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Diskussionsbeiträge

Autorensystem-Test

Toolbook for Windows 1.53

FH Regensburg

Bewertung von Toolbook for Windows 1.53

Auf den ersten Blick…

Die Entwicklungsoberfläche von Toolbook besteht im wesentlichen aus einem Grafikeditor mit angegliederter Programmiersprache. Die generierten grafischen Objekte lassen sich mit der objekt- und ereignisgesteuerten Sprache OpenScript ansprechen, verändern und steuern. Toolbook kann zum Schreiben von Windowsapplikationen, Präsentationen und CBT/CBI-Programmen eingesetzt werden. Neben dem Einsatz im Front-End-Bereich kann es auch als Unterstützung im Datenbankbereich dienen. Es ist das einzige der getesteten Produkte, das die ´üblichen´ Windows-Dialogelemente zur Verfügung stellt. Das sind DialogBox, ListBox, CheckBox, Radiobox und EditLine. Toolbook unterstützt DLLs. Datenaustausch unter Windows ist über DDE möglich.

Handhabung…

Bei der Kurserstellung macht sich schon im Anfangsstadium die einfache Handhabung für die Kurssteuerung bemerkbar. Wird nur die lineare Seitenschaltung benötigt, kann auf die standardmäßig im Menü eingebaute Seitenschaltung mit History und Suchfunktion zurückgegriffen werden. Die Entwicklungsumgebung unterscheidet zwischen dem „Reader“ und „Author“-Level und paßt das Menü der jeweiligen Gegebenheit an.
Ein schneller Wechsel zwischen Programmerstellungsmodus und Programmablaufmodus ist möglich. Die Menüs lassen sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen und erweitern. Hierin steckt ein hohes Potential zum Ausbau der Entwicklungsumgebung nach eigenen Bedürfnissen. Anspruchsvollere Kurssteuerungen sind im Gegensatz zu anderen getesteten Produkten mit geringerem Aufwand erstellbar. Der integrierte Linkeditor für Buttonobjekte ist gut geeignet zur Erstellung von Kursnetzwerken (Seiten sind vernetzt).
Bei der Programmierung erfolgt die Handhabung von Variablen in Form von Containerobjekten ohne Probleme. Unterstützt werden die Variablentypen numeric, logic, string, date und time sowie Listen- und Rekordprogrammierung.
Neben den global verfügbaren Systemvariablen können für jede Funktion oder Eventhandler lokale Variablen definiert werden. Bei Bedarf können auch globale Variablen im BOOK-Script festgelegt werden. Die Zugriffserlaubnis auf globale Uservariablen muß bei Funktionen und Eventhandlern angegeben werden.
OpenScript erlaubt die Veränderungen von Objekteigenschaften. So kann zum Beispiel ein gemalter Kreis auf dem Bildschirm später im Programm seine Größe, Position oder Farbe ändern. Standardarithmetik-, String- und Umwandlungsfunktionen stehen zur Verfügung. Programmierer, die bereits in PASCAL oder C objekt- und ereignisorientiert programmiert haben, werden sich schnell in OpenScript zurechtfinden.

Famoses Debugging…

Der integrierte Debugger überragt mit seinen Eigenschaften alle anderen getesteten Produkte. Treten beim Programmablauf Fehler auf, dann meldet sich der integrierte Debugger, zeigt die Fehlerursache und die Stelle, an der der Fehler aufgetreten ist. Zum Einkreisen einer Fehlerstelle kann auch die Trace/Step-Funktion des Debuggers verwendet werden oder einfach Breakpoints.
Ist das Programm fertig, kann auf die Entwicklungsoberfläche verzichtet werden. Zum Ablauf ist jetzt nur noch die RunTime-Version von ToolBook erforderlich.

Die optimale Seite…

Für den Anfang ist die optimale Einstellung der exakten Seitengröße auf die Bildschirmgröße schwierig zu bewerkstelligen. Negativ ist auch die geringe Effektunterstützung bei Einzelobjekten zu bewerten, die aber durch geschickte Programmierung in OpenScript behebbar ist. Die grafischen Gestaltungsmöglichkeiten sind jedoch gut und praktikabel. Nur bei den Linien fehlt die Pfeiloption. Als Ersatz können hier Pfeilobjekte aus der Grafiklibrary dienen.
Vorder- und Hintergrundtrennung – hier ist nicht die Layereigenschaft von Objekten gemeint – ist möglich und wird von OpenScript sehr gut unterstützt. Windows-Buttons und Buttonschrift können beliebig eingefärbt werden.

… gelinkter Text

Im Texteditor stehen stehen alle unter Windows installierten Schriften und Schriftgrößen zur Verfügung. Die Schrift in einem Textfeld kann nicht gleichzeitig unterschiedliche Farben annehmen.
Die Variablenausgabe, gemischt mit Text in einem Textfeld, ist nicht direkt möglich wie bei Authorware Professional. Sie kann aber mit geringem Aufwand programmiert werden. Auf jeden Begriff in einem Textfeld kann die Hypertext-Linkfunktion angewendet werden. Zur Textgestaltung kann der Zeilenabstand, Randeinstellung links und rechts, Blocksatz, Flattersatz und Zentrieren horizontal festgelegt und die Tabulatoreinstellung verändert werden. Bilder und Text können neben den Importierungs-/Exportierungsfunktionen auch über die Windows-Zwischenablage importiert bzw. exportiert werden.
Toolbook unterstützt die Video- und Audiointegration. An externer Hardware wird Soundkarte, Bildplatte, Videoband und CD-ROM unterstützt; die Video- oder Audioabspielung etc. kann parallel zum Programm laufen.

… rein mit der Grafik

Neben dem Vektorgrafikeditor für die Erstellung von Grafikobjekten steht die Importierung von Grafikdateien über Grafikfilter zur Verfügung. Unterstützt werden die Formate DIB/WMF/CGM/EPS/DRW/BMP und TIF. Es können andere Filter hinzugefügt werden. Aus einer Palette von 64 Farben (VGA-Modus) in Kombination mit einem Farbeditor wird die gewünschte Farbe für ein Objekt ausgewählt. Die mitgelieferten Tools Speed Tips, BookShelf, QuickTour und DayBook sind ein hervorragender Fundus zur Entwicklung von eigenen Programmen. Sie unterstützen den Programmierer bei der Erstellung von Oberflächen bzw. bieten Anregungen bei der Gestaltung.

Animationsbesteck

Ein Animationseditor steht nicht direkt zur Verfügung. Animationen und auch Anweisungsreihenfolgen können über den eingebauten Skriptrekorder erstellt werden. Er kompensiert bei näherer Betrachtung die „fehlenden“ Eigenschaften bei der Animationserstellung. Die Animationen laufen geringfügig langsamer ab, als bei Konkurrenzprodukten, wie anhand eines Testprogramms festgestellt wurde.

Flexibel agieren…

Jedem erstellten Objekt kann durch die OpenScript-Sprache eine bestimmte Verhaltensweise in bezug auf auftretende Ereignisse zugeordnet werden. Das Hinzufügen von Funktionen ist ebenfalls möglich. Alternativ dazu kann aber jede Verhaltensweise oder Funktion von einer beliebigen Stelle im Programmfluß aus direkt angesprochen werden oder die Eigenschaften eines Objekts verändert werden. Durch die Flexibilität von OpenScript wird die Gestaltungsweise von Programmen nicht wesentlich eingeschränkt.

Resümee

Insgesamt ergibt sich bei Toolbook eine schnelle Seitenschaltung und eine einfache Seitenerstellung. Die Seitenerstellung geht schnell und praktisch von der Hand. Kurssteuerungen sind ohne großen Aufwand implementierbar und werden vom Entwicklungstool unterstützt.
Toolbook produziert im allgemeinem kleine Dateien. Die Unterbringung eines erstellten Programms in einer einzigen Datei ist ohne Probleme möglich. Der Einstiegspreis von Toolbook liegt gegenwärtig bei 800-1000 DM. Das optionale Toolbook MultiMedia-Kit kostet noch einmal ca. 800 DM. Mit unter 2000 DM ergibt sich gemessen am Umfang der Funktionen, der Flexibilität von OpenScript und der beigefügten Tools ein hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis im multimedialem Softwarebereich.

Zum Schluß noch ein Tip für Programmierer:
Zur Reduzierung der Dateigröße eines Programms sollte dieses unter einem anderen Namen nocheinmal abgespeichert werden. Toolbook erhält dadurch die Gelegenheit, gründlich im Sinne einer Garbage Collection im erstellten Programm aufzuräumen. In bezug auf das Testprogramm bewirkte dies eine Verminderung der Dateigröße um ca. 30%.