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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Informationswissenschaftliche Themen

Definition Information

Autoren: Gloria Castillo & Kai Jorzyk

Einleitung

Begibt man sich auf die Suche nach der Bedeutung des Begriffes Information, stößt man auf eine ungeahnte Fülle verschiedener Definitionen. Neben klassischen Begriffserklärungen und Wörterbucheinträgen, entwickelte sich im Laufe der Zeit auch in verschiedensten Fachbereichen ein eigenes Verständnis von Information. Die folgenden Seiten sollen dazu dienen, die wichtigsten Definitionen herauszuzstellen. Weiterhin bieten sie eine kurze Zusammenfassung zur Wort- und Begriffsgeschichte.

Geschichte des Informationsbegriffs

1. Die lateinische Herkunft und der griechische Ursprung:
Der Duden Etymologie faßt die Wort- und Begriffsgeschichte, auf die wir jetzt eingehen werden, folgendermaßen zusammen:

Informieren „benachrichtigen, Auskunft geben, belehren“: Das Verb wurde im 15. Jh. aus lat. in-formare entlehnt, und zwar in dessen übertragener Bedeutung „durch Unterweisung bilden, unterrichten“, eigentlich „eine Gestalt geben, formen bilden“ (zu in…, In… und lat. forma „Gebilde, Gepräge, Gestalt“ (vgl. Form)). Dazu stellen sich das Substantiv Information „Nachricht, Auskunft, Belehrung“ (16. Jh.; aus lat. informatio), das Adjektiv informativ belehrend, aufschlußreich“ (19. Jh.) und die jungen Bildungen Informand „jemand, der (geheime) Informationen erhält“, Informant „jemand, der (geheime) Informationen liefert“, ferner Informatik „Wissenschaft von der Informationsverarbeitung, bes. von den elektronischen Datenverarbeitungsanlagen“, dazu Informatiker (alle 20. Jh.).“

Information bzw. informieren stammen also aus dem Latein (informatio bzw. informare). Die lateinische Ausdrücke hatten zwei Bedeutungen nämlich eine „eigentliche“ (eine Gestalt geben, formen, bilden) und eine „übertragene“ (durch Unterweisung bilden, unterrichten). Lediglich die übertragene Bedeutung wurde im 15./16. Jahrhundert entlehnt. Sie ist die Bedeutung, die wir heute im Alltag gebrauchen.
Zur Vertiefung dieser Hinweise schauen wir in einem lateinischen Wörterbuch, nämlich dem Thesaurus Linguae Latinae, nach. Das Präfix in hat im Latein sowohl die Bedeutung der Negation (z.B. informis = ungeformt) als auch die der Verstärkung oder Verortung einer Handlung, wie im Falle von informatio/informare. Unser Wörterbuch faßt die Bedeutungen ebenfalls in zwei Gruppen zusammen, nämlich:

Formung im materiellen Sinne: machen, erzeugen (sowohl im technischen als auch im biologischen Sinne) Formung im geistigen Sinne: erläutern, definieren, beweisen, Mitteilung einer Lehre oder eines Beispiels (Vorbildes, Befehls).

Zusammenfassend halten wir also fest, daß die lateinische Herkunft des Informationsbegriffs uns Auskunft über die Verwendung von informatio/informo im technischen, biologischen und pädagogischen Bereich im klassischen Latein gibt.


2. Die Bedeutungsentwicklung in Neuzeit und Gegenwart:
Information bedeutet in der Alltagssprache so viel wie Auskunft, Benachrichtigung, Wissensmitteilung. Der Duden. Bedeutungswörterbuch faßt das Bedeutungsfeld folgendermaßen zusammen:

Information, die; -, -en:
(ohne Plural) Unterrichtung, Benachrichtigung, Aufklärung: die I. des Parlaments durch die Regierung war ungenügend.
Nachricht, Auskunft: Informationen erhalten, bekommen.
Informativ, informierte, hat informiert: a) (tr.) (offiziell) unterrichten, in Kenntnis setzen: er hat die Öffentlichkeit über die Ereignisse informiert. B) (rfl.) sich unterrichten, sich Kenntnis verschaffen: er informierte sich über die Vorgänge.“

Zum alltagssprachlichen Informationsbegriff gehören folgende Aspekte:

Sachbezogenheit: Information ist die sprachliche Wiedergabe eines Sachverhaltes
Inhalt der Mitteilung: Information ist die sprachliche Wiedergabe eines Sachverhaltes
Relevanz: Information ist die sprachliche Wiedergabe eines für den Empfänger nützlichen und neuen Sachverhaltes.
Mitteilung: erst durch den Prozeß der Mitteilung wird aus Wissen Information.

Die Alltagssprache bezieht diese Aspekte auf den Menschen.

Zusammendfassend lässt sich sagen, dass die gegenwärtige alltagssprachliche Bedeutung von Information im Sinne von Nachricht oder Mitteilung von relevantem Wissen das Ergebnis eines langen Prozesses von Bedeutungsverschiebungen und -einengungen, von Übersetzungen und Neubildungen, ist.

Allgemeine Definitionen

DIN 44300:
Information = Kenntnis von Sachverhalten und Vorgängen.


Duden:
1. Nachricht; Auskunft; Belehrung, Aufklärung.
2. räumliche oder zeitliche Folge physikalischer Signale, die mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten oder Häufigkeiten auftreten, sich zusammensetzende Mitteilung, die beim Empfänger ein bestimmtes
[Denk]verhalten bewirkt (Kybernetik).


Brockhaus:
[lat. eigentlich >Gestaltung<, >Bildung<]
Auskunft, Nachricht, Mitteilung, Belehrung; die formulierte Unterrichtung.


Wahrig Fremdwörterlexikon:
[lat. informatio „Formung, Bildung durch Unterweisung“]
Auskunft, Nachricht, Aufklärung, Belehrung

Der Informationsbegriff in der Informationswissenschaft

Information in der Informationswissenschaft hat eine zweifache Ausrichtung. Sie bezieht sich, einerseits, dem alltagssprachlichen Informationsbegriff folgend, auf die Veränderung der Erkenntnis, sie hat aber auch, andererseits, mit dem Träger oder dem Medium zu tun.

Definitionen:
Information ist der (geglückte) Transfer von Wissen. Information ist also das (neue) Wissen, das beim Rezipienten zu einer Veränderung des bisherigen Wissens führt. Im engeren Sinn ist es das Wissen, das einem Menschen (oder einer Institution …) zuvor fehlte, um bei einem aktuellen Problem eine sachgerechte Entscheidung zu treffen. Die im Transferprozess erfolgte Wissensveränderung muss allerdings nicht notwendig zu einer Verbesserung, sie kann auch zu einer Verunsicherung (mit Bezug zum vorherigen Wissensstand) führen. ‚Wissen‘ umfasst hierbei auch ‚Meinungen‘ und ‚Glauben‘.

Information ist die Teilmenge von Wissen, die von einer bestimmten Person oder Gruppe in einer konkreten Situation benötigt wird und häufig nicht explizit vorhanden ist.

Information ist die Verringerung von Ungewissheit aufgrund von fachlichen Informationsprozessen.

Information ist Wissen in Aktion. (nach Kuhlen)

Quellen und Links

Links
Einführung in den Informationsbegriff (Rafael Capurro)

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft: Thema ‚Daten, Wissen, Information‘

Best Media Practice – Terminology Module

T-Rex InfoWiss Uni SB

Weitere Quellen
Hans-Jürgen Manecke, Thomas Seeger (1997). Zur Entwicklung der Information und Dokumentation in Deutschland. In: Buder/Rehfeld/Seeger/Strauch (Hrsg., 1997): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. München et al. K.G. Saur, 16-60

Gernot Wersig (1974): Information – Kommunikation – Dokumentation. München: Saur

dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden; 1988

Wahrig Fremdwörterlexikon, Orbis Verlag für Publizistik GmbH; 1987

DUDEN (1989): Etymologie. Mannheim/Wien/Zürich, 2. Aufl.