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Studium Informationswissenschaft

Berufsbild "Informationswissenschaft"

Offener Brief und Kommentare von Absolventen

Aufruf zum unverzüglichen Ausbau des Fachs Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes

Die Studierenden und Absolventen haben es längst erkannt: Informationswissenschaft ist ein Fach, das sich zu studieren lohnt, weil es – wie dies Politik und Wirtschaft verlangen – in idealer Weise Theorie und Praxis der modernen Informationstechnologien sowie die geistes- und sozialwissenschaftliche Sichtweise mit technologisch-ökonomischem Know-how verbindet und dabei hervorragende Arbeitsmarktchancen eröffnet (siehe hierzu die Kommentare im Anhang).

  • Fakt ist, dass sich für das Wintersemester 1999/2000 175 Studierwillige um einen Studienplatz im Fach Informationswissenschaft beworben haben, von denen „aus Kapazitätsgründen“ nur 30 berücksichtigt werden können. Der Numerus Clausus liegt dementsprechend bei einer Abitur-Durchschnittsnote von 1.7!
  • Fakt ist auch, dass den mehr als 400 Studierenden nur ein Professor und zwei feste wissenschaftliche Mitarbeiter als Lehrende gegenüber stehen.
  • Fakt ist zudem, dass die finanzielle Ausstattung sich seit Gründung des Fachs im Jahre 1980, als mit etwa 20 Studierenden begonnen wurde, nicht nur nicht erhöht hat, sondern noch erheblich geringer geworden ist.

Wenn man also das zahlenmäßige Verhältnis Studierende/Lehrende einer Bewertung zugrundelegt, ergibt sich ein eher negatives Bild. Bewertet man das Fach nach Studienbewerbern und der Nachfrage der Wirtschaft nach Absolventen, muss man es zu den am meisten nachgefragten und damit zu den besonders ausbauwürdigen Fächern rechnen.

Die Wirtschaft stuft das Saarland als Notstandsgebiet hinsichtlich des Angebots an qualifizierten Mitarbeitern im Technologiebereich ein. Die Politik betont permanent die Relevanz der Informationstechnologie zur Bewältigung der Zukunft. Zum Einlösen der Zukunftsperspektive „Informationsgesellschaft“ als informierte Gesellschaft bedarf es der Optimierung der Informationsprozesse. Und genau daran arbeitet die Informationswissenschaft. Das tut sie selbstverständlich in Zusammenarbeit mit anderen Fächern.

Die radikale Beschränkung von Ausbildungsplätzen steht im krassen Widerspruch zu der Notwendigkeit, dieses Fach dem Bedarf entsprechend auszubauen.

Wir bitten deshalb die Universität und die Landesregierung eindringlich, diese Diskrepanz durch eine bessere personelle, finanzielle und räumliche Ausstattung zu beseitigen.

10. Januar 2000

Absolventen des Faches Informationswissenschaft

  1. Fritz Scheuermann, Univ.assistent, Uni Innsbruck, Institute for Organisation and Learning
  2. Alexander Sigel, wiss. Mitarbeiter, Informationszentrum Sozialwissenschaften, Bonn
  3. Margret Klein-Magar, Product Manager, SAP-AG, Walldorf
  4. Dr. Andreas Kindel, Nachrichtenredakteur, Saarl. Rundfunk
  5. Achim Voermanek, Manager ECommerce Iniatives, Ariba Inc., Mountain View, CA 94043, USA 
  6. Dr. Guido Hoffmann, Öffentlichkeitsarbeit Stadtbahn Saar GmbH 
  7. Andreas Becker, geschaeftsfuehrender Gesellschafter einer auf die IT-Branche spezialisierten PR-Agentur
  8. Isabell Hawner, wissenschaftliche Referentin, Industrie- und Handelskammer des Saarlandes im Geschäftsführungsbereich Grundsatzfragen, Industrie und Außenwirtschaft
  9. Sabine Norek, Projekt Managerin, AOL, Saarbrücken
  10. Andreas Schepers, NetMedia GmbH, Saarbrücken
  11. Jon Halldor Jonasson, Leiter Stadt-Marketing und Tourismus, Hafnarfjordur, Island
  12. Roman Georg Arens, wiss. Mitarbeiter, DFKI, Saarbrücken
  13. Ludwig Kuhn, Geschäftsführer der EUROKEY Software GmbH, Saarbrücken
  14. Michael Duero, Institut fuer Telematik, Trier
  15. Markus Vonerden, Leiter Technische Informationsverarbeitung, A. Sutter InfoDesign GmbH
  16. Andre Hinsberger, EDV-Berater, IXOS SOFTWARE AG
  17. Dr. Sabine Graumann, Director Information and Documentation Division, Infratest Burke, Muenchen
  18. Judith Klein, Kunden-Support und Kunden-Schulung, Star Deutschland GmbH
  19. Susanne Adam, R/3 Beraterin, SAP Retail Solutions, St. Ingbert
  20. Günter Bachelier, Evolutionäre Computerkunst, Saarbrücken
  21. Gabriele John, Information Developer / technische Redakteurin, SAP AG, Walldorf
  22. Isabella Quitter, Deutsche Bank AG – DB Research/Economics, Frankfurt
  23. Beate Patolla, Projektleiterin in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit, Aachen
  24. Fritz Woldt
  25. Bettina Schwicker, Dokumentationsentwicklerin, SAP AG, Walldorf
  26. Steffen Kolodziej, Saarl. Rundfunk: Programmgestalter, Moderator, Sprecher
  27. Miriam Klunk, Director Community Marketing, ID-Media AG
  28. Anne Schwindling, Stiftung Blindenanstalt, Frankfurt
  29. Gabriele Strobel, Manager Public Relations, IDS Scheer AG
  30. Dr. Angelika Schulz, wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterin am FB Design der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
  31. Elke Schwarz, Produktmanagement Business Information Warehouse SAP AG Walldorf
  32. Frank Genßheimer, BKA, Wiesbaden
  33. Peter Erik Wilhelm, Inforadio, Berlin
  34. Hanno Thewes, Leiter des Ministerbüros und Pressesprecher des Ministeriums für Finanzen und Bundesangelegenheiten, Saarbrücken

Kommentare von Absolvent/innen

Wir von SAP haben große Probleme qualifizierte Leute zu finden. Die Saarbrücker Informationswissenschaftler haben einen ausgezeichneten Ruf bei uns. Dies spricht sehr für den interdisziplinären Ansatz des Lehrstuhls. Wir brauchen Mitarbeiter, für die lebenslanges Lernen selbstverständlich ist. Auch dadurch zeichnen sich die Kolleginnen und Kollegen aus Saarbrücken aus.

Margret Klein-Magar, Product Manager, SAP, Walldorf

 

Meine Position: Leiterin des Bereichs Information und Dokumentation von Infratest Burke: die IuD-Stelle ist verantwortlich fuer das nationale und internationale Knowledge Management von NFO/Infratest Burke, dem weltweit drittgroessten Marktforschungsunternehmen. Ferner: bis Ende Oktober war ich Vizepraesidentin der Deutschen Gesellschaft fuer Informationswissenschaft und -praxis. In dieser Funktion bin ich sehr engagiert was die Foerderung des Berufsstands angeht. Derzeit betreue ich fuer die DGI ein europaeisches Projekt zur Zertifizierung von Information Professionals. Die EU wuerde sicherlich im Rahmen von Leonardo da Vinci kein Projekt finanzieren, wenn sie nicht auch von der Zukunft des Berufs ueberzeugt waere. Der Fachbereich sollte aufgebaut und nicht ausgebaut werden. Man vergibt sich hier sonst eine Riesenchance.

Sabine Graumann Infratest Burke

 

… dass die Absolventen der Informationswissenschaft in der lokalen Internet-Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielen und bei Arbeitgebern wie AOL, der SZ oder Saarlink taetig sind. Oder wie Boris Brenner Arbeitsplaetze im Saarland schaffen.

Achim Voermanek, Manager ECommerce Iniatives, Ariba Inc., Mountain View, USA

 

Die Kernkompetenz der Informationswissenschaft ist aus meiner Sicht, daß Sie den Anwender der Informationstechnologie in den Mittelpunkt stellt. Ausgehend von der Analyse der Benutzerbedürfnisse werden Methoden und Techniken zur Gestaltung von bedarfsgrechter Informationstechnologie und von Informationsinhalten vermittelt. Meines Wissens bietet kein anderes Studienfach diese benutzerorientierte und interdisziplinäre Kombination von Lehrinhalten. Direkt im Anschluß an mein Magisterstudium mit dem Hauptfach Informationswissenschaft konnte ich mein universitäres Wissen in die Berufspraxis bei SAP einbringen. Deshalb unterstütze ich als Absolventin die eindringliche Bitte nach einer besseren personellen, finanziellen und räumlichen Ausstattung der Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes.

Elke Schwarz, SAP

 

… IDS Scheer sowie das DFKI gelten als saarländische Musterbeispiele, wie aus der Hochschule heraus gesunder Strukturwandel mit innovativen neuen Arbeitsplätzen gestaltet werden kann. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass in dem von beiden Unternehmen als strategisch wichtig eingeschaetzten Bereich Wissensmanagement hochqualifizierte, interdisziplinaer denkende Fachkraefte einen limitierenden Standortfaktor darstellen. Gerade Informationswissenschaftler könnten solche Beraterteams gut ergänzen. Andere Absolventen der Fachrichtung werden sicher berichten, wie gut sie in Weltfirmen wie z.B. SAP oder AOL integriert sind.

Alexander Sigel, wiss. Mitarbeiter Informationszentrum Sozialwissenschaften, Bonn

 

… einen dezidierten Hinweis, dass hier tatsächlich fuer den Arbeitsmarkt ausgebildet wird – einen Markt, der nicht nur technologisch geschulte „Erfüllungsgehilfen“ braucht, die das Tempo immer weiter anheizen, sondern innovative, kritisch-geschulte Experten, die technische Entwicklungen und deren Sinn hinterfragen können und das Tempo auch mal herausnehmen können (um Inhalten eine Chance zu geben). Inzwischen dürften auch die Unbedarftesten von den Problemen der „Informationsflut“ vs. „Wissensdefizite“ gehoert und sie vermutlich auch erlitten haben.

Dr. Angelika Schulz, wissenschaftlich-künstlerische Mitarbeiterin am FB Design der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken Aufgabengebiete u.a.: Kontakte zu Wirtschaft und anderen Hochschulen, Internet, Projektarbeiten, Lehre (Lehrgebiete: Interface- und Web-Design, Internet)

 

Für mich stellt sich die Informationswissenschaft als ideales Ergaenzungsfach zu meinem eigentlichen Hauptfach, der interkulturellen Kommunikation, dar. die IW vermittelt mir die informationswissenschaftlichen und informationstechnischen Grundlagen, die das kultur- und medienwissenschaftlich geprägte Fach IK hervorragend ergänzen. Außerdem habe ich die IW als Treibhaus fuer Talente und neue (Geschaefts-)Ideen kennengelernt. Die NetMedia GmbH, bei der ich derzeit tätig bin, beschäftigt z.b. einige Noch-Studenten und Absolventen der IW. Was die berufliche Perspektive der Absolventen betrifft, so weiß ich aus vielen Gespraechen mit führenden Unternehmen der Multimedia-Branche, dass eine fundierte universitaere Ausbildung, wie sie die IW, in Kombination mit anderen Fächern der philosophischen Fakultät, bietet, immer wichtiger wird.

Andreas Schepers, NetMedia GmbH

 

In meiner jetzigen Postion arbeite ich als EDV-Berater bei der IXOS SOFTWARE AG. Nachträglich betrachtet war das Fach Informationswissenschaft eine sehr gute Ergänzung zu meinem Hauptfach Informatik. Dies vor allem deshalb, weil in der Informationswissenschaft mehr der Anwender von IT-Systemen berücksichtigt wird als die IT-Systeme selbst.

André Hinsberger IXOS SOFTWARE AG

 

Seit Mai arbeitet ich bei der STAR Deutschland GmbH (die das Translation Memory System Transit entwickelt und vertreibt) in der Transit-Abteilung im Bereich Kunden-Support und Kunden-Schulung. Zu meinen Aufgaben gehoert u.a. auch der Aufbau einer Support-Datenbank zur schnellen und konsistenten Bereitstellung von Loesungen zu Problemen mit Transit. Kenntnisse im Bereich Informationstechnologie auf Benutzerebene und das Verstaendnis fuer komplexe Informationsprozesse sind in enorm vielen Firmen gefragt, d.h. unsere Berufsaussichten sind sehr vielfaeltig und sehr gut.

Judith Klein Star Deutschland GmbH

 

Ich bin technische Redakteurin bei SAP, in der Abteilung Accounting und dort im Bereich Bank Accounting (Bankbuchhaltung). Intern werden wir „Information developer“ genannt, denn wir entwickeln, wie die „Software developer“ ihre Programme, die Information zu den Programmen, damit der Nutzer/ die Nutzerin diese aufgabengerecht nutzen kann. Software developer und Information developer zusammen entwickeln also ein Produkt. Meine Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß der Benutzer, der die Bankbuchhaltungs-Software nutzt (also z.B. den elektronischen Kontoauszug einsetzt oder den Zahlungsverkehr mit SAP abwickelt), zu den gewünschten Zeitpunkten die passende Hilfe erhält. Dies heißt zum einen, daß ich die einzelnen Elemente, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, näher erkläre (z.B. eine Antwort liefere auf die Frage „Was bedeutet dieses Feld?“), und eine zusammenhängende Beschreibung für eine Aufgabe mache, die dem Nutzer / der Nutzerin in kleinen Einheiten an den gewünschten Stellen am Bildschirm angeboten wird. Die Dokumentation können sich die NutzerInnen natürlich auch ausdrucken. Zum anderen aber bedeutet das auch, daß ich in enger Zusammenarbeit mit dem Software-Entwickler die Oberfläche nutzerfreundlich gestalte. Stelle ich z.B. fest, daß ich für eine einfache Funktion mehrere Seiten Doku schreiben muß, dann liegt es voraussichtlich daran, daß die besagte Funktion geändert werden muß, so daß sie einfacher zu bedienen ist. Weiterhin organisiere ich auch den Dokuzirkel für die Abteilung Accounting, in dem sich die Information Developer gegenseitig ihre Texte kritisieren, und ich halte eine Schulung „Technisches Schreiben bei SAP“ für neue KollegInnen. Das Studium der Informationswissenschaft hat mich optimal auf meinen jetzigen Beruf vorbereitet. Nicht nur hat es mir die Inhalte vermittelt, mit denen ich mich in meinem Beruf auseinander setze (z.B. Technische Dokumentation, Software Ergonomie), sondern es hat mir auch die Techniken (Stichwort „Opitimierung von Informationsprozessen“) vermittelt, mich in meiner Berufswelt, einer Welt dynamischer, flexibler und schnell fortschreitender Software- und Informationstechniken, zu bewähren. So kann ich die Forderung nur mit Nachdruck unterschreiben, daß das Fach Informationswissenschaft ausgebaut werden muß. Vor allem darf es nicht der Erziehungswissenschaft zugesprochen werden, zu der ich nur wenig Verbindung sehe. Vielmehr ist es wichtig, daß der jetzige Status erhalten bleibt, d.h. daß die Informationswissenschaft weiterhin mit Nebenfächern vieler Fachrichtungen kombiniert werden kann. Es ist wirklich eine Schande, daß ein Fach, das eine solch hohe Nachfrage der Wirtschaft nach Absolventen vorweisen kann, seit 1980 die gleiche finanzielle Ausstattung aufweist.

Gabriele John, SAP AG, Walldorf

 

Z. Zt. bin ich bei der ID-Media AG als Director Community Marketing für die Vermarktung der Communities innerhalb der von der ID Media betriebenen Search Engine for people „Cycosmos“ (www.cycosmos.de) zuständig. Zuvor war ich vier Jahre lang bei AOL (von dem Start in Deutschland an) als Channel Manager für eine der zwölf Bereichswelten, in die der deutschen Onlinedienst sich gliedert, inhaltlich verantwortlich. Viel Erfolg mit dem offenen Brief. Die Informationswissenschaft ist sicherlich ein Fach, das es auf alle Fälle lohnt auszubauen und das das Potential hat, junge Menschen … sehr gut auf die Erfordernisse der Multimediawelt vorzubereiten. … Toi, toi, toi

Miriam Klunk

 

Auch ich unterstütze die Forderungen der Informationswissenschaft. Während des Studiums habe ich mich auf „Public Relations“ spezialisiert und aufgrund dieses Schwerpunktes in Kombination mit praktischen Erfahrungen meine Stelle als Manager Public Relations bei der IDS Scheer AG eingenommen.

Gabriele Strobel IDS Scheer AG Public Relations

 

Nach Studium und Volontariat bin ich nun Projektleiterin in einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit, deren Schwerpunkt vor allem im Sozial-Marketing liegt. Meine Hauptaufgaben liegen in folgenden Bereichen: Akquisition, Kundenbetreuung, Kundenberatung, Konzeption ganzer Kampagnen oder einzelner Medien (Print oder Digital), Textarbeit, Recherche, Grafik- und Fotografie-Briefing, Produktionsbegleitung (Druck, Internet u.ä.), Projektorganisation, Arbeitsplanung, Mitarbeitermotivation, Angebotserstellung und Controlling. Vieles habe ich „on the job“ gelernt. Die Grundlagen, die die Infowiss gelegt hat, waren und sind mir dabei sehr hilfreich.

Beate Patolla, Aachen

 

Die Universität des Saarlandes bildet mit ihrem geschlossenen Campus nach wie vor eine Perle in der Hochschullandschaft des deutschen Sprachraums, kann man doch an diesem Ort ohne zeitaufwendige Transfers sehr intensiv studieren und durch die räumliche Nähe der Lehrstühle und Institute sich sogar den stets geforderten aber selten geförderten „Luxus“ eines Studium Generale leisten. Non scolae sed vitae discimus, das ist – sofern der Studierende es möchte – gelebte Realität in Saarbrücken. Das Studienfach Informationswissenschaft ist eines der wenigen auf die Bedarfe der Gegenwart ausgerichteten Querschnittsfächer. Eine informationswissenschaftliche Grundbildung gehört heute sicherlich in das Curriculum eines jeden Faches. Die Absolventen der Informationswissenschaft zählen national wie international zu den am meisten nachgefragten Kandidaten am Arbeitsmarkt. Anstatt das Fach einer Lehrerausbildungsstätte zuzuschlagen, an der esmöglicherweise verkümmert, sollte man es weiter ausbauen und mit anderen Fachrichtungen stärker verzahnen (Abstimmung von Lehrplänen und Prüfungsordungen). Die Einrichtung eines zweiten, ja dritten, Lehrstuhls für Informationswissenschaft in Saarbrücken erscheint mir außerordentlich wichtig und geboten. Der Hochschulstandort Saarland verfügt mit seinen vielen Jahren Erfahrung in der Informationswissenschaft über einen Vorsprung, den er nicht fahrlässig aufs Spiel setzen darf. Dies gilt im Interesse der Studierenden genauso wie im Hinblick auf die Erhaltung der Attraktivtät der Universität. Den unten wiedergegebenen offenen Brief unterstütze ich ausdrücklich!

Fritz Woldt, Media Markt und Saturn Gruppe

 

… mit Bedauern und einem gewissen Maß an Frustration habe ich Ihren Brief vom 11.November 1999 aufgenommen. Fast zehn Jahre ist es her, dass ich das Studium der Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes aufnahm, und ich muss feststellen, dass sich an der für die Studierenden misslichen Situation offensichtlich nichts geändert hat. Angesichts der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnologie mutet es geradezu anachronistisch an, dass die Ausstattung mit Finanzmitteln und Lehrkräften seit Jahrzehnten stagniert. Nur dem engagierten Einsatz einiger weniger war und ist es zu verdanken, dass es trotz alledem immer wieder gelungen ist, Medien, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit qualifiziertem Nachwuchs zu „versorgen“. Dass ein zweifelsfrei großer gesellschaftlicher Bedarf an diesen Nachwuchskräften besteht, zeigt die hohe Quote an vermittelten Absolventen. Ich kenne niemanden aus dem Kreis meiner früheren Kommilitonen, dem es nicht gelungen ist, nach Abschluss des Studiums eine adäquate Beschäftigung zu finden. Ich selbst arbeite heute als Nachrichtenredakteur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Grundstein dafür wurde über ein Seminar der Informationswissenschaft gelegt, der weitere Weg bis zum Abschluss des Studiums geebnet. Anderen erging es ähnlich, sei es in PR-Agenturen oder Software-Unternehmen – ein eindeutiger Beleg dafür, wie vielseitig und zugleich berufs- und praxisorientiert das Studium der Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes ist. Umso trauriger stimmt es, dass jahrelanges und teilweise auch erfolgreiches Engagement von Studenten und Lehrkräften um Anerkennung des Faches nun wieder in Frage gestellt scheint. Das Saarland zu einem wirtschaftlich und technologisch wettbewerbsfähigen Standort zu machen, ist mir als vorrangiges Ziel der neuen CDU-Landesregierung im Ohr geblieben. Ich wünsche den politisch Verantwortlichen den dafür notwendigen Weitblick. Unsere Informationsgesellschaft steht vor so vielen Herausforderungen, bietet zugleich aber auch so viele neue Möglichkeiten, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt. Es kommt darauf an, diese zu erkennen und zu nutzen. Die Informationswissenschaft bietet einen Schlüssel dazu. Wir Journalisten werden mit Interesse verfolgen, welche Wege die Regierung einschlägt, um diese hochgesteckten, aber keineswegs utopischen Ziele zu erreichen.

Peter Erik Wilhelm, Inforadio, Berlin

 

Es darf nicht sein, dass alle vom Informationszeitalter reden und gleichzeitig das Fach Informationswissenschaft von der Bildflaeche verschwindet. Es darf nicht sein, dass wir alle von interdisziplinaerem Studien reden und gleichzeitig das Fach, das Geisteswissenschaften und Computerwissenschaften auf besondere Weise zusammmenfuehrt, aushungern lassen. Es darf nicht sein, dass wir ein Fach, das innovativ ist und seit ehe und je moderne Studieninhalte hatte, abdraengen und gleichzeitig an der Uni unkritisch alte Strukturen fortfuehren und teilweise ausbauen. Es darf nicht sein, dass wir schliesslich ein Studienfach, dessen Absolventen sehr gute Chancen am Arbeitsmarkt haben, auslaufen lassen und an anderer Stelle Geld ausgeben fuer die Nachqualifikation von Absolventen anderer Faecher, die weniger auf dem Markt nachgefragt werden.

Hanno Thewes, Leiter des Ministerbueros und Pressesprecher des Ministeriums für Finanzen und Bundesangelegenheiten, Saarbruecken