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Studium Informationswissenschaft

Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

11. Einige beispielhafte Fragestellungen

Labels als Mittel der Informationsarchitektur

Heinz-Dirk Luckhardt


– über die effiziente Repräsentation von Inhalten im WWW –

Etiketten: Was draufsteht, soll auch drin sein!
– Von Buchdeckeln und Homepages –

etiketten
Zur Einführung

Das im Folgenden beschriebene Problem tritt nicht nur im Worldwide Web auf, sondern muss überall dort gelöst werden, wo auf engstem Raum mehr oder weniger komplexe Sachverhalte darzustellen sind. Dabei kann es sich um einen Buchdeckel oder ein CD-Cover handeln, ein Hinweisschild an einem Gebäude oder eben die Eingangsseite zu einer Website (vgl.: Definitionen zu „Website“, „Webseite“, „Homepage“ etc. ) bzw. eine beliebige Seite im WWW: es soll mit möglichst einfachen, aber für alle „Benutzer“ verständlichen Mitteln dargestellt werden, um was es sich bei dem beschriebenen Objekt handelt, wie seine innere Struktur ist und wie man damit umgeht. In diesem Artikel geht es um Text- und Bild-Labels (Etiketten), genauer: um die „Benennung“ von Links im Worldwide Web. Welchen Namen gebe ich einem Link, welches Ikonogramm benutze ich, um den damit verbundenen Inhalt verständlich auszudrücken?

Die Schwierigkeiten sind vielfältiger Natur:

  • Mehrdeutigkeit: Das Klicken auf ein Hyperlink oder einen Button führt nicht zum gewünschten Ziel, weil man sich unter dem Link- oder Buttonnamen (oder dem Icon auf dem Button) etwas Anderes vorgestellt hat (Holzweg-Syndrom oder kognitive Falle)
  • Spezifität: Die Rubriken eines Webkatalogs lassen nicht genau erkennen, welche Objekte sich dahinter verbergen, weil die gewählten Benennungen vage (oder zu spezifisch) sind
  • Jargon: Die Navigationsleiste einer Webseite enthält Benennungen, die nur von (Firmen)Insidern verstanden werden, nicht aber von Neulingen (Neukunden)
  • Unverständlichkeit: Der Benutzer muss einem Link folgen, um zu verstehen, was sich dahinter verbirgt (trial-and-error-Prinzip)

Worauf sind die meisten dieser Probleme zurückzuführen? Alles hat damit zu tun, dass die äußere Darstellung von Sachverhalten (durch Text oder Abbild) oft nicht mit der inneren Repräsentation (Konzept, Begriff) übereinstimmt: was als Benennung oder Abbildung auf einem Button steht (Label, Etikett), stellt nicht das dar, was der Designer / Textautor damit gemeint hat und/oder der Leser darunter versteht. Warum das so ist, erklären Rosenfeld und Morville (2002, 76) – für Text-Labels – so:

    „… spoken language is essentially a labeling system for concepts and things. Perhaps we constantly label, we take the act of labeling for granted. That’s why the labeling on web sites is often poor …“

Wir benutzen in Gesprächen oder geschriebenen Texten ständig Labels (Etiketten) für die Dinge, über die wir reden / schreiben, ohne viel darüber nachzudenken. Aber beim Erstellen von Webseiten kann man nicht einfach so formulieren, wie man dies etwa in einem Gespräch tut. Drückt man einen Sachverhalt in einem Gespräch aus, tut man es mehr oder weniger unbewusst im Hinblick auf den Gegenüber und in einem ganz spezifischen Kontext. Der Gesprächspartner kann diesen Kontext zur Dekodierung der Botschaft nutzen und gegebenenfalls um Klärung bitten. „Botschaften“ in Form von Labels auf Webseiten kommen in einem ganz anderen, meist wenig ausgeprägten Kontext daher und müssen aus sich heraus verstanden werden, d.h. ohne dass man den Autor nach der Bedeutung fragen kann.

Eine einfache Regel für ein gutes Informationsdesign lautet nach Meinung von Rosenfeld und Morville so (S. 77):

    “ .. information architects must try their best to design labels that speak the same language as the site’s users while reflecting its content.“

Labels sollen also „die Sprache der Leser sprechen“ und gleichzeitig den Inhalt der Website reflektieren. Dazu muss man die (üblichen) Leser (oder „Web-Benutzer“) und ihre Sprache kennen und einen Weg finden, die Inhalte auf Labels herunterzubrechen. Beide Aufgaben, die im Folgenden diskutiert werden, sind eine große Herausforderung, weil es für kaum eine Website eine einheitliche Zielgruppe und eine allgemein akzeptierte Form der Repräsentation gibt.

Die Sprache der Leser

Hier kommt es darauf an zu antizipieren, welche Bezeichnungen der Leser überhaupt kennt und welche Vorstellungen er möglicherweise damit verbindet. Dazu zunächst zwei Beispiele:

    1. Beispiel

    presse
    kontakt

    Das Wort „Presse“ hat zunächst einmal mehrere Bedeutungen (z.B. bezogen auf die Medien bzw. die technische Bedeutung), die durch den Site-Kontext grob vorsortiert werden. So wird man z.B. „Presse“ auf der Eingangsseite des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ( http://www.voelklinger-huette.org/ ) in der Navigationsleiste dem Bereich „Medien“ zuordnen (obwohl der technische Kontext evtl. auch eine andere Interpretation suggerieren könnte). Der genaue Inhalt der zugehörigen Seite wird damit aber nur unscharf dargestellt. Wie sich herausstellt (und dies auch erst nach eingehender Lektüre der Seite), verbirgt sich hinter dem Label eine Auflistung von Pressemitteilungen, also ein Angebot „an die Presse“, und nicht etwa ein Pressespiegel mit Auszügen aus Artikeln „über die Völklinger Hütte“. Ein eindeutigeres Label wäre hilfreich, aber dieses hat man wohl der bloßen „Kürze“ der Bezeichnung geopfert.

    Das Label „Kontakt“ in der Navigationsleiste ist hingegen zu eng für das, was sich dahinter verbirgt. Neben den telephonischen, schriftlichen und persönlichen Kontaktmöglichkeiten finden sich hier – in der Unterrubrik „Information“ – auch die Eintrittspreise. Die umfassendere Bezeichnung „Information“ , die ja „Kontakt“ einschliesst – nicht umgekehrt -, gehört eigentlich in die Haupt-Navigationsleiste.

    2. Beispiel

    angebote
    wie

    Das Webangebot von Geographie ohne Grenzen e.V. ( http://www.geographie-ohne-grenzen.de/ ) enthält in der Navigationsleiste Labels im Nominalstil (z.B. „Spezielle Angebote“) bis auf eines, das als Frage formuliert ist („Wie funktioniert’s?“). Solche Vermischungen der Syntax sind nach Rosenfeld/Morville benutzerunfreundlich. Sie widersprechen der Anforderung der „Erwartungskonformität“ nach ISO-Norm 9241: Der Leser entwickelt während der Arbeit eine Erwartung bezüglich seiner weiteren Beschäftigung mit der Website. Alles, was der Erwartung nicht entspricht, behindert seinen Umgang mit der Site. Er muss “umdenken”, ein anscheinend schwerer Verstoß gegen die Web Usability, so zumindest nach Steve Krugs Buchtitel “Don’t make me think” (2000, New Riders Publishing). Der Leser wird auch gezwungen, darüber nachzudenken, worauf sich das ” ’s” von “Wie funktioniert’s?“ bezieht: was funktioniert? Die Navigation auf den Seiten? Die Kontaktaufnahme? Das Wahrnehmen der “speziellen Angebote”? Da es auf der gesamten Website um “Exkursionen” geht, wäre z.B. ein Label “Anmeldung” statt “Wie funktioniert’s?“ angebracht.

Diese Beispiele zeigen Einiges auf, was Rosenfeld/Morville in der Forderung nach “konsistenten Labeling-Systemen” zusammenfassen und was im Folgenden kurz referiert wird:

  • Stil: es wird Konsistenz in Bezug auf die Verwendung von Interpunktionszeichen, Groß-/Klein-Schreibung, etc. gefordert.
  • Präsentation: Eine Gruppe von Labels sollte auch durch gemeinsamen Font, Fontgröße, Farben, gleiche Abstände etc. als zusammengehörig erkennbar sein.
  • Syntax: Labels sollten einheitlich im Verbal- oder Nominalstil oder als Frage formuliert sein.
  • Zielgruppe: es kann sehr schwierig sein, Labels einheitlich in einer für u.U. sehr unterschiedliche Zielgruppen (z.B. Ärzte und Patienten) verständlichen und nützlichen Weise zu benennen. Eine Lösung kann sein, für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Labeling-Systeme zu entwickeln. Dies geschieht z.B. auch für Leser aus unterschiedlichen Sprachräumen.
Die Repräsentation von Inhalten durch Labels

Die Liste der von Rosenfeld/Morville genannten Konsistenz-Kriterien (siehe vorangehenden Absatz) enthält zwei weitere, die sich auf die Repräsentation von Inhalten durch Labels beziehen: Vollständigkeit und Granularität.

  • Vollständigkeit: Offensichtliche (inhaltliche) Lücken in Labeling-Systemen verwirren die Leser. Die gewählten Labels sollten zusammen die abgebildete Welt dahinter angemessen repräsentieren.
  • Granularität: Die Labels sollten im Grad ihrer Spezifität übereinstimmen, d.h. sie sollten – wenn man sie sich als Teil einer Klassifikation vorstellt – alle auf derselben Hierarchiestufe stehen und nicht unterschiedlichen Ebenen entstammen. Ein Autoteile-Anbieter sollte also in der Hauptnavigationsleiste z.B. nicht anbieten: Fahrwerk, Antriebstechnik, Elektrik, Wagenheber, Schneeketten …

Dies sind nur zwei Detail-Probleme des Gesamtproblems, nämlich der Organisation der Website und ihrer Darstellung durch Labels (vgl. Rosenfeld/Morville Kap. 5 „Organization Systems“):

    “ … labels are often the most obvious way of clearly showing the user your organization or navigation systems.“ und
    “ … labeling is a form of representation“ (Rosenfeld/Morville, S. 76).

Damit ist klar, dass eines der zentralen Themen der Informationswissenschaft, die Wissensrepräsentation, auch bei der Gestaltung von Webseiten eine wichtige Rolle spielt. Repräsentationsformen wie Klassifikationen und Thesauri, linguistische Termini wie „Homonyme“ und „Synonyme“ und Methoden wie „terminologische Kontrolle“ und „Extraktion und Addition von Stich- bzw- Schlagwörtern“ lassen sich hier ebenso anwenden wie seit Jahrzehnten schon im Informations- und Dokumentationswesen. Hierzu sei auf einige Artikel im Virtuellen Handbuch Informationswissenschaft verwiesen:

An dieser Stelle soll nun noch auf einige Aspekte eingegangen werden, die die Anwendung traditioneller Methoden der Wissensrepräsentation auf die Informationsarchitektur von Webseiten plausibel machen.

Terminologische Kontrolle

Traditionell wird damit eine Methode bezeichnet, die sicher stellen soll, dass Systementwickler und -nutzer dieselbe Sprache sprechen. Es wird eine Art „Filter“ entwickelt, der die Beschreibung von Inhalten und die Suche nach Inhalten auf eindeutige Bezeichnungen fokussiert. So soll dem Problem begegnet werden, dass bestimmte Begriffe unterschiedlich benannt werden (Problem der Synonymie: „Sonnabend“ und „Samstag“ bezeichnen denselben Wochentag) bzw. ein und dasselbe Wort verschiedene Bedeutungen hat (Problem der Homonymie, z.B. „Bank“ als Kreditinstitut oder als Sitzmöbel). Auf die Suche im WWW bezogen: hier liegen die Gründe dafür, dass Suchmaschinen oft unbefriedigende Ergebnisse liefern. Einerseits werden zuviele Treffer angezeigt, wenn das eingegebene Suchwort nicht genau bezeichnet, was gesucht wird (Suchwort zu vage), andererseits kommen zu wenige Ergebnisse, wenn das eingegebene Suchwort nur eine von mehreren möglichen Bezeichnungen ist (Suchwort zu spezifisch). Einen Überblick über die Behandlung dieser Probleme im tradionellen Dokumentationswesen gibt der Handbuch-Artikel über „Indexierung“ : /studium/handbuch/exkurs.ind

Viele dieser Probleme erledigen sich für den Informationsarchitekten dadurch von selbst, dass die Bezeichner, also die Labels, die er verwendet, ja nicht isoliert stehen – wie in einem Index – sondern oft durch den Kontext der Webseite vereindeutigt werden. So wird auf einer Webseite, auf der es um Möbel geht, „Bank“ eher als Möbelstück verstanden. „ASTRA“ bezeichnet auf der Seite „Mediendaten Südwest“ einen Satelliten und auf der „Opel“-Seite einen Autotyp, ohne dass differenziert werden muss.

Die Kontextabhängigkeit von Labels – die im vorangehenden Absatz wegen ihrer vereindeutigenden Funktion als Vorteil genannt wurde – kann auch zum Nachteil werden. Im Falle einer über alle Seiten einer Website gleich bleibenden Navigationsleiste muss von ständig wechselnden Kontexten für die Labels ausgegangen werden. Wenn der Kontext einer Seite für ein Label vereindeutigend wirkt, kann ein anderer Kontext dazu führen, dass das Label missverstanden wird. Wie o b e n im Beispiel „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“ gezeigt wurde, wirkt der Kontext der Eingangsseite vereindeutigend für das Label „Presse“ im Sinne von „Medien“. Auf einer Seite, auf der es um technische Anlagen geht, wird dies weniger der Fall sein.

Jedes Label sollte also (im Zuge des Usability Testing und Engineering) darauf überprüft werden, ob es tatsächlich das bezeichnet, was der Autor damit meint, und ob anzunehmen ist, dass auch die Mehrzahl der Leser dasselbe darunter verstehen. Eingangsseiten kann hier insofern eine besondere Bedeutung zukommen, als hier stillschweigende Vereinbarungen zwischen Autor und Leser über die Bedeutung von Labels getroffen werden. Was hier falsch verstanden wird, wird auch weiter unten in der Website-Hierarchie falsch verstanden und führt den Leser auf Irrwege. Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Website nur über die Eingangsseite betreten werden kann. Dies ist oft nicht der Fall, da in der Regel auch die einzelnen Seiten in Suchmaschinen gefunden und so direkt betreten werden können. Man ist also dann auf der sicheren Seite, wenn man dafür sorgt, dass die Labels auf allen Seiten einer Site terminologisch kontrolliert sind.

Stich- und Schlagwörter

Stichwörter und Schlagwörter werden im Dokumentationswesen zur Repräsentation von Inhalten verwendet (vgl. unten: Indextermini), wobei Stichwörter dem zu beschreibenden Text entnommen werden und Schlagwörter in diesem Text selbst nicht vorkommen, vom Autor zur Beschreibung aber als Ergänzung für sinnvoll gehalten werden. Für Labels, z.B. in Glossaren und Indizes, werden wohl eher nur Stichwörter Verwendung finden, da die Leser die Label-Bezeichnung auf der Zielseite wiederfinden sollten.

Arten von Labels
Es gibt eine ganze Reihe durchaus unterschiedlicher Labels. Rosenfeld/Morville (S. 80) nennen fünf Arten von Labels: Kontextbezüge (Hyperlinks), Überschriften, Optionen in Navigationssystemen, Indextermini, Ikonogramme.
  • Kontextbezüge (Hyperlinks): Ein Hyperlink knüpft eine Beziehung im Hypertext und sollte einen „sprechenden“ Namen tragen und seine Funktion sollte klar sein. Dies ist, v.a. im laufenden Text, nicht vonvornherein eindeutig. Der Leser sollte wissen, worauf er sich einlässt, wenn er ein Link anklickt. Z.B. sollte beim Klicken auf den Link „Shakespeare“ klar sein, ob dies zu einer Biographie, einer Bibliographie, einem Bild etc. führt.
  • Überschriften: Die Formulierung von Überschriften kann auf ganz unterschiedlichen Motivationen beruhen. Aus informationswissenschaftlicher Sicht sollte eine Überschrift über das „informieren“, was der folgende Text enthält. Andere Motivationen bestehen z.B. in literarischen oder Werbetexten
  • Optionen in Navigationssystemen: dies ist – neben Hyperlinks – die Hauptfunktion von Labels im Web. Hier bestehen besondere Anforderungen bezüglich der Systematik (Vgl. oben: Labelingsysteme).
  • Indextermini: die Indexierungsfunktion stammt aus dem traditionellen Dokumentationswesen ( vgl.: Automatische und intellektuelle Indexierung. http://www.is.uni-sb.de/studium/handbuch/exkurs.ind.php ). Im Web können Indextermini dazu dienen, das Browsing zu erleichtern: als Ergänzung der Navigations-Struktur kann durch ein Verzeichnis der wichtigsten Begriffe eine bessere Orientierung über den Inhalt erreicht und eine präzisere Suche ermöglicht werden als durch Volltextsuche.
  • Ikonogramme: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dieser oft als „Vorteil“ für den Einsatz von Bildern in Informationssystemen angeführte Satz hat auch eine andere Seite: welches der „tausend Worte“ ist denn gemeint? Bezogen auf Ikonogramme: es gibt kaum ikonographische Labelsysteme, in denen jedes einzelne Ikonogramm für sich ohne Kontext und ohne Erklärung für jedermann sofort und in gleicher Weise verständlich ist. Die auszudrückenden Sachverhalte sind entweder zu komplex oder zu zahlreich, die einzelnen Ikonogramme sind meist mehrdeutig oder einfach schwer verständlich. Rosenfeld/Morville (S. 91) raten deswegen zum Einsatz von Ikonogrammen nur dann, wenn sie von Textlabels begleitet werden und ihre Gesamtzahl gering bleibt (zu einem Beispiel vgl. Kap. „Diskrepanz von Text und Bild“ unten). Eine Zusammenfassung zum Thema „Icons“ bieten Farkas&Farkas (2002, 211) im Kapitel „The problematic nature of labels“.

Labels können noch in anderen Formen auftreten. So könnte man z.B. auch den Literaturverweis „Farkas&Farkas (2002)“ als Label bezeichnen, das ein Buch repräsentiert, indem es den Autor und den Veröffentlichungszeitpunkt nennt. Es verweist auf einen Eintrag in der Literaturliste und hat den Zweck, den Leser in knapper Form über eine Quelle zu informieren. Auch hier gilt das Gebot der Knappheit, Klarheit und Eindeutigkeit. Der Leser soll damit die Möglichkeit haben, mit Hilfe der Originalquelle den Gedankengang des Autors nachzuverfolgen.

Kontextabhängigkeit

Die Frage der Kontextabhängigkeit, die oben unter „terminologische Kontrolle“ diskutiert wurde, hat noch einen anderen „Touch“. Ein an sich unzweideutiger, aber sehr komplexer Begriff wie „Deutschland“ kann durch den Kontext in einer für die Leser sofort und intuitiv einsehbaren Weise differenziert dargestellt werden:

Label „Deutschland“ bei

http://www.sueddeutsche.de sz

bzw. bei

http://www.wetteronline.de wetter

Im politischen Teil der Süddeutschen Zeitung wird das Label sofort als Link zur „Politik in bzw. bezogen auf Deutschland“ verstanden. Auf der Webseite „Wetter Online“ bedeutet dieses Label automatisch „Deutschlandwetter“.

Folgerungen: Einige Gesichtspunkte und Regeln für das Labeling

Als Zusammenfassung folgt zum Schluss eine Liste mit Regeln für das Labeling. Es liegt in der Natur solcher Auflistungen, dass sie nicht aus sich heraus verständlich sind, sondern – als eine Art Extrakt – ihre Aussage stark verkürzt wiedergeben. Für eine detailliertere Darstellung wird auf die vorangehenden Kapitel verwiesen.
  1. Allgemeinste Regel: ein Label soll genau das repräsentieren, wofür es steht.
  2. (nach Rosenfeld/Morville (2002): Die Labels einer Website sollen die Sprache der Leser sprechen und den Inhalt der Website widerspiegeln.
    Daraus folgt:

    a. Der Web-Autor muss die Sprache der Leser lernen.
    b. Der Web-Autor muss seine Website wohl strukturieren und die Struktur durch ein Labeling-System darstellen.

  3. Zu einem in sich geschlossenen System von Labels gehören die Konsistenz in Stil, Repräsentation, Syntax und Granularität, die einheitliche Berücksichtigung der Zielgruppen und die lückenlose Abbildung der Inhalte der Website.
  4. Bei der Benennung von Textlabels sind einige wichtige Prinzipien und Methoden der Wissensrepräsentation und der Indexierung zu beachten.
  5. Der Kontext einer Webseite kann der Vereindeutigung eines an sich mehrdeutigen Labels dienen. Dabei ist zu überprüfen, ob die Labels auf allen Seiten einer Website, also bei wechselnden Kontexten, gleich verstanden werden können.
  6. Jedes Label sollte darauf überprüft werden, ob es tatsächlich das bezeichnet, was der Autor damit meint, und ob anzunehmen ist, dass auch die Mehrzahl der Leser dasselbe darunter versteht (terminologische Kontrolle).
  7. Labels können auf einer Webseite in unterschiedlichen Formen vorkommen: Hyperlinks, Überschriften, Navigationslabels, Indextermini und Ikonogramme (mit oder ohne begleitenden Text). Die genannten Regeln gelten mehr oder weniger für alle.
  8. Rosenfeld/Morville raten zum Einsatz von Ikonogrammen als Labels nur dann, wenn sie von einem Textlabel begleitet werden.

Zur weiteren Diskussion: zwei Beispiele zum Thema Labels

Labels in Zeitungs-/Zeitschriften-Rubriken

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Text erstellt: Januar 2003, Heinz-Dirk Luckhardt