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Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

Bibliographie und Glossar zu ausgewählten Themen aus Informationsorganisation und -management

Die historische Entwicklung des Informationsmanagement

(Zur Geschichte des Managements allgemein vgl. Jung, S. 33-35)

Die Idee der Organisation von Information und Kommunikation entstand natürlich nicht von heute auf morgen. Ansätze und Gedanken existierten schon früher, jedoch nur vereinzelt und nicht zusammengefaßt unter dem Namen „Informationsmanagement“.

Ursachen für die allmähliche Entstehung des Informationsmanagement bildeten Probleme in der Informationsverarbeitung, die Mitte bis Ende der 70er Jahre zuerst in den USA offensichtlich wurden und die Forderung nach einem Informationsmanagement begründeten. Der Schwerpunkt der dort angestellten Überlegungen bezog sich auf die Interdependenzen zwischen der Unternehmensstrategie und den Informations- und Kommunikationstechniken.

Die eigentlichen „Anfänge“ des Informationsmanagement sind in der vom amerikanischen Kongreß einberufenen Federal Paperwork Commission zu finden. Diese sollte Ursachen für Ineffiezienzen im Umgang mit Daten und Informationen identifizieren und Lösungskonzepte erarbeiten. Drei Problembereiche kristallisierten sich heraus:

  • Zunehmende Störungen des Prozesses der Informationsverarbeitung und -anwendung: Das Wissensangebot vergrößerte sich, so daß es von dem Einzelnen nicht mehr aufgenommen, zu Wissen verarbeitet und auf die Problemsituation angewendet werden konnte Dies hatte fatale Folgen für die Organisationen. Es existierte kein „Mehrwertdienst“. Dieses Problem der „Datenflut“ ist nach wie vor vorhanden.
  • Probleme in der Informationverwaltung im Gestaltungsprozeß der Informationsysteme: die prinzipiell mögl. Funktionalität der Technologien wurde nicht ausgeschöpft, dazu kam ein permanenter und eklatanter Mangel an qualifiziertem Personal => es gab keine effektive Informationverwaltung
  • Unwirtschaftlichkeit der Informationverarbeitung: Hohe Kosten standen nicht befriedigenden Leistungen gegenüber. Diese Situation ist entstanden, weil ungenügendes Kostenbewußtsein, Probleme bei der Leistungs- u. Nutzen-Bestimmung der Einführung von Rechnern, von Wissen und Information sowie Probleme bei der eindeutigen Kostenbestimmung bestehen und die wirtschaftliche Kontrolle der Informationsverarbeitung erschweren.

Diese Probleme in der Informationsverarbeitung führten zu der Erkenntnis, daß die Informationsverarbeitung nicht sich selbst überlassen bleiben darf. Vielmehr müssen Informationbedarf, Wissensversorgung und individuelle Wissensverarbeitungskapazitäten und -bereitschaften unter Ausnutzung des verfügbaren technologischen Potentials in einem optimalen Kosten-Nutzen-Verhältnis organisationsweit aufeinander abgestimmt werden. Einfacher ausgedrückt: Der Umgang mit Informationen muß geplant, organisiert und evaluiert werden, die informationsbezogenen Tätigkeiten im Unternehmen müssen koordiniert und gesteuert werden.

Im 1977 erschienen Endbericht stellte der Leiter der Kommission die Forderung auf, Informationen nicht länger als freies und unentgeltliches Gut zu betrachten, sondern als Ressource (wie die klassischen Wirtschaftsgüter Kapital, Arbeit und Boden bzw. Betriebsmittel, menschliche Arbeit und Wekstoffe). Dies führte in US-amerikanischen Behörden zur Einführung des Paperwork Reduction Act und damit zusammenhängend zur Etablierung der Funktion Information Resource Management. Dazu kam die rasant fortschreitende Entwicklung im Medienbereich (sogenannter Medienbruch), die völlig neue Möglichkeiten eröffnete.

Der Begriff des Informationsmanagement fand ab Anfang der 80er größere Verbreitung – jedoch zunächst noch ohne umfassende Konzepte seitens der Geschäftsleitungen. Erst Ende der 80er setzte sich auch in Deutschland die Erkenntnis durch, daß die Handhabung des Produktionsfaktors „Information“ neben den EDV-technischen Fragestellungen auch organisations- und personalwirtschaftliche Aspekte beinhalten muß. Ausgangspunkt ist die Betrachtung von Information als eigener Produktionsfaktor, der gemanaged werden muß: Zur optimalen Ressourcenallokation ist die Bewirtschaftung der Ressource Information den gängigen Managementprinzipien zu unterwerfen.

Vgl. Vogel (1990), S. 898ff, und Klotz/Martiny(1989), S. 17/18 sowie Herget(1997), S. 785