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Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

Exkurs: Elektronisches Publizieren

Kriterien für das Webpublishing

Heinz-Dirk Luckhardt

Damit wir uns richtig verstehen:

einige Definitionsvorschläge zum Thema Worldwide Web

0. Anforderungen an Publikationen
1. Gestaltung und Inhalte
1.1 Qualität der Gestaltung
1.1.1 äußere Gestalt
1.1.1.1 Farbigkeit
1.1.1.2 Bilder/Graphiken/Icons
1.1.1.3 Typographie
1.1.1.4 Raumaufteilung
1.1.1.5 Medien-/Themen-adäquate Darstellung
1.1.1.6 Konsistenz
1.1.1.7 Dekoration / Illustration
1.1.1.8 Animation
1.1.2 Funktionalität: was kann man machen?
1.1.3 Handhabbarkeit: wie erreiche ich das?
1.1.3.1 Nutzerorientierung
1.1.3.2 Technische Anforderungen an Nutzer
1.1.3.3 Eindeutigkeit
1.1.3.4 Benutzerführung
1.1.3.5 Navigierbarkeit
1.2 Qualität der Inhalte
1.2.1 Strukturierung
1.2.2 Begriffliche Konsistenz
1.2.3 Vollständigkeit
1.2.4 Aktualität
1.2.5 Verständlichkeit
1.2.6 Eindeutigkeit
1.2.7 Stil
1.2.8 Textualität
1.2.9 Glaubwürdigkeit
1.2.10 Informativität, informationelle Mehrwerte, Metadaten
1.2.11 Korrektheit
2. Übergreifende Kriterien
2.1 Ziel-/Zielgruppenorientierung
2.2 Dem Stoff angemessene Realisierung
2.3 Anwendungsbezogene Bewertung
Literatur

0. Anforderungen an Publikationen

– vergleichbare Kriterien bei Büchern und bei Websites?

Anforderungen an Bücher haben sich über viele Jahrhunderte entwickelt, das Worldwide Web (WWW), gleichsam über Nacht entstanden, hatte diese Entwicklungszeit nicht. Was Wunder, wenn also für die Beurteilung dieser beiden Publikationsmedien fast dieselben Kriterien (sieht man einmal von systemtypischen Kriterien wie der Interaktivität ab) angelegt werden können – trotz der Unterschiedlichkeit der Medien und obwohl kaum ein Web-Entwickler sich dessen bewusst ist (oder eher bemüht zu sein scheint, keinen Vergleich mit diesen „Textwüsten“ aufkommen zu lassen). Zahlreiche Beispiele für Parallelen zwischen herkömmlichem Publizieren und Web Publishing finden sich auch im Yale Style Guide, der im Folgenden noch häufiger zitiert werden wird.

Publikationen haben eine äußere und eine innere Qualität, dazu kommen übergreifende Kriterien, die das Werk an sich insgesamt auszeichnen. Designer (+ Softwareentwickler bei elektronischen Publikationen) und Autor zusammen (nicht selten in einer Person) bestimmen die Qualität eines Produkts.

Wenn von „denselben Kriterien“ die Rede ist, bedeutet das nicht, dass die Kriterien auf beide Medien gleich angewendet werden (sollen) bzw. für beide dieselbe Bedeutung haben oder auf jedes einzelne Produkt angewendet werden können. Die hier genannten Kriterien sind aber für beide (in unterschiedlichem Maße) relevant, obwohl das Schwergewicht bei der Diskussion auf den elektronischen Anwendungen (Webseiten) liegen wird.

1. Gestaltung und Inhalte

1.1 Qualität der Gestaltung

1.1.1 Äußere Gestalt

„Die Darstellung der Inhalte und der Funktionen auf dem Bildschirm ist als umfassendes Gestaltungsproblem zu begreifen, bei dem zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen sind: das Bildschirmlayout, Typografie, Farbgestaltung, Einrahmungen und Dekoration.“
(Schulz 1998, 218)

Diese von Schulz auf das Interfacedesign allgemein bezogene Aussage soll im Folgenden unter Berücksichtigung der Aspekte Farbigkeit, Verwendung von Bildern, Typographie, Raumaufteilung, medienadäquate Darstellung, Konsistenz und Dekoration auf Webseiten speziell bezogen werden

1.1.1.1 Farbigkeit

Dieses Kriterium hat sicher für das elektronische Medium größere Bedeutung als für (den größten Teil der) Bücher, wenn man einmal von der Umschlaggestaltung absieht. Es spielen folgende Überlegungen eine Rolle:

„Farben können

  • Orientierungshilfe sein,
  • bestimmte Informationen hervorheben oder aber in den Hintergrund treten lassen…,
  • Informationen strukturieren,
  • Unterschiede deutlich machen,
  • komplexe Informationen anschaulich visualisieren,
  • Assoziationen hervorrufen.

Daneben können durch Verwendung bestimmer Farben außerdem

  • mehr oder weniger bewusst Stimmungen erzeugt werden …,
  • die Lesbarkeit erhöht werden,
  • Informationen besser erinnert werden.“

(Schulz 1998, 154 f.; vgl. auch Hinweise zur Farbverwendung S. 154-161)

Diese Gesichtspunkte machen deutlich, dass besonders Farben eine wichtige Rolle im Webdesign spielen und nicht willkürlich (also v.a. nicht nach dem Motto „Hauptsache: bunt!“) einzusetzen sind. Zu beachten sind insbesondere die Probleme Vordergrund-/Hintergrund-/Schriftfarbe, Farbkombination, Kennzeichung von Links durch Farben, unterschiedliche Farbdarstellungen auf unterschiedlichen Plattformen.

Websites zu Farben:

  • The Yale Style Guide.
    (http://www.webstyleguide.com/wsg3/7-page-design/3-visual-design.html) , 19.11.2004
  • Darstellung von Goethes Farbenlehre.
    (http://www.inf.hs-anhalt.de/Medienlabor/Goethes_Farbenlehre/inhalt.htm) , 19.11.2004
  • Ingrid Crüger (1999): Farbentheorie und Farbgestaltung.
    (http://lerncenter.mediengestalter2000plus.de/home/content,id,383.html), 19.11.2004
1.1.1.2 Bilder/Graphiken/Icons

„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Diese „Weisheit“ wird viel zu oft als das Kriterium für die Illustration von Websites mit Bildern oder Graphiken genannt. Auch hier gilt: ein Bild ist überflüssig oder sogar störend, wenn es keine Funktion hat. A. Schulz spricht von „horror vacui“, wenn der Designer Angst vor dem „ungestalteten Raum“ hat, also davor, freie Flächen als gestalterische Elemente einzusetzen. Der Einsatz eines Bildes etwa zur „Auflockerung“ ist überflüssig, wenn man den Text selbst strukturiert und so auflockert (ohne vom Text abzulenken). Bilder sollten nur dann verwendet werden, wenn sie kommentierende oder ergänzende Funktion haben oder zum Verständnis eines Textes notwendig sind (oder wenn die Bilder selbst die Botschaft sind).

Dabei ist auch auf die Mehrdeutigkeit des Arguments „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ zu achten, d.h. dass ein Bild oft sehr viele verschiedene Deutungen zulässt, so dass die Absicht des Designers letztendlich sogar konterkariert werden kann, wenn Betrachter andere Vorstellungen mit einem Bild verbinden als der Designer beabsichtigt.

1.1.1.3 Typographie

Die richtige Schrift hat im Web besondere Bedeutung, da sie oft einen farbigen, strukturierten oder einen mit einem Bild oder einer Graphik versehenen Hintergrund hat. Aber auch schwarze Schrift auf weißem Hintergrund will sorgfältig ausgewählt sein, um die Lesbarkeit von Texten zu erhöhen. Insbesondere mit der Textauszeichnung (fett, kursiv) sollte sparsam umgegangen werden. A. Schulz (1998, 151ff.) nennt einige Grundsätze:

  • Schrifttypen nicht mischen!
  • Weiße Schrift auf schwarzem Grund ist eher schlecht zu lesen. Weiß hat die Eigenschaft, sich optisch auszudehnen, so dass die Buchstaben ineinander verschwimmen.
  • Serifenschrift ist in der Regel besser lesbar, da sie Buchstaben zu Wörtern zusammenfasst. Dies gilt allerdings weniger für Bildschirmschriften, als vielmehr für Schriften auf Papier.
  • serifenlose Schriften eignen sich besser für „unruhige“ Hintergründe, da sie sich davon besser abheben als Serifenschriften, die eher mit dem Hintergrund verschmelzen.

(Beispiel: s in Serifenschrift)

Websites zu Typographie:

1.1.1.4 Layout (Raumaufteilung)

Mit dem Layout kann man sehr gut Aufmerksamkeit herstellen. Es ist z.B. bekannt, dass ein Betrachter (aus dem westlichen Kulturkreis) dem linken oberen Teil des Bildschirms die größte Aufmerksamkeit widmet, dem rechten unteren die geringste. Dahin gehören also die wichtigeren Elemente. Logische Beziehungen unter Elementen bzw. die Sequenzierung (Anordnung in einer bestimmten Reihenfolge) von Informationen sollten durch räumliche Anordnung angedeutet werden. Ganz allgemein sind eine gewisse symmetrische Anordnung von Elementen (die durchaus nicht langweilig sein muss) und die Verwendung weniger großer anstatt vieler kleiner Objekte zu empfehlen. „Layout“ bedeutet auch, dass die Anordnung von Elementen über die ganze Anwendung (alle Seiten, alle Bildschirme) konsistent sein muss, um die Benutzung zu erleichtern.

Webseiten dazu:

  • Dietrich Boles (1998): Bildschirmlayout.
    (http://www-is.informatik.uni-oldenburg.de/~dibo/teaching/mm97/buch/node68.html)
1.1.1.5 Medien-/Themen-adäquate Darstellung

Themen- oder inhaltsadäquate Darstellung bedeutet, dass die Möglichkeiten des Mediums für die Besonderheiten eines Themas oder Stoffes ausgenutzt werden. Enzyklopädien oder Lexika werden anders dargestellt und erfordern andere Navigations- und Orientierungsmittel als lange Texte, Firmenpräsentationen oder Online-Zeitschriften.

Wenn eine WWW-Seite nur aus einem einzigen sehr langen und wenig strukturierten Text besteht – wobei ein Text „lang“ ist, wenn er ausgedruckt mehr als 10 DINa4-Seiten ergibt (Faustregel) – , ist das dem Medium Computer(-bildschirm) nicht angemessen, weil man längere Texte besser auf Papier liest. Angemessener wäre die Darstellung eines Textes als Hypertext, also eine Aufspaltung in kleinere Einheiten (zum Begriff der „informationellen Einheit“ vgl. Kuhlen 1991, 79ff.) , die danach verlinkt werden, also eine Ausnutzung der besonderen Fähigkeiten des elektronischen Mediums. Dies ist jedoch nicht immer möglich, weil sich nicht alle Texte sinnvoll in kleinere Einheiten aufspalten lassen (vgl. auch Kap. 1.2.1 Strukturierung).

1.1.1.6 Konsistenz

Die Einheitlichkeit (in DIN EN ISO 9241, Teil 10 wird von „Erwartungskonformität“ gesprochen) der formalen Präsentation spielt eine große Rolle für die Benutzbarkeit eines Informationssystems. Konsistenz ist dabei eine Anforderung, die sowohl für die äußere Darstellung wie auch die Inhalte (z.B. begriffliche Konsistenz, s.u.) gilt. Auch der Yale Style Guide hält Konsistenz für wichtig:

„Repetition is not boring; it gives your site a consistent graphic identity that creates and then reinforces a distinct sense of „place“ and makes your site memorable. A consistent approach to layout and navigation allows readers to adapt quickly to your design and to confidently predict the location of information and navigation controls across the pages of your site.“ ( The Yale Style Guide: http://www.webstyleguide.com/wsg3/index.html)

Konsistenz muss gelten in Bezug auf

  • die Platzierung von Orientierungs- und Navigationsmitteln und -hilfen
  • die Aufteilung des Bildschirms,
  • die Anordnung / Reihenfolge von Elementen in Bereichen mit Orientierungs- und Navigationsfunktionen
  • die Semantik (Bedeutung) von Icons, Symbolen, Logos, Auszeichnungselementen (Unterstreichung, Fettdruck etc.),
  • die Semantik von Link-Auszeichnungen, d.h. den Benutzern muss jeweils klar sein, was geschieht, wenn sie ein Link anklicken (Sprung auf eine andere Seite oder in ein anderes WWW-Angebot oder zu einer Erläuterung oder zu einem Bild …),
  • die Schrift (Größe, Type),
  • die Textauszeichnung (Überschriften, Absätze, Aufzählungen, Zeilenabstände),
  • die Farbverwendung.
1.1.1.7 Dekoration / Illustration

Der Unterschied zwischen dekorativen und illustrativen Elementen ist der, dass letztere eine Funktion haben. Diese Funktion kann sein: Unterstützung der „Botschaft“ der Seite, Ergänzung der Orientierungs- und Navigationselemente, Verstärkung der Hilfefunktion(en). Rein dekorative Elemente dürfen sich zumindest nicht in den Vordergrund drängen oder den Betrachter stören, indem sie ihn von Wichtigem ablenken.

1.1.1.8 Animation

Animationen – bewegte Texte, Graphiken oder Bilder – können da sinnvoll und hilfreich eingesetzt werden, wo es gilt, Aufmerksamkeit zu erregen oder auf einen bestimmten Punkt zu lenken. Der Yale Web Style Guide meint dazu: “ Simple animation on a Web site’s main home page can provide just the right amount of visual interest to invite users to explore your materials.“ (http://www.webstyleguide.com/wsg3/12-multimedia/index.html )

Bei zwei Animationen pro Seite beginnt bereits die „Reizüberflutung“, d.h. man sollte auf einer Webseite maximal 1 Animation einsetzen. Generell ist zu sagen, dass nur dann zu diesem Hilfsmittel gegriffen werden sollte, wenn andernfalls die Gefahr besteht, dass die Seite ihren Hauptzweck verfehlt. Z.B. kann man die Nutzer durch eine Animation auf einer Eingangsseite zusätzlich auf die eigentliche Inhaltsseite aufmerksam machen.

Mehr zu Animationen: http://www.webstyleguide.com/wsg3/12-multimedia/index.html

1.1.2 Funktionalität: was kann man machen?

Wahrigs Deutsches Wörterbuch (Ausgabe 1968) kennt den Begriff „Funktionalität“ noch nicht. „Funktional“ wird mit „funktionell“ gleichgesetzt und bedeutet „eine Funktion betreffend“. Funktionalität ist eine Neuschöpfung des Computerzeitalters (auch Langenscheidts Großwörterbuch Englisch-Deutsch von 1972 kennt den Begriff ‚functionality‘ nicht) und heißt soviel wie „eine Summe von Funktionen“ (in der Regel wird daraus „möglichst viele (Teil-)Funktionen“). Eine andere Interpretation des Wortfeldes „funktional“ zielt auf die Gesamtfunktion eines Systems ab, d.h. ob das System insgesamt seine Funktion erfüllt und seinen Benutzer zufrieden stellt. Diese Nuance findet sich in dem Begriff „Funktionalismus“ wieder, der für eine Richtung insbesondere in der Architektur steht, die die Zweckmäßigkeit (von Gebäuden) in den Vordergrund stellt.

Man sollte – wenn man diese Überlegungen auf Websites bezieht – Funktionalität nicht als eine Art Zauberwort benutzen, das einem Informationssystem (einer Website) – ohne Ansehen der anderen Bewertungskriterien – Glanz verleihen soll (nach dem Motto „diese Webseiten haben eine tolle Funktionalität!“). Sicher erhöht es die Attraktivität von Webseiten, wenn sie den Benutzern den Weg zu ihrem jeweiligen Ziel ebnen. Es ist jedoch nicht wichtig, dass möglichst viele „Funktionen“ zur Verfügung gestellt werden, vielmehr soll die Funktion bzw. sollen die Funktionen realisiert werden, die zum Ziel führen bzw. das Gesamtziel befördern.

In diesem Zusammenhang spielt auch der Begriff „Redundanz“ eine Rolle, der soviel wie „Überfluss“ bedeutet. Wenn man dies positiv auslegt, so stellt ein Informationssystem mit „redundanten Funktionen“ keine „überflüssigen“ Funktionen bereit, sondern solche, die sich mit anderen ergänzen und so sicherstellen, dass ein Teilziel sicher erreicht wird, auch wenn ein Benutzer eine Funktion übersieht oder mit ihr nicht zurecht kommt. Beispiele dafür sind die unterschiedlichen Pfade, auf denen man eine bestimmte Seite erreichen kann, oder die verschiedenen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme (e-mail, Telefon, FAX …) , die ein Benutzer je nach Vorliebe oder Gegebenheiten nutzen kann.

1.1.3 Handhabbarkeit: wie erreiche ich das Ziel?

„Benutzungsfreundlichkeit“ (user friendliness) wird oft als das Ziel des Gestaltungsprozesses von Software genannt. An Literatur sollen hier Shneiderman (1997) und die DIN-Norm EN 29241, Teil 10, erwähnt werden (siehe auch Luckhardt 1999).

DIN EN 29241, Teil 10

Die 7 Kriterien der DIN-Norm lauten: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Steuerbarkeit, Fehlerrobustheit, Individualisierbarkeit, Lernförderlichkeit.

Aufgabenangemessenheit

Alles soll darauf abgestimmt sein, die gestellte Aufgabe (oder- wie oben gefordert – den Zweck / die Funktion) zu erfüllen. Dazu sollen möglichst genau die Mittel eingesetzt werden, die dazu nötig sind.

Selbstbeschreibungsfähigkeit

Das Ziel muss sein, dass der Benutzer das System ohne weitere Hilfen „bedienen“ kann. Eigentlich sollen Hilfefunktionen, Handbücher etc. überflüssig sein. Diesem Ziel kann man sich nähern, indem man die Bedienung „intuitiv“ macht, so dass der Benutzer jederzeit weiß, was zu tun ist.

Erwartungskonformität

Durch durchgängig einheitliches Design und konsistente inhaltliche Gestaltung kann man erreichen, dass jede neue (Bildschirm-)Seite, die der Benutzer erreicht, der Erwartung entspricht, die er seit „Betreten“ des Systems aufgebaut hat.

Steuerbarkeit

Diese Anforderung entspricht heute etwa der „Interaktivität“. Ein Benutzer ist dem System nicht „ausgeliefert“, sondern kann den Fortgang des „Dialogs“ bestimmen.

Fehlerrobustheit

Ein System muss Fehler des Benutzers tolerieren, muss ihm Auswege zeigen, wenn es in einen Fehlerzustand gerät.

Individualisierbarkeit

Diese und die folgende Anforderung sind erst nachträglich in die DIN-Norm aufgenommen worden. Ausgehend z.B. von Erfahrungen mit den Lernsystemen der ersten Generation („Programmierter Unterricht“) und der Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz („Benutzermodellierung“) hat sich immer mehr als notwendig erwiesen, dass Informationssysteme auf die individuellen Bedürfnisse der Benutzer angepasst werden bzw. sich automatisch anpassen.

Lernförderlichkeit

Softwaredesigner sollen darauf achten, dass der Umgang mit Software leicht erlernbar ist, d.h. dass die graphische und textuelle Gestaltung das Erlernen des Arbeitens mit der Software erleichtert und der Benutzer die einzelnen Funktionen auch beim nächsten Mal noch bedienen kann.

Im folgenden werden einige Kriterien für die Beurteilung der „Handhabbarkeit“ von Webseiten vorgestellt: Nutzerorientierung, technische Anforderungen, Eindeutigkeit, Nutzerführung, Navigation / Orientierung.

1.1.3.1 Nutzerorientierung – Orientierung am Nutzer

Die Orientierung an den Bedürfnissen des Benutzers steht bei der Entwicklung von Informationssystemen immer im Vordergrund. Die Schwierigkeit liegt natürlich in der Verschiedenartigkeit der Voraussetzungen und der Herangehensweisen der Benutzer. Dies ist bei Webseiten besonders problematisch, da jeder Webdesigner eigentlich in jedem Webnutzer einen potentiellen Nutzer seiner Seiten sehen müsste. So gesehen müsste jede Seite so angelegt sein, dass auf die Nutzer aus der avisierten Zielgruppe optimal eingegangen wird und gleichzeitig andere Nutzer schnell erkennen: „Hier ist für mich nichts zu holen.“

Die avisierte Zielgruppe ist in der Regel nicht homogen, so dass unerfahrene Benutzer bzw. Anfänger in dem behandelten Fachgebiet zum Ziel geführt werden müssen und andererseits erfahrene Nutzer sicher sein müssen, dass sie effizient mit dem System arbeiten können.

1.1.3.2 Technische Anforderungen an Nutzer

Bezogen auf die technischen Anforderungen an den Nutzer bzw. an seinen Computer muss ein Systementwickler einen Balanceakt vollführen. Er will einerseits die neuesten Entwicklungen einsetzen, zumindest aber „zukunftsorientiert“ arbeiten, also keine „überholte“ Technik verwenden, andererseits kann er nicht davon ausgehen, dass jeder Benutzer über die neueste Technologie und den schnellsten Rechner verfügt. Er wird abwägen müssen, ob es ihm auf die Nutzung der neuen Technologie und damit auf das Interesse des gut ausgestatteten Benutzers ankommt oder darauf, dass möglichst viele potentiell Zugang zu seinen Informationen haben.

Vielfältige Kompromisse sind denkbar, auch Ersatzlösungen, die den Zugang zu Informationen auch für schlechter ausgestattete Rechner vorsehen.

1.1.3.3 Eindeutigkeit

Die einzelnen Funktionen müssen klar und eindeutig aus ihren Repräsentationen ableitbar sein, sprich: der Nutzer muss jederzeit erkennen können, was er wie erreichen kann, ohne durch zweideutige oder missverständliche Darstellungen in die Irre geleitet zu werden.

1.1.3.4 Benutzerführung

Ein Problem von Hypertexten ist, dass sie in der Regel – etwa im Gegensatz zu älteren Lernsystemen mit ihrer festen Abarbeitungsreihenfolge – durch ihre Modularisierung und vielfältige Verzweigungen zu viel Bewegungsfreiheit geben. Je komplexer (Hypertext-)Systeme sind, desto schwieriger wird es, den besten Pfad bzw. überhaupt einen Pfad zu einem angestrebten Ziel zu finden. Ein gutes System bietet erfahrenen Nutzern den schnellsten und unerfahrenen den sichersten Weg. Die Mindestanforderung an eine Benutzerführung – und darauf beschränken sich viele Websites – ist die Erläuterung der Orientierungs- und Navigationsfunktionen.

1.1.3.5 Navigation / Orientierung

Diese beiden Begriffe – die auch dem Aspekt „Benutzerführung“ zuzuordnen sind – sind stets zusammen zu sehen: Orientierung bedeutet, dass sich die Benutzer über die Systemmodule (verfügbare Webseiten), den Systemzusammenhang (evtl. eine Sitemap) und ihren jeweiligen „Standort“ im System informieren können; „Navigation“ bezeichnet die Möglichkeiten, sich im System zu bewegen, im Zusammenhang mit (oder auch unabhängig von) der Orientierung. Eine isolierte Navigationsfunktion kann bedeuten, dass man nicht weiß, wohin man sich bewegt, wenn man sie nutzt, etwa wenn man einem aufwärtsgerichteten Pfeil folgt, zu dem keine weitere Information gehört. Folgende Anforderungen lassen sich formulieren:

  • Gute Strukturierung ist eine gute Voraussetzung für Orientierung
  • Kombinierte Orientierungs-/Navigationsfunktionen, z.B. navigierbare Hierarchien / Sitemaps
  • Hinweise für die Navigationsrichtung sind sinnvoll (z.B. Pfeile nach oben, horizontal oder nach unten)
  • Ein Gesamtverzeichnis aller verfügbaren Seiten ist sinnvoll
  • Funktionselemente erscheinen auf jeder Seite und immer an derselben Stelle
  • Links sind als solche erkennbar und eindeutig
  • Linkkennzeichnungen sind konsistent
  • Es ist immer klar, wohin Links führen

1.2 Qualität der Inhalte

„Content!“ („Inhalte!“) ist heute eine oft gehörte Forderung, wenn es um die Weiterentwicklung des Worldwide Web geht. Das Medium WWW steht mit einem großen Instrumentarium zur Verfügung, wenn man aber seine Inhalte mit dem vergleicht, was in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen erscheint, schneidet das Web noch sehr schlecht ab: es mangelt den Webveröffentlichungen durchweg an etwas, das hier vorerst nur pauschal als „Qualität“ bezeichnet werden soll.

Was die „graue Literatur“ betrifft, also die Aufsätze, Reden, Forschungs- und Arbeitsberichte etc., die täglich im Selbstverlag erscheinen, so bietet sich das Web als kostengünstige Alternative zum Druck an, so dass sich hier ein großes Potential an „Inhalten“ auftut. Mit gewissen Vorbehalten jedoch: die graue Literatur durchläuft in aller Regel nicht den gleichen Qualitätssicherungsprozeß (durch Begutachtungsgremien/-instanzen) wie die Veröffentlichungen in Verlagen (Bücher und wissenschaftliche Zeitschriften), die Qualität ist also eher ungesichert, wie bei den meisten Veröffentlichungen im Web auch.

Was also die inhaltliche Qualität angeht, so haben die Verlage dem Web gegenüber (wenn man diesen Gegensatz so aufbauen will) noch einen Vorsprung. Sobald sich die Verlage aber entschlossen haben werden – was über kurz oder lang der Fall sein wird, d.h. wenn die Entwicklung des Bereichs E-Commerce weiter fortgeschritten ist – ihre Veröffentlichungen ins Netz zu stellen, wird das WWW den entscheidenden Qualitätssprung machen. Im Folgenden sind nun Kriterien, die zum Faktor „Qualität“ beitragen, genannt und skizziert.

1.2.1 Strukturierung

Nicht nur für große Wissensbereiche, auch für kleinere Veröffentlichungen ist es wichtig, dass das präsentierte Wissen gut strukturiert ist. Dies ist in erster Linie eine inhaltliche Frage, obwohl die Strukturierung durch das Layout natürlich unterstützt werden kann. Es ist auch eine Frage des Wissensmanagements, mit dem die Verwaltung von und der Zugang zu Wissen erst möglich ist.

Natürlich ist auch die Veröffentlichung unstrukturierter Texte denkbar, etwa literarischer oder philosophischer Essays, die am Stück gelesen werden, damit eine Argumentationskette vom Anfang bis zum Ende verfolgt werden kann. In der Regel wird das Web jedoch als Instrument zur Wissens- /Informationsgewinnung genutzt, und dabei hilft die Aufspaltung in kleinere, u.U. unabhängige, miteinander verbundene, mit einer Bezeichnung (Überschrift) versehene Einheiten, die thematisch zu größeren zusammengefasst sind. Ziel muss sein, dass der Benutzer mittels der Struktur einen Überblick über den Inhalt der Veröffentlichung erhält.

Generell lässt sich sagen, dass die Strukturierung von der Linearität abhängt, d.h. davon, ob ein Text (oder Teile davon) wohl eher linear, also in der angebotenen Reihenfolge gelesen werden wird, oder ob die einzelnen Textteile (wie z.B. bei den Einträgen einer Enzyklopädie) jeder für sich einen Wert hat unabhängig von den anderen Teilen. Viele Texte, wie evtl. auch der vorliegende, werden wohl teilweise linear gelesen, teilweise kann ihre Strukturierung dazu dienen, einzelne Teile (Unterkapitel) unabhängig von den anderen lesbar/nutzbar zu machen.

1.2.2 Begriffliche Konsistenz

Jede Publikation muss in ihrer Begrifflichkeit konsistent sein. Das bedeutet zum einen, dass Begriffe immer gleich verwendet werden sollen, um die Benutzer nicht zu verwirren. Zum anderen muss bei der Verwendung von Synonymen klar sein, welche Wörter synonym verwendet werden. Im vorliegenden Artikel werden z.B. synonym verwendet: WWW, Worldwide Web, Web, Netz.

 

1.2.3 Vollständigkeit

Dies ist eine sehr schwierige Anforderung, weil eine Website selten vollständig ist, fast immer sind Ergänzungen denkbar, die Welt und damit das Wissen der Welt ändern sich ständig. Das gilt z.B. selbst für ein Verzeichnis der Werke Goethes: auch wenn sich die Zahl der Werke nicht mehr ändern kann, so sind doch ganz unterschiedlich detaillierte Verzeichnisse denkbar, und die Ergänzbarkeit dieser Verzeichnisse um Sekundärliteratur erscheint unendlich.

So kann man wohl nur eine „relative“ Vollständigkeit fordern, eine, die dem angestrebten Zweck genügt.

1.2.4 Aktualität

Bei der Einschätzung der Aktualität einer Website hilft in erster Linie das Erstellungsdatum bzw. das letzte Änderungsdatum, das auf keiner Seite fehlen sollte. Aber auch dieses Kriterium ist nur von relativer Bedeutung, d.h. für bestimmte Websites ist es wichtiger als für andere. Z.B. müssen Veranstaltungsverzeichnisse aktuell sein, wie auch andere Webseiten mit Terminen und Fristen. Und eine Web-Zeitung ist umso besser, desto „frischer“ ihre Meldungen sind; hier ist sogar die Angabe der Uhrzeit der Aktualisierung angebracht.

Nicht in jedem Fall ist eine Webseite wertlos oder nicht beachtenswert, deren Erstellungs- bzw. Aktualisierungsdatum schon eine gewisse Zeit zurück liegt. In allen Fällen, in denen zeitunabhängiges Wissen dargestellt wird, kommt es in geringerem Maße auf Aktualität an. Das gilt zum einen für wissenschaftliche Artikel, deren „Verfallszeit“ in Abhängigkeit von der Gültigkeit der beschriebenen Sachverhalte und Erkenntnisse unterschiedlich sein kann. Das gilt zum anderen ganz besonders für zeitunkritische Darstellungen wie Lebensbeschreibungen, Werkschauen, literarische Werke u.a.

1.2.5 Verständlichkeit

Zur Verständlichkeit tragen verschiedene Faktoren bei. Zum einen ist es wieder die Zielgruppenorientierung, zu der auch eine Anpassung der Wortwahl und der verwendeten Terminologie an die vermuteten Kenntnisse der Zielgruppe(n) gehört. Zum anderen muss man einfach verständlich schreiben, um eine brauchbare Website zu erstellen. Hier liegen große Defizite des WWW, da der Wert von Webseiten oft durch Slangausdrücke, technologielastige Ausdrucksweisen, schlampige, unüberlegte Formulierungen etc. gemindert wird.

1.2.6 Eindeutigkeit

Natürliche Sprache ist nie eindeutig, ob gesprochen oder geschrieben, ob in gedruckten oder in elektronischen Publikationen. Da sind Autoren gehalten, so eindeutig wie möglich zu formulieren (zumindest es zu versuchen). Dies steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass nicht Zweideutigkeit beabsichtigt ist.

1.2.7 Stil

Laut Wahrig (1968) bedeutet „Stil“ „einheitliches Gepräge“. So gesehen gibt es keinen „schlechten“ Stil, sondern nur unangemessene, unpassende Formulierungen bzw. Wortwahl, also Abweichungen von einer gewählten vorherrschenden Diktion bzw. „Stilebene“ („Entgleisungen“). Es kommt also auf die Einheitlichkeit und die Angemessenheit, und auch hier wieder auf die Zielgruppenorientierung an. Wenn sich ein Webangebot an Schüler oder Studierende richtet, ist eine umgangssprachliche Ausdrucksweise möglich. „Seriosität“ anstrebende Webautoren werden eher eine formellere Sprache pflegen.

1.2.8 Textualität

„Textualität“ umfasst alles das, was einen (guten) Text ausmacht, was eine Folge von Zeichen und Wörtern zu einem Text macht. Ohne auf die Texttheorie im Einzelnen einzugehen und ohne die Unterschiede zwischen gedruckten und Hypertexten zu untersuchen, sollen im Folgenden einige Kriterien für Textualität – bezogen auf Texte im Web – aufgeführt werden.

Jede Webseite (technisch: jede HTML-Datei) hat ihre eigene Textualität, auch wenn erst mehrere Seiten (Knoten) zusammen inhaltlich einen Text ausmachen. Da ein Autor nie wissen kann, in welcher Reihenfolge die einzelnen Knoten aufgesucht werden und ob sie überhaupt alle besucht werden (oder ob ein Knoten aus einer Suchmaschine heraus direkt angesprungen wird), muss jede Einheit soweit wie möglich autark, aus sich heraus verständlich sein.

Alle Texte – auch Hypertexte – sind in dem Sinne linear, dass sie in irgendeiner Reihenfolge gelesen werden. Bei gedruckten Texten liegt die Linearisierung beim Autor, bei Hypertexten beim Leser (und der Autor muss Kriterien für die Linearisierung liefern).

Jede Seite trägt die äußeren Kennzeichen eines Textes, z.B. eine Überschrift, Abschnitte, Unterüberschriften, Inhaltsverzeichnis, kurze Einführung (einführender Satz), Zusammenfassung, Überleitungen.

Die Mittel der Textkohäsion – das ist das, was den Text an der Oberfläche zusammenhält – funktionieren nur innerhalb von Seiten, nicht seitenübergreifend. Das wird klar, wenn man sich diese Mittel anschaut: dazu gehören z.B. Pronomina und gewisse Adverbien, die einen Bezug herstellen, z.B. er, dieser, solche, dabei, oben… Damit kann der Autor nicht auf eine andere Seite verweisen, da er nicht weiß, ob der Leser diese überhaupt liest.

Textkohärenz fördert das Verständnis eines Textes durch Einbettung in einen Zusammenhang, durch Verwendung verständlicher und akzeptierter Terminologie, durch Herstellung von Bezügen zu anderen Texten ähnlichen Inhalts. Letzteres wird auch „Intertextualität“ genannt.

Webseiten zur Textualität:

1.2.9 Glaubwürdigkeit

Die „Glaubwürdigkeit“ einer Website hängt von Kriterien ab, die allgemein vom wissenschaftlichen Arbeiten her bekannt sind. Zunächst die Quelle der Information: Wer ist der Autor und wo ist die Publikation erschienen? Das Werk eines renommierten Autors hat in puncto Glaubwürdigkeit immer einen gewissen Vorteil vor anderen. Wenn man den Autor nicht kennt, aber die Zeitschrift, in der der Artikel erscheint, einen guten Ruf hat, ist das ebenfalls ein Indiz für Glaubwürdigkeit. Das Gleiche gilt für Websites renommierter Institutionen, Organisationen, Zeitungen etc. Zum zweiten ist zu bewerten, ob die getroffenen Aussagen – unabhängig vom Autor und der Website, zu der die betreffende Seite gehört – fundiert, gut begründet und belegt, die wichtigen Begriffe definiert, die Aussagen selbst gut und korrekt (s. 1.2.11) formuliert sind. So gesehen, kann man an Websites ähnliche Kriterien anlegen wie an wissenschaftliche Arbeiten.

1.2.10 Informativität, informationelle Mehrwerte, Metadaten

Informativität ist das Maß, in dem ein (individueller!) Informationsbedarf gedeckt wird. Informationelle Mehrwerte (vgl. auch: Kuhlen (1995); Harms/Luckhardt (1999): /studium/handbuch/index.php#gegenstand) generiert ein System darüber hinaus, wenn es verschiedene Zugänge zu den Informationen (Werkzeuge / Mittel zur Informationsgewinnung) zur Verfügung stellt.

Es handelt sich um zwei Seiten derselben Medaille, zwei zentrale Konzepte der Informationswissenschaft: zum einen die Sicht des Individuums, des individuellen Informationsbedarfs, zum anderen die ökonomische Sicht der Information als Ware.

Auf das WWW bezogen bedeutet dies, dass die Entwickler von Webseiten immer das Informationsbedürfnis des Einzelnen im Sinn haben müssen. Die Qualität von Webseiten bemisst sich daran, in welchem Maße dieses Bedürfnis befriedigt wird. Dazu gehört nicht nur, dass die gesuchte Information verfügbar ist, sondern auch, dass sie leicht zu finden ist, dass Werkzeuge zur Verfügung stehen, die die Suche erleichtern (Inhaltsverzeichnis, Index, Suchwerkzeug, Glossar, Thesaurus).

Das aus dem traditionellen Dokumentationswesen bekannte Beschreiben von Textinhalten („Indexieren„) durch Stich- und Schlagwörter (Deskriptoren) findet seinen Niederschlag in den Metadaten, die einer Webseite mitgegeben werden, um die Webgemeinschaft über die Inhalte der Seite zu informieren. Eine kurze Einführung in die Nutzung von Metadaten findet sich bei W. Schweibenz: How To Use General Design Issues and Metadata In Order To Get Your Web Page Picked Up By Search Engines (/projekte/webdesign/#6)

Eine Untersuchung von Besonderheiten beim Indexieren und Abstrahieren von Webseiten finden Sie unter Information Retrieval im WWW (in diesem Handbuch).

1.2.11 Korrektheit

Ein äußerliches, aber durchaus dem Verständnis, der Lesbarkeit und der Seriosität von Webseiten förderliches Kriterium ist die grammatische Korrektheit der Texte (Rechtschreibung, Zeichensetzung). Vgl. dazu „Informationsdesign von Texten – Warum Grammatikregeln beim Textverständnis helfen.“

2. Übergreifende Kriterien

Die hier genannten Kriterien beziehen sich auf die Publikation als Ganzes bzw. betreffen Inhalt und äußere Gestalt gleichermaßen. Sie lassen sich unter den Stichworten „Ziel-/Zielgruppenorientierung“, „Themenadäquate Realisierung“ und „Anwendungsbezogene Bewertung“ zusammenfassen.

2.1. Ziel-/Zielgruppenorientierung

Die Ziel- bzw. Zielgruppenorientierung wurde schon mehrfach angesprochen, sie spielt als wichtige Forderung an ein Informationssystem in allen Kapiteln dieses Beitrags eine große Rolle. Schulz formuliert – bezogen auf das Interfacedesign:

„Unter einem umfassenden, konsequent nutzerzentrierten Ansatz … wird eine Auffassung verstanden, die nicht zuerst nach den Möglichkeiten der Technik, sondern insbesondere nach den Bedürfnissen der potentiellen Nutzergruppe („requirement engineering“), den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Wahrnehmung, sowie einer angemessenen formalen Umsetzung fragt.“ (Schulz 1988, 217).

Diese Auffassung lässt sich – wie gesehen – über die äußere Gestaltung hinaus auch und gerade auf die Inhalte ausdehnen: die Möglichkeiten der Technik spielen nur insoweit eine Rolle, als sie – auf die jeweiligen Gegebenheiten abgestimmt – den Nutzern dazu dienen, die inhaltliche Dimension der Systeme voll auszuschöpfen. Dazu gehört insbesondere auch die Fähigkeit des Webautors, seine eigenen Gegebenheiten, Kenntnisse, Fähigkeiten und Neigungen zu ignorieren und sich am Modell eines durchschnittlichen Benutzers zu orientieren, ohne speziellere Fähigkeiten und Neigungen ganz außer Acht zu lassen.

2.2 Dem Stoff angemessene Realisierung

Jedes Thema bedarf einer angemessenen äußeren und inhaltlichen Realisierung. Was „angemessen“ bedeutet, kann nicht allgemein angegeben werden und muss von Fall zu Fall bestimmt werden. Zur Konzipierung einer Website gehört, dass sich der Autor Gedanken über die einzusetzenden Gestaltungsmittel macht, z.B. ob ein Thema eine Illustration mit Bildern oder Graphiken erfordert, ob eine Darstellung von Sachverhalten in Tabellen sachdienlich ist, ob Texte als längere Abhandlungen oder in kurzen unabhängigen Einheiten verfasst werden sollen, ob der Stoff eine ausgiebige Kommentierung durch Links zu anderen Websites verträgt (oder sogar verlangt).

Wichtig ist, dass das Webdesign auf einem umfassenden Konzept aufbaut, das auf die vorgesehene Thematik, die Ziele und die Zielgruppen ausgerichtet ist und die genannten Kriterien – soweit sie zutreffen – berücksichtigt.

2.3 Anwendungsbezogene Bewertung

Nicht alle genannten Kriterien sind für alle Websites gleich wichtig. Es gibt sicher Websites, deren äußerer Eindruck wichtiger ist als ihre Glaubwürdigkeit. Bei anderen Websites kommt es nur in geringem Maße auf Aktualität an, dafür spielen Typographie und Farbverwendung eine große Rolle. Entwickler von Sites, deren Ziel die Informativität ist, legen Wert auf andere Kriterien als Entwickler reiner Unterhaltungsangebote. So lässt sich vermutlich für jedes Informationssystem (jeden Typ von Informationssystem) im WWW eine andere Bewertungsskala aufstellen.

Literatur

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