Diese Website ist seit dem Ende des Studiengangs Informationswissenschaft
im Juni 2014 archiviert und wird nicht mehr aktualisiert.
Bei technischen Fragen: Sascha Beck - s AT saschabeck PUNKT ch
Drucken

Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Daten, Wissen, Information

1. Information

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Thema ‚Daten, Wissen, Information‘

1.1 Information und Kanal
1.2. Bedeutungen der Information
1.3. Eigenschaften der Information
1.4. Definitionen von Information

1.1. Information und Kanal

Soll Information vermittelt werden, so ist dies nicht ohne einen erfolgreichen Kommunikationsprozess zwischen dem Sender und dem Empfänger (Nutzer) der Information möglich. (Erfolgreiche) Kommunikation benötigt einen Kommunikationskanal, vermittels dessen Sender und Empfänger interagieren können.

                                      (Information)
SENDER <---------------------------------------------------> EMPFÄNGER
                                          KANAL

(vgl. Seeger 1997, S.16 )

Beispiele für einen solchen Kanal sind die Luft (Kommunikation durch Schallwellen) oder das Telefon (Kommunikation durch Signale über die Telefonleitung) Der Kanal ist nach beiden Seiten offen, es muss je nach „Informationssituation“ also nicht zwingend so sein, dass der Sender ausschließlich sendet und der Empfänger ausschließlich empfängt. Handelt es sich beispielsweise um einen Face-to-Face Dialog, so ist es durchaus möglich, dass der Informationsempfänger Zwischenfragen stellt. Aus diesem Grund fließt Kommunikation möglicherweise beidseitig, während die nachgefragte Information nur vom Sender zum Empfänger gelangt.

1.2. Bedeutungen der Information

Der Begriff „Information“ verfügt, resultierend aus der Notwendigkeit eines (Informations-) Kanals über verschiedene Bedeutungen: „Information“ kann einmal in einem auf den Sender bezogenen Verstöndnis die Tätigkeit der Informierenden (Informatoren), also die Absicht und Handlung des Senders verstanden werden. Weiterhin kann „Information“ den Prozess der Vermittlung (von Wissen) selbst, also den (Informations-) Kanal bedeuten (information as communication of the knowledge). Darüber hinaus kann in einem auf den Empfänger bezogenen Verständnis von „Information“ die beabsichtigte und zu erzielende (Wissens-) Veränderung beim Empfänger sein. Schließlich kann „Information“ in Bezug auf die eigentliche Botschaft verstanden werden. Dieses Verständnis hängt mit dem des Prozesses zusammen, meint jedoch nicht den (physikalischen) Kommunikationskanal, sondern vielmehr das, was über diesen versendet wird.

1.3. Eigenschaften der Information

Information kann als Tätigkeit, Prozess, erzielte Veränderung beim Empfänger oder übermittelte Botschaft verstanden werden. Unabhängig von dieser Semantik des Begriffs verfügt Information über eine ganze Reihe von Eigenschaften. Da Information stets dialogisch ist, ist sie auch adressatenbezogen, also zielgerichtet bezüglich des Rezipienten und zielgerichtet bezüglich der Botschaft. Erfolgreiche Information verfügt somit stets über ein Benutzermodell. Weiterhin ist Information kommunikationsabhängig, da ohne funktionierenden Kommunikationskanal die vom Sender abgeschickte Information den Empfänger nicht erreicht. Infolgedessen ist sie im empfängerbezogenen Verständnis auch rezeptionsabhängig. Weiterhin verlangt Information einen Neuigkeitswert, da bereits Bekanntes schwerlich als Information bezeichnet werden kann und eine Übermittlung sinnlos wäre. Hier wird die Handlungsrelevanz der Information deutlich: sie soll in konkreten Aktionsszenarien entscheidungsrelevantes Wissen bereitstellen. Insofern existiert je nach Situation ein Bedürfnis nach Information und diese ist insofern zeitabhängig, als dass sie nur in konkreten Handlungszusammenhängen hilfreich ist. Bestehen diese nicht (mehr), so ist auch die Information keine solche (mehr) . Darüber hinaus gibt es Sachverhalte, die nicht wie eine Eigenschaft der Information attributiv zugeschrieben werden können, jedoch zum Wesen der Information gehören und somit einer Erwähnung und Erläuterung an dieser Stelle bedürfen. Zum einen kann Information auch Verunsicherung hervorrufen. Erhält der Empfänger von einem glaubwürdigen Sender Informationen, die im Gegensatz zu seinem bisherigen Wissen oder auch zu bisher vorherrschenden Überzeugungen stehen, so neigt er dazu, die „störende“ Information zu verdrängen. Dennoch bleibt ein Unsicherheitsgefühl. Die Kognitionspsychologie bezeichnet diesen Sachverhalt als „kognitive Dissonanz„.

Ist der Empfänger ein Benutzer eines (elektronischen) Informationssystems, das gewissermaßen als Sender und Kanal fungiert, so gibt es außerdem die Effekte des Browsing und der Serendipity. Unter Browsing versteht man das zufällige Aufstöbern von Information während der eigentlichen Suche nach einer bestimmten Information, wobei diese nicht aus den Augen verloren wird. Es käönnen also möglicherweise handlungsrelevante Problemstellungen auch erst durch zufällig gefundene, passende Informationen bewusst werden.Serendipity bezeichnet den (zunehmenden) Verlust der Zielorientierung bei der Suche nach bestimmter Information durch Ablenkung, wobei das eigentliche Ziel aus den Augen verloren wird.
1.4. Definitionen von Information

Da der Begriff der Information häufig definiert worden ist, sollen hier einige klassische Definitionsansätze vorgestellt werden, die zugleich den verschiedenen Bedeutungen der Information entsprechen.

Die Definition Information ist die Teilmenge von Wissen, die von einer bestimmten Person oder Gruppe in einer konkreten Situation benötigt wird und häufig nicht explizit vorhanden ist. stellt besonders den Bedarf und den Neuigkeitswert aus Sicht des Empfängers (Nutzers) in den Mittelpunkt. Information ist die Verringerung von Ungewissheit aufgrund von fachlichen Informationsprozessen. ist primär auf den Vermittlungsprozess, also die Tätigkeit des Senders bezogen.
Zimmermann vertritt einen nutzorientierten Ansatz, der auf die handlungsrelevante Wissensveränderung in den Mittelpunkt stelle:
Information ist der (geglückte) Transfer von Wissen, ist also das (neue) Wissen, das beim Rezipienten zu einer Veränderung des bisherigen Wissens führt. Im engeren Sinne ist es das Wissen, das einem Menschen (oder einer Institution) zuvor fehlte, um bei einem aktuellen Problem eine sachgerechte Entscheidung zu treffen.
Mit
Information ist Wissen in Aktion
macht Kuhlen den Handlungsaspekt von Information deutlich.

 

Übersicht