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Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

Bibliographie und Glossar zu ausgewählten Themen aus Informationsorganisation und -management

Terminologie

Information
[lat., zu lat. informare = durch Unterweisung bilden, unterrichten]
  1. Unterrichtung, Benachrichtigung, Aufklärung
  2. Nachricht (auch eingeschränkt auf „zweckorientierte od. zusätzlich [neues] Wissen vermittelnde Nachricht), Mitteilung
(Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Mannheim u.a. 1974. Bd. 12, S. 581)

informieren: „benchrichtigen, Auskunft geben, belehren“. Das Verb wurde im 15. Jhd. aus lat. in-formare entlehnt, und zwar in dessen übertragener Bedeutung „durch Unterweisung bilden, unterrichten“; eigentlich „eine Gestalt geben, formen, bilden“ (zu in…/In… und lat. forma „Gebilde, Gepräge, Gestalt“, vgl. Form)
(DUDEN Ethymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Mannheim u.a. 1989. S. 305)

Auskunft, Nachricht, Aufklärung, Belehrung.
(Wahrig Deutsches Wörterbuch. Gütersloh 1996. S. 836)

Information in Abgrenzung zu Wissen

Information ist

  • die Teilmenge von Wissen, die von einer bestimmten Person oder einer Gruppe in einer konkreten Situation zur Lösung von Problemen benötigt wird. Information ist die Ermöglichung von „Wissen in Aktion“ und wird verstanden im Sinne eines pragmatischen (also handlungsbezogenen) Verständnisses, kontext- und aktionsabhängig (im Gegensatz zu dauerhaftem, durch eigene Reflexion und Erinnerung verfügbares Wissen).
    (vgl. Strohmeier nach Kuhlen, 1994, S. 499)
  • Wissen, das in einen aktuellen, zweckorientierten Handlungszusammenhang gestellt wird. Hierbei muß es sich nicht unbedingt um eine konkrete Situation handeln; d.h. es gibt auch „Information auf Vorrat“ (Zimmermann). Wissen ist rein semantisch, während Information pragmatische Relevanz hat.
    (vgl. Vogel, 1992, S. 14)
  • „[…] Für das Verständnis der Informationswissenschaft relevant ist die Bedeutung von Information im Sinne eines (geglückten) Transfers von Wissen bzw. des Prozesses der Wissensvermittlung selbst. […] Der Begriff Information wird weitgehend synonym mit Wissenstransfer verstanden […]“
    (Studienführer Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes)
  • „Information kann Faktenwissen, aber auch Handlungswissen sein. Information muß Neuigkeitswert haben.“
    (Zimmermann)
– Weitere ausführliche Gedanken zum Thema Information / Wissen findet man z.B. bei Kuhlen in seinem Buch „Hypertext“ (S. 60, 335, 340 u.a.) –

Von Daten zur Information: eine kurze Erläuterung (Zimmermann, Seminar Informationsmanagement, 5.11.)

     Faktische Werte       = DATEN 
            + 
semantischer Zusammenhang  = WISSEN 
            + 
  pragmatische Relevanz    = INFORMATION 
   

Informationsprozeß

Übermittlung, Aufnahme bzw. (Wieder-) Gewinnung, Bearbeitung und Verarbeitung, Speicherung und Präsentation bzw. Repräsentation von Wissen, das somit zu Information wird. Wissen wird in einer allgemein akzeptierten Form codiert . Die Erkenntnis, der erkennende Wissenserwerb, gehört somit nicht zum IP (sondern zur Wissensaquisition)
(Zimmermann).

Ein gelungener IP liegt dann vor, wenn Wissen von einer Person zur anderen transferiert wurde
(zit. nach Dr. Harms, Skript zur Einführung in die Informationswissenschaft).

Betriebliche Informationen

Die erforderlichen Sachverhalte und Vorgänge zur Planung, Durchführung und Kontrolle der erforderlichen Aufgaben und Entscheidungen in einem Unternehmen mit dem Ziel, die betrieblichen Prozesse zu optimieren. Die Kontrolle ist somit das neue Element und befindet sich zur Zeit in vielen Fällen auf einem noch sehr primitiven Stand.

Kommunikation

Übermittlung bzw. Austausch von Informationen zwischen einem Sender und Empfänger. Informationen sind Inhalte bzw. Objekte der Kommunikation; Information und Kommunikation sind voneinander abhängig und bilden eine funktionale Einheit (Wechselwirkung). Die Intention muß Wissenstransfer sein, d.h. Interaktion zum Zwecke der Information gleich Kommunikation (zit. nach Prof. Zimmermann). Man kommuniziert, um an Wissen heranzukommen.

Kommunikationsprozeß

Der Sender gibt Informationen an einen Kanal ab, der sie dem Empfänger weitervermittelt. Sender und Empfänger können Menschen und / oder Maschinen sein.

Betriebliches Informations- und Kommunikations-System

ein auf die funktionalen Erfordernisse des Betriebes abgestimmter Zusammenhang von Menschen und./ oder Maschinen, in dem die Informationen erfaßt, transformiert (verdichtend oder verlustfrei), gespeichert und übertragen werden.
Dies geschieht in zunehmenden Maße mit Hilfe von Rechnern; in diesem Fall spricht man von rechnergestützten Informations- und Kommunikationssystemen.
(vgl. Jung, 1993)

Management

  • Zielorientiertes (in Bezug auf das Unternehmen zielorientiert) Gestaltungs- und Lenkungshandeln in Betrieben; gleichzusetzen mit „Unternehmensführung“.
  • Funktioneller Aspekt: Spezielle Aufgaben und Prozesse, die in und zwischen Unternehmen ablaufen
    Institutioneller Aspekt: Personen (-gruppen), die Managementaufgaben wahrnehmen

Managementprozesse

bestehen aus zweck- oder zielbezogener Suche, Analyse (im Sinne von Problembschreibung), Aufnahme, Verarbeitung und Abgabe von Informationen mit dem Ziel der Reduzierung von Komplexität und Unsicherheit auf seiten des Unternehmensführers und der Adressaten.
(vgl. Jung, 1993)

Informationsmanagement

  • „[…] Informationsmanagement ist mittlerweile aber auch ein schillernder Begriff, der von Vertretern verschiedener Disziplinen sehr unterschiedlich definiert wird. […] Eine trennscharfe Abgrenzung ist allerdings nicht ohne weiteres möglich und macht zudem wenig Sinn. […] Die informationswissenschaftliche Perspektive stellt mehr den ‚Umgang mit Informationen‘ in Organisationen in den Vordergrund […].“
    (Herget 1997, S. 785)
  • das Analysieren, Bewerten, Gestalten und Steuern von Informationen (-strukturen und -flüssen) in einem Unternehmen in der Art, daß die gesetzten Unternehmensziele möglichst optimal erreicht werden. Diese „dynamische“ Definition betont den Prozeßcharakter des Informationsmanagement.
    (vgl. Fickenscher, 1990)
  • die Summe der Regeln, Techniken und Systeme zur Gewinnung, Aufbereitung und Anwendung aller interner und externer Informationsressourcen des Unternehmens. (Dieser Definition liegt ein eher „statisches“ Verständnis von Informationsmanagement zugrunde).
  • die bedarfsgerechte Versorgung des Unternehmens mit Informationen unter organisatorischen, technischen, personellen und wirtschaftlichen Aspekten.
    (Pfeiffer, 1990)

Das optimale Ziel des Informationsmanagements ist die Entwicklung, Erhaltung und Nutzung einer unternehmensindividuellen Informationsinfrastruktur zur Erfüllung der Informationsbedürfnisse aller Mitarbeiter und sonstiger Beteiligter, also die Bereitstellung der objektiv benötigten Informationen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Form am Ort der Aufgabenerfüllung mit möglichst geringen Kosten.

Management, insbesondere Informationsmanagement gliedert sich in der Regel in drei Aufgabenebenen:

Strategische Aufgabenebene

Sie umfaßt alle Aufgaben des Informationsmanagement, die sich mit der Planung, Überwachung und Steuerung der Informationsinfrastruktur als Ganzes befassen. Die strategischen Aufgaben des Informationsmanagement sind für das Unternehmen als Ganzes von grundsätzlicher Bedeutung und führen in der Regel zu langfristigen, die nachgeordneten Aufgabenebenen (taktische, operative) bindenden Vorgaben.

Taktische (administrative/dispositive) Aufgabenebene

Sie umfaßt alle Aufgaben des Informationsmanagement, die sich mit der Planung, Überwachung und Steuerung aller Komponenten der Informationsinfrastruktur (z.B. Anwendungssysteme, Personal, Betriebsmittel, also mit logistischen Elementen) befassen. Sie schafft somit die Voraussetzungen für die Nutzung der Informationsinfrastruktur auf der operativen Aufgabenebene.

Operative Aufgabenebene

Sie umfaßt alle Aufgaben des Informationsmanagement, die sich mit der Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Informationsinfrastruktur befassen. Die Durchführung jeder operativen Aufgabe ist gleichbedeutend mit der Produktion von Information und ihrer Verbreitung.

Informationsressourcenmanagement

ursprünglicher Begriff für Informationsmanagement aus den USA, das sich zunächst ausschließlich an externen Ressourcen orientierte; heute als Teilgebiet des Informationsmanagements definiert, das sich mit internen und externen Informationsressourcen eines Unternehmens befaßt.

Das optimaloe Ziel des Informationsressourcenmanagement besteht darin, Leistung und Nutzen der Ressource mit Blick auf die Organisationsziele zu maximieren und die Kosten von Erwerb, Verarbeitung, Benutzung und Lagerung der Ressource zu minimieren.

Ressource
(im abstrakten Sinne)

  • etwas, das ein nützliches Potential und eine besondere Wichtigkeit für die Erreichung eines bestimmten Zieles besitzt und daher entsprechend ausgeschöpft werden sollte (Betonung der Mittel-Eigenschaft; Alltagsverständnis von Ressource)
  • Produktions- oder Hilfsmittel für die wirtschaftliche Tätigkeit, das in bezug auf seine Kosten und seinen Beitrag zur Leistungsfähigkeit der Organisation bewertet werden muß.