit der Kommunikationswissenschaft, mit der kognitiven Psychologie, der Informatik (Computerwissenschaft) und entsprechenden spezielleren Ausprägungen der Wirtschafts- oder der Rechtsinformatik.

In der Informationswissenschaft geht es letztlich immer um Wissensvermittlung zwischen Menschen, wenn dieser Prozess auch zunehmend computervermittelt gestaltet wird. Der Bezugspunkt ist immer der Mensch, sein Informationsbedarf, die Zugangsmodalitäten wie die Schnittstellenproblematik und Barrieren sozialer, psychischer, technischer und ökonomischer Art und die Integration der Informationstechnologie in soziale Systeme. Dieser soziotechnische Ansatz im Saarbrücker Modell der Informationswissenschaft rechtfertigt im übrigen die organisatorische Einbindung in die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Die Informatik kann demgegenüber dadurch charakterisiert werden, dass sie mit den Bedingungen und Verfahren der Informationsverarbeitung unter Berücksichtigung der Möglichkeiten des Computers befasst ist, ohne detailliert auf die Spezifika der Anwendungen einzugehen. Für die Informationswissenschaft ist der Computer im Prinzip ein Werkzeug neben anderen, um Wissensrepräsentations-, Wissensaufbereitungs- und Wissensverdichtungs- sowie Wissensrezeptionsfragen zu lösen.

Wie heute eigentlich in allen Bereichen der Wissenschaft und Praxis kommt der Informationstechnik als Werkzeug jedoch eine derartig umfassende Bedeutung zu, dass sie zu einem unentbehrlichen Mittel der Forschung und Entwicklung wie auch der späteren beruflichen wie betrieblichen Anwendung geworden ist.

Die Informationswissenschaft nach dem „Saarbrücker Modell“ gliedert derzeit den Gegenstand in vier Bereiche, denen v.a. die Schwerpunkte im 2. Studienabschnitt gewidmet sind:

  • Fachinformation und Dokumentation (vorwiegend individualistischer Transfer von Expertenwissen an Experten)
  • Betriebliche Information und Kommunikation (Informations- und Wissensmanagement in Wirtschaft, Industrie und Verwaltung)
  • Publikumsinformation (Wissens- und Meinungstransfers an viele, v.a. an eine breitere Öffentlichkeit)
  • Informationsindustrie (Organisation, Methoden, Verfahrenstechnik und Ökonomie, Akzeptanz der Informationsvermittlung).

Diese Themenschwerpunkte sind – repräsentiert in entsprechenden zentralen Ausbildungskomponenten vorwiegend im ersten Studienabschnitt – durch folgende Querschnittsgebiete miteinander verknüpft:

  • Wissensrepräsentation
  • Informationslinguistik
  • Informationstechnik
  • Soziale und psychische Faktoren (von Informationssystemen).

Ehe im Folgenden die einzelnen Schwerpunktbereiche kurz vorgestellt werden, ist auf Folgendes hinzuweisen: Die Grenzen zwischen fachlicher, betrieblicher und publizistischer Information sind nicht wohldefiniert, vielmehr ist Wissen aus und für Wissenschaft und Praxis, Fach- und Laienwissen vielfältig miteinander verknüpft. Die Schwerpunktbereiche stellen also eher thematische Gewichtungen oder Exemplifizierungen allgemeiner informationswissenschaftlicher Methoden oder Verfahren dar, als dass sie isoliert behandelt werden können. Dies gilt v. a. angesichts der informationstechnischen Entwicklungen, die zum Abbau der „Grenzen“ zwischen fachlicher, betrieblicher oder publizistischer Nutzung beitragen.

1.1 Der erste Schwerpunktbereich: Fachinformation

Unter Fachinformation versteht man die (meist individuelle) Vermittlung von Fachwissen zwischen Experten bzw. zwischen Experten und interessierten Laien. Thematisiert werden die Gebiete der intellektuellen wie maschinellen Indexierung (Datenerschließung und -aufbereitung), der Entwicklung und Nutzung von Thesauri und von Klassifikationssystemen. Das Bibliotheks- und das Dokumentationswesen, aber auch die Verlagsindustrie sind wichtige organisatorische Träger und Gestalter der Fachinformation.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Einführung in das sog. Online-Retrieval bzw. die Nutzung von Informationsbanken „vor Ort“, z. B. auf CD-ROM. Hier spielen Systeme zur automatischen Indexierung und Klassifikation sowie die maschinelle und maschinengestützte Übersetzung zunehmend ein Rolle, so dass zum informationslinguistischen Querschnittsbereich besondere Beziehungen bestehen.

Aufgabe der späteren beruflichen Praxis wird es sein, als Informationsvermittler tätig zu werden, aber auch neue Konzepte, die sich aus den technischen Möglichkeiten ergeben, in Bibliotheken, Fachinformationsstellen oder Verlagen um- oder einzusetzen.

Die Nutzung von Datenbanken wird inzwischen ergänzt und unterstützt durch Verfahren, bei denen Maschinen so „programmiert“ sind, dass sie aufgrund vorgegebener Daten und Abfragen selbständig Schlussfolgerungen ziehen bzw. in der Interaktion Mensch-Maschine ihre Entscheidungen „begründen“ (sog. Expertensysteme). Die Verfahren und Möglichkeiten der sinnvollen Nutzung von Expertensystemen (nicht deren konzeptionelle oder technische Entwicklung: dies ist Gegenstand der Informatik bzw. der KI-Forschung) gehen zunehmend in die informationswissenschaftliche Forschung und Lehre ein.

Die Aufgabe der späteren beruflichen Praxis der bzw. des in Informationswissenschaft Ausgebildeten wird darin bestehen, beim anwendungsorientierten Design mitzuwirken, aber auch als „Multiplikator“ den Fachmann zu einem „Wissensingenieur“ auszubilden bzw. umzuschulen, um die Systeme fachlich angemessen und informationsgerecht auszugestalten.

Die Einrichtung dieses Schwerpunktbereiches in Saarbrücken ist entstanden im Zusammenhang mit Fördermaßnahmen der Bundesregierung, die u. a. dem Ziel dienten, die fachliche Kompetenz und die Verfahren und Methoden in der fachlich-wissenschaftlichen Information und Kommunikation zu verbessern. Die fachliche Informationsvermittlung ist ohne sachspezifische Kompetenz des Vermittlers nicht zu bewältigen. Von daher versteht sich das Studium nicht als auf die „neutrale“ Wissensvermittlung bezogen, sondern fordert zumindest für diesen Bereich auch eine fachliche Ausbildung (z. B. in einem Kombinationsstudium).

Der oder die spätere Informationswissenschaftler(in) steht im (natürlichen) Wettbewerb zu Juristen, Chemikern, Medizinern usf., die neben ihrem Fachstudium ggf. Spezialisierungen usf. erworben haben. Dennoch sind (v. a. in größeren Unternehmen) gute berufliche Chancen gegeben, v. a. dort, wo der „Informationsingenieur“ oder „Wissensingenieur“ im Team gefordert ist.

Die zunehmende Verfügbarkeit von Datennetzen (z. B. Internet) und ihre Kopplung mit Personal Computern führt außerdem zu einer Ausweitung des Gegenstandsbereiches der Fachinformation in Richtung Lehren und Lernen, d. h. Unterweisung im weitesten Sinne. Die Erwartungen, die sich mit „Distance Education and Technology“ (um hier nur ein Schlagwort zu gebrauchen) verbinden, sind hoch: Gleichzeitige Steigerung von Effektivität und Effizienz. Die Informationstechnologie aber erfordert neue Präsentationsformen (z.B multimediale), neue Lernumgebungen (z.B. Teleseminare, Videokonferenzen) und neue Kommunikationsformen (z.B. E-Mail, elektronische Diskussionsgruppen). Der nutzerorientierte Ansatz, dem sich die Informationswissenschaft insgesamt verpflichtet fühlt und der gleichzeitig Basis des auch in der Ausbildung zunehmend Anwendung findenden Total-Quality-Management-Konzepts ist, führt notwendig zu Fragestellungen nach inhaltlichen, organisatorischen, technischen und sozialen Einsatz- und Designmodalitäten solcher Systeme.

Die Bearbeitung dieses Themenbereiches erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen. Aus diesem Grund kann bei der Wahl dieses Themenbereiches die Kombination mit dem Fach Psychologie mit dem Schwerpunkt Kognitionspsychologie und/oder dem Fach Erziehungswissenschaft besonders empfohlen werden.

Im Zentrum der späteren beruflichen Praxis wird die Konzeptualisierung von Systemen der Bildungstechnologie für Industrie, Handel und Behörden und ihre praktische Umsetzung, Betreuung und Bewertung in den unterschiedlichsten Bereichen stehen. Zur Zeit sind es vor allem die großen Industrieunternehmen, die aufgrund der hohen Weiterbildungskosten Distance-Education-Systeme einsetzen. Mit neuen Qualifikationsanforderungen, ausgelöst u. a. durch verstärkten Einsatz von Technologie, steigt der Bedarf nach Weiterbildung. Für die Zukunft kann deshalb mit einer Ausweitung dieses beruflichen Aufgabenbereichs gerechnet werden.

1.2 Der zweite Schwerpunktbereich: Informations- und Wissensmanagement

Eine neue Schwerpunktsetzung hat dazu geführt, dass heute ein besonderes Gewicht auf das Wissensmanagement gelegt wird, worunter im engeren Sinne die Nutzung innerbetrieblichen Wissens für den Unternehmenserfolg verstanden wird. Nach einer traditionellen informationswissenschaftlichen Sichtweise wäre aber das Wissensmanagement dem Informationsmanagement unterzuordnen.

Unter Informationsmanagement wird die Generierung, Planung und Verwaltung von Datenbeständen („Wissen“) sowie die Steuerung von Informationsflüssen (Informationslogistik) v.a. im betrieblichen oder behördlichen Bereich verstanden. Es umfasst z. B. die Aufgaben, die dem Datenbank-Administrator mit Bezug auf ein Datenbank-Management-System zukommen. Fragen des Datenschutzes gehen hier mit ein, vor allem aber die den Nutzer interessierende generelle Frage,

zum richtigen Zeitpunkt genau die relevante „Information“ ohne Ballast zu ökonomischen Bedingungen benutzerfreundlich am Arbeitsplatz zur Verfügung zu haben,

ein trotz des Einsatzes modernster Technik und Verfahren nach wie vor eher utopisches Ziel.

Hierbei – wie im Übrigen auch bei der Fachinformation – geht es nicht um die Vermeidung von Doppelarbeit oder „Wissenskondensation“ um jeden Preis: Dies wäre in einer Gesellschaft, die entscheidend von den Vorteilen eines gesunden Wettbewerbs profitiert, die von pluralistischen Lösungen lebt, weder sinnvoll noch durchführbar. Ziel muss es sein, das Potential des Wissenstransfers mit den angegebenen Zielen zu erweitern, die Entscheidung über die Auswahl bzw. auch die Wissensverdichtung – die ja ggf. einen Wissensverlust mit sich bringen kann – jedoch den Benutzern (bzw. Betroffenen) zu überlassen, ihnen jedoch das Bewusstsein darüber zu vermitteln, welche Konsequenzen die jeweiligen Verfahren nach sich ziehen (können).

Der Informationsmanager organisiert in diesem Zusammenhang die Auswahl des Informationssystems, er definiert die externe Sicht der Daten für den (End)Benutzer, bestimmt die Zugriffs- und Distributionsmethoden, wählt die geeignete(n) Dokumentationssprache(n) aus, implementiert und organisiert die Nutzung, ggf. auch die Entwicklung von Klassifikationen, Thesauri oder sonstigen Zugangssystemen. Er berät und wirkt mit bei der Auswahl der relevanten Daten.

Die Informationslogistik trägt dazu bei, den Informationsfluss innerhalb eines Betriebes bzw. einer Behörde zu steuern. Es gilt, die optimalen bzw. günstigen – auch ökonomisch vertretbaren – Informationswege in Verwaltungs- und Produktionsvorgängen festzustellen und die nötigen technischen Mittel zu ihrer Realisierung bereitzustellen.

Da auch hier die Informationstechnik zunehmend an Boden gewinnt, spielen Fragen der (geeigneten) Mensch-Maschine-Schnittstellen eine besondere Rolle. Da betriebliche Information und Kommunikation auch in wesentlichen Teilen durch Außenbeziehungen bestimmt ist, sind die Probleme der Verknüpfung betrieblicher Informationssysteme wie auch der Nutzung außerbetrieblicher (weltweit) verfügbarer Informationssysteme ein wichtiges Thema.

Thematisch bestehen Verbindungen zur Wirtschaftsinformatik, doch werden z.B. im informationswissenschaftlichen Studium die produktionsorientierten Informationsprozesse (z.B. Computer-Integrated Manufacturing = CIM, Computer-Aided Design = CAD…) weitgehend ausgeklammert. Hierzu wird auf die Studienmöglichkeiten v.a. in der Wirtschaftsinformatik verwiesen.

Die (in Saarbrücken mögliche) Kombination des informationswissenschaftlichen Studiums mit Betriebswirtschaft und/oder Politikwissenschaft stellt eine geeignete Grundlage für einen späteren beruflichen Wirkungskreis in diesem Schwerpunkt dar.

1.3 Der dritte Schwerpunktbereich: Publikumsinformation

Lange Zeit war es üblich, die elektronisch verfügbare Fachinformation als individuellen Dialogverkehr und Publikumsinformation als „Einwegkommunikation“ an eine breite und schwer differenzierbare Nutzergruppe zu verstehen. Die durch die bisherige Technologie bewirkten Grenzen zwischen Individualkommunikation und Massenkommunikation lösen sich zunehmend auf. Voraussetzung für die neuen Formen der Kommunikation sind einerseits die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Informationstechnik und der Kommunikationstechnik und das Zusammenwachsen der beiden Techniken. Die Telekommunikationsanbieter (wie die TELEKOM) arbeiten einerseits an breiteren „Datenautobahnen“ in Form von Glasfasernetzen und an dem ISDN, das alle bestehenden Telekommunikationsdienstleistungen über ein einziges Netz zur Verfügung stellt und andererseits an entsprechenden Kompressionsverfahren für den „schlankeren“ Transport von Multimedia-Daten. Die Konsequenzen aus diesen „information superhighways“ münden in einer Veränderung der betrieblichen und der privaten Kommunikation, auch in neuen Produkten und neuen Märkten.

Während diese Veränderungen im Bereich der fachlichen Information in den drei anderen Schwerpunktbereichen bearbeitet wird, steht im Schwerpunktbereich Publikumsinformation die Beschäftigung mit den individualisierten Massenmedien im Vordergrund.

Bildschirmtext (später T-Online) war ein erster Schritt in Richtung eines individualisierten und zeitunabhängigen Mediums mit Dialogcharakter, womit auch gleichzeitig Fragen der medienrechtlichen Zuordnung und der damit zusammenhängenden Mediengesetzgebung auf nationaler und internationaler Ebene in den Blickpunkt geraten. Diese Thematik setzt sich fort im Zusammenhang mit der Satellitentechnik als Vermittlungstechnologie mit Ländergrenzen überschreitenden Ausstrahlunggebieten, die sich nicht mit dem Geltungsbereich der jeweiligen nationalen Mediengesetzgebung decken.

Zur Bearbeitung des skizzierten Problembereichs gehören die technischen Grundlagen der verschiedenen Vermittlungs- bzw. Verteiltechnologien, deren Leistungsmerkmale und Kostenstruktur sowie der medienpolitische Ordnungsrahmen und Konzentrationstendenzen in der Medienlandschaft.

Weitere neu entstehende Medienformen, die an den Bereich der traditionellen Massenkommunikationsmittel wie Zeitung und Fernsehen anknüpfen, sind die elektronische Zeitung und das interaktive Fernsehen. Diese Konzeptionen sehen ein individuelles und selektives Steuern von multimedial aufbereiteten Informationseinheiten mit Hypertextstrukturen vor mit dem Ziel, ein auf den einzelnen Nutzer zugeschnittenes Informationsangebot zu gestalten.

Die skizzierte Entwicklung ermöglicht nicht nur eine Ausweitung des Informations- und Unterhaltungsangebots, sondern einen zunehmend zeit- und ortsunabhängigen individuellen und interaktiven Zugriff und verändert damit in hohem Maße unsere informationelle Umwelt. Die informationswissenschaftliche Fragestellung konzentriert sich deshalb auf die Veränderungspotentiale dieser Technologie. Die technischen Grundlagen, Inhalte und Präsentationsformen bilden dabei einen thematischen Schwerpunkt. Zur generellen Einschätzung dieser Projekte, die das Modell einer Mensch-zu-Mensch-Kommunikation in eine Mensch-Maschine-Konzeption übertragen, gehört außerdem die Beschäftigung mit kommunikationstheoretischen Ansätzen und empirischer Wirkungsforschung. Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Aspekte, die im Zusammenhang mit dieser Entwicklung stehen, wie z.B. die Wissensveränderung durch Medien, ebenso behandelt wie die Probleme, die sich mit den Schlagwörtern: „Informationslawine“, „Wissensklufthypothese“ und „Ausdifferenzierung von Lebenswelten“ umreißen lassen.

Die spätere berufliche Praxis, die diesem Schwerpunkt folgt, ist weit gespannt: Fachleute, die qualifizierte Kenntnisse in der Integration oder auch der Nutzung neuer Medien aufweisen, sind auf lange Sicht gefragt. Die Nähe dieses Themenbereiches zur Publizistik bietet – auch unter Berücksichtigung der räumlichen Nähe zu öffentlichen und privaten Rundfunkanstalten, vor allem aber wegen des zunehmenden Engagements der großen Verlage und sonstigen Informationsanbieter im Bereich des elektronischen Publizierens – gute Chancen einer Beschäftigung in diesem sich ausweitenden Anwendungsfeld.

1.4 Der vierte Schwerpunktbereich: Informationsindustrie

Die Fachinformation ist seit etwa 20 Jahren zum Wegbereiter einer „Online-Industrie“ geworden. Zeitschriften-Bibliographien und Referateorgane kennzeichneten das erste Angebot an Datenbanken, das über die internationalen Datenübertragungsnetze vermittelt wird. Wirtschaftsinformationen wie Börsen- und Rohstoffkurse laufen zwar schon seit längerer Zeit über das Fernschreibnetz, sind inzwischen aber auch in Datenbankbestände integriert, wobei sie „real-time“ abzufragen sind, d.h. sie enthalten z.B. den aktuellen Kurs eines Tages neben älteren Ständen, Wochendaten etc. Internationale Bildschirmtext- und Videotextsysteme haben bereits in den 1980er und 1990er Jahren zahlreichen elektronischen Diensten im Internet den Weg bereitet.

Datenbanktechnologie und Nachrichtentechnik wachsen dabei zusammen. Es entstehen Mischformen und Mehrfachnutzungen von Angeboten und Leitungswegen. Vor allem aber verbinden sich Verlagswesen und EDV-Industrie (Stichwort: Elektronisches Publizieren). Durch den elektronischen Satz stehen heute die erstellten Dokumente im Medienmix zugleich auf Magnetband oder anderen (modernen) Speichermedien zur Verfügung und können auch online angeboten werden.

Bisher sind vor allem Wirtschafts- bzw. Firmeninformationen, die schnell bzw. jährlich aktualisiert werden müssen, Vorreiter beim doppelten Angebot als Druck-Erzeugnis und als Datenbank. Seit dem Auftreten der Compact-Disk (CD-ROM) als Wissensspeicher und die Verknüpfung mit Abfrage- und Auswertungssystemen auf dem Personal Computer (PC) nutzen auch die (Zeitschriften-) Verlage die elektronischen Vertriebskanäle. DeskTop-Publishing, Elektronisches Publizieren, aber auch Kosten-Nutzen-Analyse im Wandel des vormals „bleigeprägten“ Verlagswesens zum Hersteller und Distributor der elektronisch gespeicherten Daten bilden einen besonderen Schwerpunkt. Zu diesem Schwerpunkt gehören auch seit Ende der 1980er Jahre multimediale Informationssysteme (Stichwörter: Hypertext, Hypermedia, Multimedia), die Texte, Grafik, Foto, Video, Ton und bewegte Bildsequenzen miteinander verbinden.

In diesen Themenbereich gehören Bedarfs- und Benutzeranalysen, Akzeptanzuntersuchungen, Kosten-/Nutzenanalysen ebenso wie Studien zu den (möglichen) – auch negativen – Folgewirkungen.

Die Ausbildung in diesem Bereich dient der Deckung eines erheblichen Bedarfs an qualifizierten Kräften, etwa in bestehenden Unternehmen, die sich den neuen Möglichkeiten anpassen müssen (oder wollen). Daneben öffnet sich ein großer Freiraum für Eigeninitiativen im unternehmerischen Sinne.