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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Die Geschichte der Informationswissenschaft in Deutschland von der Nachkriegszeit bis heute

5. ‚1980 bis 2000‘

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

1980 etablieren sich an den Universitäten in Konstanz und Saarbrücken die Studiengänge Informationswissenschaft als späte Folge des IuD-Programms 1974-1977. Beide Fachrichtungen vertreten die These vom pragmatischen Primat der Informationsarbeit und sehen Information als eine Teilmenge von Wissen an, die unter Berücksichtigung situativer Faktoren mit Blick auf konkrete Handlungserfordernisse erarbeitet werden muss. In Saarbrücken wird erstmals ein Magisterstudiengang Informationswissenschaft als Haupt- und Nebenfach angeboten.

1981 beginnt die informationswissenschaftliche Spezialisierung innerhalb der Fachrichtung Informationstechnik an Institut für Informationswissenschaft, Erfindungswesen und Recht (INER) an der TU Ilmenau mit der Ausbildung von Diplom-Ingenieuren zu Diplom-Informatoren. Das „Handbuch der IuD“ und das „Lexikon der IuD“ als erste deutschsprachige Literatur entspringen der Forschungsarbeit des INER.

Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) legt 1982 den „Leistungsplan Fachinformation 1982-1984“ vor, welcher eine Fortschreibung des IuD-Programms von 1974 und eine Akzentuierung auf den deutschen Datenbankaufbau ist.

1983 veröffentlicht der Präsident des Bundesrechnungshofes das Gutachten über Probleme der Fachinformation in der BRD. Es relativiert die Rolle des Staates bei der Finanzierung von Einrichtungen der Fachinformation und betont die Notwendigkeit von privatwirtschaftlicher Finanzierung. Die Deutsche Bundespost führt 1983 den Bildschirmtext (BTX) ein. BTX soll durch die Verbindung von Telefonleitungen, Bildschirm und durch Zusatzgeräte (Decoder, Modem) den Abruf von Informationsseiten aus einer BTX-Datenbank über die Telefonleitung ermöglichen, jedoch sind die BTX-Anschlüsse für Normalbürger unrentabel, da es nur wenige Einwahlknoten in Deutschland gibt und die Verbindung sehr teuer ist. ( 8 )

Die Gesellschaft für Information und Dokumentation (GID), die im Rahmen des IuD-Programms gegründet wurde, wird 1984 auf Empfehlung des Wissenschaftsrats wegen mangelnder Qualifikation und Funktionalität aufgelöst.

1985 startet das zweite Fachinformationsprogramm (FI) des Bundesministeriums für Forschung und Technik (BMFT) mit dem Ziel der Neuorientierung der Fachinformationspolitik und dem Aufbau von großen Fachdatenbanken. Das FI-Programm 1985-1988 wurde zur informationspolitischen Programmatik erhoben.( 3 )

Die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) gründet 1985 in Darmstadt das Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) und in Köln die Forschungsstelle für Informationswirtschaft (FIW).

Der vom Bundesministerium für Forschung und Technik (BMFT) in Auftrag gegebene „Modellversuch Informationsvermittlung“ startet 1986 zur Förderung der Nutzung von Fachinformation.

1988 erhält die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) einen neuen Gesellschaftsvertrag mit dem Gesellschafter, dem Land Hessen, in welchem die Fachinformation als neuer Forschungsgegenstand der GMD festgeschrieben ist. Durch die Integration der Gesellschaft für Information und Dokumentation (GID) in die GMD liegt der Arbeitsschwerpunkt nun in der Fachinformation. Es setzt sich in der BRD das Bewusstsein durch, dass die Informatik sowie die Informationstechnik Schlüsseltechnologien sind.

Am 15. Januar 1989 werden bei GMD-IPSI in Darmstadt Kriterien für die Lernziele und Qualitätssicherung von Aus- und Fortbildung und Empfehlungen für Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit im Bereich Bibliotheken, Dokumentation und Information vorgelegt. Am 20. September 1989 wird die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände gegründet.

Das zweite Fachinformationsprogramm 1990-1994 beginnt und basiert auf dem Hintergrund der rückblickenden Bilanz zum Fachinformationsprogramm 1985-1988 und der Weiterführung der in der Vergangenheit eingeschlagenen Pfade. Der ehemalige Adressatenkreis von Herstellern und Anbietern wissenschaftlicher und technischer Information sowie großer Unternehmen wird auf Hochschulen und mittlere Betriebe ausgeweitet.( 3 )

Im Dezember 1990 beschließt die Thüringer Landesregierung den Abbruch der Forschungsarbeit des Instituts für Informationswissenschaft, Erfindungswesen und Recht (INER) in Ilmenau, muss jedoch auf massiven Protest einen Professorenstuhl Informationswissenschaft, vorerst ohne Lehrauftrag, innerhalb der Wirtschaftinformatik genehmigen.( 1 )

1991 verlegt der Hochschulverband Informationswissenschaft (HI) das internationale Symposium für Informationswissenschaft nach Ilmenau, um auch unter anderem dem traditionsreichen Ort Rechnung zu tragen. ( 1 )

An der Fachhochschule Potsdam fangen am 17. Februar 1992 die Vorlesungsveranstaltungen im Fachbereich Information und Dokumentation an.

1992 hält die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation (DGD) ihre Tagung in Ilmenau ab und belobigt das alte Konzept des Instituts für Informationswissenschaft, Erfindungswesen und Recht (INER) eines postgradualen Studiums mit der Empfehlung an die Landesregierung, den Studiengang weiterzuführen. Es ist auch die DGD, die 1993 die „18.Oberhofer Kolloquien“ eröffnen und ihnen den alten Status eines internationalen Wissensaustausches verleihen. ( 1 ) Im selben Jahr wird das Lehrinstitut Information und Dokumentation (IuD) von Frankfurt am Main an die Fachhochschule Potsdam verlegt.

An der Technischen Universität Ilmenau gibt es 1995 wieder ein postgraduales Studium zur informationswissenschaftlichen Spezialisierung im Diplomstudiengang Wirtschaftsinformatik. ( 2 )

Die Bundesregierung startet 1996 das vierjährige Programm „Information als Rohstoff für Innovation“. Die Bundesregierung verfolgt mit diesem Programm ein neues Konzept, das dazu beitragen soll, die notwendige Entwicklung der Informationsinfrastruktur in möglichst großer wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Initiative und Selbstverwaltung zu lösen. ( 9 )

1997 bieten die Fachinformationsanbieter erstmals den Zugang über das World Wide Web (WWW) an.

„Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ heißt das aktuelle Programm der Bundesregierung, das im Jahre 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMB+F) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eingerichtet wurde und bis 2005 weitergeführt wird. Das Programm legt Aktionen und Ziele der Bundesregierung dar, um Deutschland im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien einen Spitzenplatz in Europa zu sichern. Es ist das Angebot an alle gesellschaftlichen Gruppen, die Informationsgesellschaft mitzugestalten. Das Aktionsprogramm soll begonnene Diskussionen mit den Ländern, der Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften sowie die einschlägigen Gespräche im Rahmen des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit nicht abschließen, sondern weitere Verabredungen und gemeinsame Maßnahmen anregen.( 10 )

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