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Studium Informationswissenschaft

Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

9. Information und Kommunikation

Exkurs: Kommunikationsmodelle

Ilse Harms

Das gängige sehr vereinfachte Erklärungsmodell der Kommunikation im Sinne von Verständigung haben Sie sicher schon in der Schule kennengelernt. Es sieht einen Sender und einen Empfäger vor, die in der Lage sind, im Dialog die Rollen zu tauschen. Sie müssen zumindest anteilig den gleichen Zeichenvorrat besitzen, z.B. die gleiche Sprache sprechen, damit sie sich verständigen können. Das frühere Kommunikationsmodell, das die Sender-Empfänger Beziehung in Form eines Reiz-Reaktionsschemas sah, also aktiver Sender und passiver Empfänger, skizzierte z.B. im Bereich der Massenkommunikation aufgrund deren eindimensionaler Form (eine Kommunikation ohne Rückkanal) demgemäß den Forschungsansatz: Was machen die Medien mit den Menschen?

Im Laufe der Zeit haben wir dann allerdings feststellen können, daß z.B. Reize in Form von Fernsehbeiträgen ganz unterschiedliche Wirkungen bei verschiedenen Menschen haben. Also tun die verschiedenen Menschen etwas mit diesem Reiz, indem sie unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren. Man verwarf also das Modell vom passiven Rezipienten, da sich dieser Ansatz zur Erklärung nicht bewährt hat, und entwarf das Modell vom aktiven Rezipienten, der sich aufgrund seiner Bedürfnisse bestimmte Medienangebote auswählt. (Es gibt dazu eine ganze Reihe von Modellen, die sich z.B. hinsichtlich der Herleitung dieser Bedürfnisse beim Rezipienten unterscheiden, auf die wir hier aber nicht eingehen wollen, und die sich unter dem sog. „uses and gratifications approach“ zusammenfassen lassen.)

Dieser Wechsel im Forschungsansatz war auch beeinflußt von Erkenntnissen aus benachbarten Forschungsdisziplinen, die sich mit der Verarbeitung von Informationen beschäftigen, wie z.B. der Wissenspsychologie. Dort stellte sich ein Umdenkungsprozess ein, der so gerne mit der kognitiven Wende bezeichnet wird. Salopp formuliert heißt das, daß die behavioristische Sichtweise, die den Menschen als passiven Organismus betrachtet, abgelöst wurde von der Auffassung des Menschen als einem eigentätig konstruktiven Wesen, dessen Wahrnehmen und Handeln von vorhandenem Wissen gesteuert wird (siehe Exkurs 6: Kognitionswissenschaft ).

Dieses Modell, das für die face-to-face Kommunikation gilt, kann erweitert werden um Medien, die die Kommunikation vermitteln. Man kann das nach Huntziger (1988,S.16f.) einteilen in primäre Medien, das sind Medien, bei denen Kommunikation ohne technische Hilfsmittel stattfindet, in sekundäre Medien, das sind Medien bei denen auf Produktionsseite technische Hilfsmittel notwendig sind, wie z.B. bei der Zeitung, und tertiäre Medien, bei denen es bei der Produktion und bei der Rezeption technischer Hilfsmittel bzw. Einrichtungen bedarf, wie z.B. beim Fernsehen oder der Computerkommunikation (Hunziger, Peter 1988: Medien, Kommunikation und Gesellschaft. Darmstadt).