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Diskussionsbeiträge

Autorensystem-Test

IconAuthor 5.0

FH Regensburg

Bewertung von IconAuthor 5.0

Ausstattung

IconAuthor 5.0 ist ein unter MS-Windows 3.X laufendes Autorensystem, das auf Icons basiert. Die Icons werden in der Form eines Flow-Charts angeordnet.
Der Autor wird von dem System bei der Erstellung und Einbindung von Animationen, Grafikobjekten, Textobjekten und Video-Audiosequenzen unterstützt. Bei Bedarf stehen außerdem die gut geschriebenen Handbücher zur Verfügung.
Im Gegensatz zu anderen Entwicklungswerkzeugen sind Animations-, Text- und Grafikeditor sowie Videoviewer und Grafikcliptool vom Hauptprogramm getrennt und eigenständig ablauffähig. Somit ist schon mit einer Lizenz die Möglichkeit gegeben, die Realisierung eines Programms auf mehrere Programmierer zu verteilen.
Der Nachteil einer solchen Anordnung ist jedoch, daß beim Aufruf von externen Programmkomponenten aus dem Hauptprogramm heraus relativ viel Zeit vergeht, wenn die Arbeit auf einen (1) Entwickler beschränkt ist.

Zeitverlust…

Bei IconAuthor müssen mehrere Menüebenen durchlaufen werden, um eine Komponente von einem Icon heraus zu starten. Dadurch können sich Programmentwicklungszeiten erhöhen. Auch einfache Operationen benötigen Icons, wie das Laden einer Variablen.
Jedem Icon kann zur bessere Übersicht ein Kommentar zugeordnet werden. Dieser erscheint dann unter dem Icon. Die Kommentare sind in ihrer Länge auf 19 Zeichen eingeschränkt.
In Bezug auf die Realisierung eines Programms könnten einige Icons besser gestaltet sein. Muß einer Variablen einen Wert zugewiesen werden, ergibt sich folgende Vorgehensweise:

  1. Icon einbauen in FlowChart
  2. Icon 2x anklicken
  3. Mit Maus oder Shift-Tab zum Eingabefeld IconName (=Kommentar) wechseln
  4. Kommentar schreiben
  5. Mit Maus oder Tab zum nächsten Eingabefeld wechseln.
  6. Variablennamen eintragen oder aus Liste auswählen, falls schon einmal verwendet
  7. Mit Maus oder Tab zum nächsten Eingabefeld wechseln.
  8. Variablenwert eintragen und OK anwählen

Übersicht mit Hindernissen

Bei der Erstellung eines FlowCharts ist die Suche nach dem gerade benötigten Icon etwas umständlich, da durch eine Liste von 67 Icons gescrollt werden muß, falls man nicht gerade den Anfangsbuchstaben für den Iconnamen im Kopf hat.
Von Vorteil ist hier nur, daß die Icons in die Kategorien Flow, Input, Output, Data, Multimedia, Extension, und Custom eingeteilt und angeordnet sind. Ein weiterer Nachteil ist die Übersicht über den erstellten FlowChart. Auch diverse Strukturierungsmöglichkeiten sind theoretisch gut im Ansatz, aber praktisch (mit Zweck Übersicht zu bringen) unbefriedigend. Was hilft eine Verkleinerung der FlowChart-Icons über die Zoomfunktion, wenn dadurch zwar mehr Icons im Editfenster Platz haben, aber dadurch nur noch schwer erkennbar ist, welche Funktion der Icon hat?

Run and Crash…

Beim Debugging hätte die praktische Umsetzung besser ausfallen können. Zwar steht eine Run/Start/Stop-Ünterstützung in Verbindung mit dem Debugtool IAScope zu Verfügung, es ist aber in seiner Entwicklung stehengeblieben.
Wenigstens bei einer Fehlermeldung ist zu erwarten, daß das Icon, das den Fehler verursacht hat, gezeigt wird. Hier erfolgt die Angabe der Fehlerstelle über die Zellenposition des Icons. Der Icon muß anschließend vom Autor bzw. Programmierer gesucht werden. Wegen der häufigen Abstürze von IconAuthor 5.0 (ca. sechs verschiedene Schutzverletzungen unter Windows), die insbesondere bei Editiervorgängen auftraten, macht das Produkt keinen guten Eindruck auf den Anwender.

Kommunikation, Interaktion und Auswertung

Ausreichend Kommunikation nach „Außen“ beim Ablauf des erstellten Programms ist durch externe Programmaufrufe, DDE, DLL, OLE, Videosteuerung, RS232- und Datenbankschnittstelle (DBASE3) gegeben.
Interaktionsmodule wie Zuordnung von Begriffen oder Mehrfachauswahl sind nicht vorhanden. Die Auswertemöglichkeiten bezüglich dem Verhalten eines Lernenden bei der Benutzung eines CBT-Programms sind beschränkt bzw. müssen selbst programmiert werden.

Grafik und Animation

Die grafischen Gestaltungsmöglichkeiten sind ausreichend (Linien, Rechteck, Kreis, Kreisbögen, Ellipsen, Polygon; alle in vier verschiedenen Strichstärken und Farben) jedoch ist die Einbindung von Grafikdateien auf drei Formate (BMP, RLE, PCX) eingeschränkt.
Mit seinen überaus vielen Einblendeffekten und einer damit verbunden Geschwindigkeitsregulierung und dem seperaten Animationseditor nimmt IconAuthor jedoch eine führende Stellung im Bereich von Effektgestaltung und Animation ein.

Programmierung

Zwei Tastendrucke zuviel sind pro Variablenname zu spendieren, da Uservariablen mit einem führenden Klammeraffen geschrieben werden müssen, damit sie von IconAuthor als solche erkannt werden.
Bei Schleifen-, Verzweigungsprogrammierung und ähnlichen Konstrukten, die kombiniert bei einer Kurssteuerung verwendet werden, ergibt sich durch die Verwendung von Icons ein Overhead, durch den sich der Programmierer bei Änderungen quälen muß.
Praktische Probleme können auch die vielen Dateien, die für den Ablauf eines Programmes später benötigt werden, verursachen oder die vorgegebenen Standardpfade, die festlegen, wo Grafikdateien, Animationsdateien etc. zu finden sind. Für den Ablauf selbst nach der Fertigstellung des Programms wird dann die RunTime-Version (ca. 30 DM pro Lizenz sind zu zahlen!) von IconAuthor erwendet.

Resümee

Mit seinen vielen Einblendeffekten und einer damit verbunden Geschwindigkeitsregulierung und dem seperaten Animationseditor nimmt IconAuthor eine führende Stellung im Bereich von Effektgestaltung und Animation ein. IconAuthor ist aber mit rund 8000 DM nicht billig. IconAuthor wird ein gutes Produkt, wenn von den Entwicklern bei weiteren Programmversionen mehr Wert auf die Praxistauglichkeit gelegt wird und Mängel behoben werden.