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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Die Geschichte des Internets

Die Geschichte des Internets

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft
Packet switching

Eine einflussreiche Entwicklung war die Idee des „Packet switching“. Dabei wurde für eine Nachricht nicht wie einem Telefonat eine bestimmte Leitung reserviert und aufrechterhalten, sondern die Nachricht wurde in viele kleine Pakete aufgespaltet und über die verschiedenen Leitungen geschickt. Dadurch sollte das Datenaufkommen im Netzwerk besser verteilt werden. Für jedes Datenpaket würde individuell bestimmt werden, welches der jeweils günstigste Weg zum Bestimmungsort ist (Baran, 1964). Wenn eine Leitung mal verstopft ist, so nimmt das Paket einfach einen anderen Weg oder bei Verlust braucht nur, das verloren gegangene erneut verschickt zu werden, nicht aber die ganze Nachricht. Auf dem Zielrechner wird nach Eintreffen aller Pakete die ursprüngliche Nachricht wieder zusammengesetzt.
Die Societé Internationale de Télécommunications Aeronautiques (SITA) entschloss sich 1965 das Prinzip des packet switching erstmals für die Kommunikation der ihr angeschlossenen 175 Flughafengesellschaften zu nutzen (Hirsch, 1974). Das SITA-Netz wurde zu einem vollen Erfolg und bereits ein Jahr später entschloss sich IPTO, die über das ganze Land verstreuten ARPA-Computerzentren miteinander zu vernetzen.
Dabei bestand von Anfang an die Absicht, in das entstehende Netz vollkommen heterogene Hardwareplattformen zu integrieren. Definiertes Ziel des ARPANET-Projekts wurde die Errichtung eines zuverlässigen, störungsresistenten Netzes auf der Basis der Pakettechnologie, die gemeinsame Nutzung vorhandener Hardwareressourcen und die Möglichkeit des Datenaustauschs zwischen Rechnern unterschiedlicher Hersteller.
1969 wurde mit der Vernetzung der ARPA-Forschungseinrichtungen begonnen und gegen Ende des Jahres waren die ersten vier Computerzentren miteinander verbunden. Mitte 1971 waren bereits mehr als 30 verschiedene Computerzentren in das Netz eingebunden. Das Problem der verschiedenen Computerarten wurde durch ein Netzwerkprogramm überbrückt. Allerdings musste für jeden Rechnertyp ein individuelles Netzwerkprogramm geschrieben werden, was einen großen Aufwand bedeutete. Wesley Clark löste dieses Problem: Der Interface Message Processor (IMP), ein Minicomputer, wurde an den Rechner angeschlossen und ein einheitliches Programm für diese Minicomputer übernahm die Übermittlung der Daten. Hinsichtlich der Geschichte des Internets ist das ARPANET vor allem deshalb so bedeutend, weil es hier erstmals gelungen war, Rechner unterschiedlicher Art miteinander zu verbinden. Ein Computernetz gab es also, aber das ARPANET war zu diesem Zeitpunkt nicht gleichzusetzen mit dem Internet, da eine Vernetzung von verschiedenen Computernetzen noch nicht möglich war.
Die ersten beiden Anwendungen des ARPANETs waren „telnet“ und „ftp“.
Zuerst wurde das ARPANET aber nur wenig genutzt. Das änderte sich vor allem 1972. Ray Tomlinson, der bei der Computerfirma Bolt Beranek and Newman (BBN) arbeitete, schrieb die Software zum Versenden und Empfangen elektronischer Post, die über das ARPANET transportiert wurde: die e-mail. Damit konnte man das ARPANET für etwas nutzen, das mit dem ARPANET ursprünglich gar nicht bezweckt werden sollte: Der Austausch von Botschaften. Diese neue Kommunikationsform machte das ARPANET beliebt, denn das neue Postsystem hatte gegenüber der herkömmlichen Post entscheidende Vorteile: e-mails erreichten ihren Empfänger sehr schnell, auch wenn dieser sehr weit entfernt war. Zugleich aber waren sie wesentlich billiger als Ferngespräche. Auch die Bequemlichkeit spielte auch eine Rolle: Bei der elektronischen Post fielen die Formalitäten weitgehend weg. Das ist bis heute so geblieben: Viele Fehler, ganze Texte ohne Großbuchstaben und Satzzeichen, Umgangssprache, eine sehr primitive Adressierung prägen viele elektronischen Briefe. Aus der Perspektive der Benutzer erwies es sich als entscheidend, dass räumlich weit entfernte Computerzentren nun zusammenzurücken schienen und große Distanzen, die mit Telefongesprächen nur sehr teuer überbrückt werden konnten durch das Netz zusammenschrumpften. Mit dem Email-Dienst wurde es möglich eine Nachricht an einen (one to one) oder mehrere (one to many) Empfänger zu senden. Ebenfalls konnten Nachrichten digital weiterverarbeitet und gespeichert werden. Allmählich entstanden Verteilerlisten (Mailinglisten) und damit auf Email basierende Konferenzsysteme, in denen sich eine eigene neue Kultur entwickelte (vgl. Döring 1998).
Den Durchbruch in der Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit erzielte das ARPANET im Oktober 1972 auf der International Conference on Computer Communications (ICCC). Dort wurden über drei Tage hinweg die neuen Möglichkeiten des ARPANET demonstriert und das aufgebaute Netz von 40 Rechnern lief stabil. Diese erste öffentliche Vorführung überzeugte die anwesenden Experten, dass es möglich war eine Vielzahl von Großrechnern und Minicomputern miteinander zu vernetzen und in der Folge vergrößerte sich die Anzahl der an das ARPANET angeschlossenen Rechner ständig. Es entstanden eine Reihe von lokalen Universitätsnetzen, die sich in zum großen Teil an das ARPANET anschlossen. Zur Erweiterung des ARPANET trug die ARPA auch selbst maßgeblich bei, indem sie ihr Wissen an öffentliche Einrichtungen wie Universitäten, die National Science Foundation, NASA, den Wetterdienst und der Air Force weitergab.
Nach und nach unternahm IPTO Versuche, auch ursprünglich nicht für den Datenaustausch vorgesehene Medien in das Netz einzubinden. Erste Experimente mit Radiowellen fanden an der University of Hawaii statt, wo man aufgrund schlechter Telfonleitungen keinen guten Zugang zum APRANET hatte. 1970/71 wurden die wichtigsten Forschungseinrichtungen in Hawaii in Form des ALOHANET miteinander vernetzt und über Radiowellen mit dem APRANET verbunden. Ab 1973 wurden auch Sattelitenverbindungen in das ARPANET integriert. 1975 wurde gemeinsam von der ARPA, dem British Post Office und der Norwegischen Telekommunikationsbehörde das SATNET gegründet, u.a. um seismische Messungen zu übertragen (vgl. Musch 2000).

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