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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Die Geschichte der Informationswissenschaft in Deutschland von der Nachkriegszeit bis heute

3. ‚1948 bis 1959‘

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Nach dem Zweiten Weltkrieg befindet sich das noch geeinte Deutschland nicht nur im wirtschaftlichen Neuaufbau, sondern nimmt auch die freie wissenschaftliche Arbeit wieder auf. Die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation (DGD) gründet sich 1948 in Köln neu und führt seine Arbeit im Bereich Information und Dokumentation (IuD) weiter. Am 01.01.1958 wird die DGD assoziiertes Mitglied der Fédération Internationale de Documenatation (FID) und erreicht somit einen internationalen Status. Die Gesellschaft besteht heute noch unter dem Namen Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI).

1950 erscheinen erstmals die „Nachrichten für Dokumentation in Technik und Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung“ (nfd) um über Neuerungen in Bereich Information und Dokumentation aktuell zu berichten.

1953 wird das Institut für Informationswissenschaft, Erfindungswesen und Recht (INER) an der Technischen Universität Ilmenau / Thüringen ins Leben gerufen, welches zunächst noch keinen Lehrauftrag hat. Das INER besteht bis 1990.

Das Rheinisch Westfälische Institut für Instrumentelle Mathematik (IIM) öffnet 1954 seine Pforten in Bonn. Es ist die erste außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die sich auch mit der „Rechenmaschinen-Mathematik“ auseinandersetzt. In Berlin erscheint in diesem Jahr die Dissertation von Hans Werner Schober „Dokumentation von Zeitschriften. Eine Studie zur gegenwärtigen Lage in Deutschland“ als erste kontemporäre Analyse und Beschreibung der dokumentarischen Arbeit. Im gleichen Jahr hält die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation (DGD) vom 22. März bis zum 26. März ein Kuratorium für Nachwuchsbildung und führt den ersten Fachlehrgang über Dokumentation in der Technischen Hochschule in Darmstadt durch. Die DGD wird Mitglied im Deutschen Verband technisch – wissenschaftlicher Vereine und erhält somit Zutritt zum Gemeinschaftsausschuss der Technik (GdT). Im GdT versammeln sich technisch – wissenschaftliche Vereine, Verbände der Wirtschaft und der Arbeitgeber, berufsständische Ingenieurorganisationen und Arbeitnehmerorganisationen und die mit den Fragen der Technik befassten Bundesministerien. 1954 ist das Jahr, in dem deutsche Firmen erstmals Computer bauen dürfen und den Grundstein für eine kostengünstigere Anschaffung von Computern legen.

1957 finden an der Freien Universität in Berlin die ersten Lehrveranstaltungen über Information und Dokumentation statt, ohne jedoch einen Abschluss im Bereich Informations- und Dokumentationsarbeit anzubieten. Die Zentralstelle für Atomkernenergie-Dokumentation (ZAED) wird 1957 gegründet, welche ab 1977 Teil des Fachinformationszentrums (FIZ) Energie, Physik, Mathematik wird.

Am 04. Oktober 1957 führt die UdSSR den Start von Sputnik 1, dem ersten künstlichen Satelliten, durch, der große Aufregung bei den USA verursacht, da sie die Signale des Satelliten nicht identifizieren können und ihn als militärische Bedrohung ansehen. Ohne zu wissen, dass die UdSSR die Signalcodes vor dem Start des Satelliten auch in englischer Sprache veröffentlich hatten, vergab die US-Regierung den Auftrag, die Signale zu entschlüsseln. Nach sechs Monaten und einem monetären Aufwand von 20 Millionen Dollar gelang es den amerikanischen Wissenschaftlern, die Signale vollständig zu dekodieren. Nachdem bekannt wurde, dass der Codeschlüssel in sechs amerikanischen Bibliotheken schon vor dem Start zur Verfügung stand, beschloss die US-amerikanische Regierung den Ausbau des Informationswesens. Als Folge stellte die Firma Philco Corp. den ersten volltransistorischen Rechner der Welt, den Transac-S-100, vor. Da die BRD und die USA eng zusammenarbeiteten, beginnt auch in der BRD das staatliche Interesse am Dokumentationswesen.

1959 findet der internationale Kongress „Automatic Documentation in Action“ in Frankfurt am Main auf Initiative von Erich Pietsch statt, bei dem Deutschland erstmals als Gastgeber für einen internationalen Wissensaustausch für Informatoren, Informatiker, Informationswissenschaftler, Dokumentare und Archivare fungiert. Im gleichen Jahr wird der Arbeitsausschuss „Dokumentation“ im Gemeinschaftsausschuss der Technik (GdT) gegründet

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