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Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

Probleme der Wissensordnung und der Informationssuche

6. Probleme im Überblick

Information ist immer nur Jemandes Information, Wissen in allgemein zugänglichen Wissenssammlungen ist Allgemeingut und muss als solches so strukturiert und dargestellt werden, dass es von jedermann mit seinem je eigenen Wissensvorrat und seinem eigenen Ansatz zur Wissensordnung genutzt werden kann.

Jeder Informationssuchende muss also einen Bezug herstellen zwischen

  • seinem konkreten Problem (seinem individuellen Informationsdefizit) und damit seinem persönlichen (lückenhaften) Wissensbestand sowie seiner persönlichen Wissensordnung
  • und dem Wissensbestand und der Wissensordnung des spezifischen Informationssystems, mit dem er sein Problem zu lösen hofft

Menschen als Individuen verfügen über

  • unterschiedliche Anliegen
  • unterschiedliche Wissensstände / mentale Lexika
  • unterschiedliche Umfelder
TRAJAN03

Daraus und aus den dargestellten Problemen im Umgang mit Informationssystemen ergeben sich bestimmte Anforderungen für die Entwickler von Informationssystemen:

  • Der Informationssuchende muss bei der Auswahl eines geeigneten Informationssystems unterstützt werden. Dies geschieht am besten durch eine klare Ausrichtung und inhaltlich prägnante Darstellung der jeweiligen Informationssysteme.
  • Die konkrete Suche ist zweigleisig zu steuern. Zum Einen über einen klar strukturierten und mit eindeutigen und aussagefähigen Benennungen versehenen Katalog und zum Anderen über eine funktionsreiche, aber leicht zu bedienende Suchmaschine, die eine zielgenaue Suche erlaubt (Trunkierung, Thesaurus).
  • Der Abgleich der Suchergebnisse mit der Suchfrage soll dem Informationssuchenden erleichtert werden. Das ist sicher keine leicht zu erfüllende Forderung. Grundbedingung ist, dass das Suchergebnis verständlich präsentiert wird. Z.B. kann das Suchwort in dem gefundenen Kontext in einer geeigneten Weise hervorgehoben werden, oder es kann dem Suchenden mitgeteilt wird, warum die Suchmaschine gerade dieses Suchergebnis für passend hält (Wertung / Gewichtung der Suchergebnisse).

Die natürliche Sprache ist zugleich unser wichtigstes und komplexestes Kommunikationsmittel. Wir sind weit davon entfernt, über die natürliche Sprache direkt mit Informationssystemen zu kommunizieren (etwa durch Anfragen, die „im ganzen Satz“ formuliert werden). Hierzu gibt es erst wenige prototypische, stark eingeschränkte Beispielsysteme. Die einfache Kommunikation über „Suchwörter“ ist nur ein schwacher, weil fehlerbehafteter Ersatz.

Probleme der natürlichen Sprache

  • Freiheiten und Gesetzmäßigkeiten der Sprache
  • Komplexität der Sprache
  • Sprachbarrieren

Nicht zu unterschätzen sind schließlich die technischen Fragen der Realisierung von Informationssystemen. Schwierig ist dabei insbesondere, das große Angebot an Hard- und Software zu überschauen. Wer kann schon von sich behaupten, er habe für alle denkbaren Anwendungen und Umgebungen das ideale System? Aufgabe von Informationswissenschaftlern (im Sinne von Informationsarchitekten) ist es gerade hier, für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses die besten Voraussetzungen dadurch zu schaffen, dass sie die Informationstechnik an die Bedürfnisse der Informationssuchenden anpassen und nicht nach der Devise vorgehen „Ich habe hier eine hervorragende Software, was kann man denn alles damit machen?“.

Das Informationssystem: theoretische/technische Vorgaben

  • systemtheoretische Voraussetzungen:
    System-Bausteine, -Verbindungen, -Identität, -Grenzen, -Kontinuität
  • systemtechnische Vorgaben:
    WWW-Technologie, Administration, Input
  • Informationstechnische Möglichkeiten: Hard-, Software
    Betriebssysteme
    Netztechnik

Erstellungsdatum des Beitrags: 6.3.2002