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Identität und Geschichte der Informationswissenschaft

Open Source Bewegung - Überblick

Open Source Projekt Mozilla

Open Source und Freie Software

Projekt im Rahmen des Proseminars Webpublishing WS 02/03

Dozent: Dr. H.-D. Luckhardt
Autoren: Tobias Maurer und Andreas Martin

Eng verknüpft mit dem Aufstieg und Erfolg des World Wide Web verlief auch der Werdegang der Firma Netscape mit ihrem Webbrowser Netscape Navigator. Nach einem jahrelangen Quasimonopol in ihrem Marktbereich, das soweit ging, die Entwicklung des HTML Standards beeinflussen zu können, bekam Netscape Ende der 90er Jahre einen neuen Gegner.

Abb.7: Logo des mozilla.org Projekts
 

Windows-Hersteller Microsoft, der anfangs die Bedeutung des WWW falsch einschätzt hatte, brachte sein eigenes Produkt, den MS Internet Explorer auf den Markt. Die plattform-neutrale Darstellung von Dokumenten wurden durch browserspezifische Erweiterungen der beiden großen Hersteller unterlaufen, was dem Grundgedanken des WWW jedoch widersprach. Durch die Verknüpfung des Internet Explorers mit seinem Betriebssystem Windows sicherte sich Microsoft einen immer größeren Marktanteil und zuletzt konnte sich Netscape der beherrschenden Stellung Microsofts nicht mehr entgegenstellen. Die Firma erkannte, dass es ihr aus eigener Kraft nicht mehr möglich war, ihr veraltetes und schwerfälliges Produkt soweit zu modernisieren, dass es wieder in Konkurrenz mit dem Internet Explorer treten konnte.

So entschloß sich Netscape im Januar 1998 den Quellcode ihrer Browsersuite Netscape Communicator offenzulegen und die weitere Entwicklung in Hände einer weltweiten Schar von Freiwilligen zu legen, einen bisher in dieser Größenordnung einmaligen Schritt. Als Lizenzbestimmung wurde die Netscape Public License eingeführt, die sicherstellen soll, dass alle weiteren Entwicklungen frei verfügbar bleiben, Netscape sich aber das Recht vorbehält, auf der freigegebenen Codebasis eigenen Browserversionen erstellen zu dürfen, deren Quelltext nicht weitergegeben werden muss.

In Anlehnung an den Codenamen des ersten Netscape Browsers sollte die Organisation den Namen mozilla.org tragen und die Aktivitäten rund um den neuen Browser bündeln, während Mozilla als Name des Browsers benutzt werden sollte. Die Gruppe bestand zunächst aus den bisherigen Entwicklern der alten Communicator-Version und man erhoffte sich ein rege Teilnahme von Programmierern ähnlich wie bei der Weiterentwicklung des freien Betriebssystems Linux . Eine Analyse des vorhandenen Quellcodes ergab jedoch, dass dieser in weiten Teilen nicht mehr zu gebrauchen war und die Komplexität der Software viele Entwickler abschreckte. Der Sourcecode des Browsers bestand in seiner Basis immer noch auf den Ursprüngen der allerersten Version Mosaic und war über die Jahre z.T. chaotisch weitergewachsen.

Dies führte zu der Entscheidung, dass eine Überarbeitung keinen Sinn hätte und Mozilla von Grund auf neu entwickelt werden musste. Den Kern des neuen Browsers bildet die Rendering Engine Gecko, bei deren Entwicklung auf geringen Ressourcenverbrauch und vollkommene Konformität mit den gegebenen Webstandards besonderes Gewicht gelegt werden sollte. Um eine saubere Trennung aller Komponenten zu ermöglichen, wurde das XPCOM Komponentenmodell entwickelt, das es erlauben sollte, betriebssystemunabhängig Teile des Projekts problemlos entwickeln, austauschen und in eigenen Programmen verwenden zu können.

Mit der Loslösung von der Firma Netscape wurde auch eine eigene Lizenz eingeführt die Mozilla Public License, so dass mittlerweile Teile des Quellcodes unter der NPL, der MPL oder LGPL/GPL stehen. Man versucht jedoch das bisherige Lizenzierungsverfahren zu vereinfachen.

Die Mozillasuite besteht mittlerweile aus dem Hauptteil, der eigentlichen Browserkomponente, Mail & News Programm, Composer zum Bau von Webseiten, Chatkomponenten und etlichen weiteren Teilen. Er unterstüzt die Standards HTML 4.01, XHTML 1.0, weite Teile von CSS 2 und des DOM 1.0. Die offiziell unterstützen Plattformen sind GNU/Linux, Mac OS und Windows 9x bis hin zu XP.

Daneben existieren Portierungen für etliche weitere Plattformen wie BeOS, OS/2 und fast jede Unix/BSD Variante. Ausserdem haben sich auch Produkte entwickelt, die nur im Kern auf Mozilla aufbauen und meist nur die Rendering Enginge benutzen wie die Browser Galeon, Chimera oder Phoenix. Ausserdem gibts es auch Entwicklungen wie die Bugreportsoftware Bugzilla, die zwar ihrem Ursprung im Mozillaprojekt haben, mittlerweile aber auch als eigenständiges Produkt eingesetzt werden.

 
Abb.8: Unabhängig erstelltes Bild des Mozilla-Browser Sauriers

Im Februar 2003 ist momentan die Version 1.3b aktuell und Netscape hat gerade ihre Netscape Browser Version 7.02 freigegeben. In Zukunft soll diese Technik auch in die Internetzugangssoftware der Firma AOL integriert werden, den momentanen Besitzer von Netscape.