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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Bibliotheken

9. Universitäts- und Hochschulbibliotheken

Projekte: Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Es gibt in Deutschland 78 Universitäten, die innerhalb ihrer Bibliothekssysteme insgesamt 790 Einzelbibliotheken unterhalten. Unterhaltsträger sind im allgemeinen die jeweiligen Länder. Ihre Aufgabe ist die Versorgung der Hochschule für Lehre und Forschung, sie sind aber immer auch öffentliche Einrichtungen mit allgemeinem Zugang.
Entsprechend der unterschiedlichen Größe der Universitäten und darüber hinaus unterschiedlicher Ausstattung durch ihre Träger, findet sich auch hier eine größere Spannbreite von Qualität und Ausstattung. Der größte Buchbestand der Bibliothek der Humboldt-Universität, Berlin, beträgt mit über 5 Millionen das Zwanzigfache der kleinsten universitären Einrichtung, der im Aufbau befindlichen Viadrina in Frankfurt/Oder. Der dementsprechend wenig aussagende Bestandsdurchschnitt bei diesen Bibliotheken liegt bei 1,4 Millionen Bänden, bei 0,5 Millionen Entleihungen und einer Ausgabe von 3,8 Millionen DM für die Erwerbung. Es gibt insgesamt 8.000 Personalstellen in diesem Bereich, also durchschnittlich etwas mehr als 100 pro Bibliothekssystem.
Der Vergleich zwischen der Zahl der Universitäten und der der Bibliotheken deutet bereits an, dass Universitätsbibliotheken nicht immer in Gestalt einer einzelnen, solitären Einrichtung auftreten.
Man unterscheidet zwischen folgenden Bibliothekssystemen:

9.1 Duale Literaturversorgung
9.2 Integrierte Bibliothekssysteme
9.3 Vom dualen zum kooperativen Bibliothekssystemn

9.1 Duale Literaturversorgung
Prinzip: Zentralbibliothek und davon unabhängige Institutsbibliotheken
Der Buchbestand der Universitätsbibliothek (meist Ausleihbibliothek) wird im Magazin, während die Institutsbibliotheken (Meist Präsenzbibliotheken) den Bestand in der Freihandaufstellung zugänglich machen. Die Institutsbibliotheken werden von Professoren verwaltet, Bucherwerbungsmittel für die Institutsbibliothek erfolgt direkt am Institut und das Personal untersteht dem Institutsvorstand. Der Vorteil ist, dass in den Instituten aktuelle Literatur schnell und kompetent ausgewählt und beschafft wird, und die Universitätsbibliothek fächerübergreifend ältere Literatur sammeln kann. Der Nachteil besteht darin, dass die Universitäts- und Institutsbibliotheken beziehungslos nebeneinander existieren, keine Abstimmung erfolgt, häufig Doppelanschaffungen getätigt werden, ein Gesamtkatalog nicht erstellt wird und die Bücher oft unsachgemäß in den Instituten durch Hilfskräfte verwaltet werden.

9.2 Integrierte Bibliothekssysteme
Prinzip: Das gesamte Bibliothekswesen der Universität wird als eine Einheit organisiert.
Die Universitätsbibliothek umfasst alle Bücherbestände der Universität. Dabei wird in eine Zentralbibliothek (Bibliothekszentrale) und in mehrere Teil- oder Bereichsbibliotheken unterschieden. Das Personal untersteht der Leitung des Bibliotheksdirektors, Erwerbungsmittel werden pauschal der Universitätsbibliothek zugewiesen und anschließend aufgeteilt, bibliothekarische Tätigkeiten werden zwischen der Zentralbibliothek und den Teilbibliotheken aufgeteilt oder abgestimmt, die Buchauswahl erfolgt nur in Zusammenarbeit zwischen Fachreferenten der Bibliothek und den Professoren der Universität oder wird gegebenenfalls durch die Zentralbibliothek koordiniert, die Buchbeschaffung usw. erfolgt von der Zentralbibliothek, die Aufstellung, Benutzung , Auskunft, Beratung wird von den Institutsbibliotheken wahrgenommen. In einem Katalog wird der gesamte Buchbestand der Universität nachgewiesen und alle Teile des Bibliothekssystems verwenden ein einheitliches Aufstellungs- und Signaturenschema. Die Institutsbibliotheken können von allen benutzt werden. Es bestehen hier 2 Möglichkeiten, dieses System organisatorisch umzusetzen:
  1. Die Zentralbibliothek besitzt einen eigenen Lesesaal, allgemeine Informationsbestände, Allgemeinbibliographien, einen großen Magazinbestand und die Institutsbibliotheken operieren nach dem Präsenzprinzip.
  2. Es gibt keine Zentralbibliothek, sondern nur eine Bibliothekszentrale, die als Informations-, Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum fungiert und den gesamten Bestand auf die Teilbibliotheken verteilt.

9.3 Vom dualen zum kooperativen Bibliothekssystem
Bei diesem System sind Universitäts- und Institutsbibliotheken durch mehr oder weniger intensive Zusammenarbeit verbunden. Es wird gemeinsam ein Gesamtkatalog aufgebaut, die bibliothekarische Arbeit wird von den Universitätsbibliotheken ausgeführt, es erfolgt eine Abstimmung über Erwerbung und Bibliotheken werden zu größeren Teilbibliotheken zusammengefasst. Ziel ist die Verbesserung der Literaturversorgung der gesamten Hochschule.

Verwaltung der Bibliotheken
Die zentralen Universitätsbibliotheken sind heute durchgängig über EDV verwaltet, wenn auch mit unterschiedlichem Grad der Umsetzung, weisen zunehmend ihre Bestände auch online und in OPACs nach und bieten CD-ROM-Netze an. Sie sind integraler Bestandteil des deutschen Informationswesens, in regionale Katalogisierungs- und Nachweisverbünde eingebunden, und die Informationsbeschaffung für persönliche und institutionelle Nutzer über Datenbankverbindungen ist dort selbstverständlich. Die in den Bibliotheken verwendete Software für die Verwaltung der Bestände ist vielfältig. Neben Eigenentwicklungen sind kommerzielle Produkte, wie DOBIS oder URICA im Einsatz, aber auch Weiterentwicklungen und Abwandlungen, bei denen schwer noch von Kompatibilität mit ursprünglich gleichnamigen Produkten gesprochen werden kann, die in anderen Bibliotheken benutzt werden.
Neben den Universitätsbibliotheken gibt es noch 177 sonstige Hochschulbibliotheken mit , insbesondere an Fachhochschulen, von denen in den letzten Jahren mehr als 20 in den neuen Bundesländern gegründet wurden. Sie sind in der Regel zentrale Einrichtungen, also einschichtige Bibliothekssysteme mit allerdings teilweise weit verstreuten Teilbibliotheken. Diese sonstigen Hochschulbibliotheken bilden eine Gruppe von immerhin 376 Einzelbibliotheken und repräsentieren einen Medienbestand von 16,5 Millionen Bänden und ein Personal von 1.270 Stellen.

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