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Alan Cooper: The Inmates are running the Asylum

Kapitel 2: Cognitive Friction

Das zweite Kapitel widmet Cooper zum einen der Darstellung der Problematik der „cognitive friction“, also dem nicht mehr nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Aktion und Reaktion: W�hrend ein Taschenmesser nicht unbedingt auf den ersten Blick alle seine Funktionen offenbart und der Einsatz dieser Funktionen ein gewisses manuelles Geschick erfordert, so sind sie doch durch Betrachten zu erkennen. Eine Fernbedienung f�r das Verriegeln und �ffnen des Schlie�systems eines Autos hingegen ist von der manuellen Seite sehr einfach zu bedienen, die Funktionen sind aber nicht mehr ohne weiteres zu erkennen, da die einzelnen Kn�pfe je nach Kombination unterschiedliche Funktionen erf�llen. Es entsteht eine starke Spaltung zwischen der trivialen mechanischen Aktion und der nicht mehr trivialen Reaktion.

Neben diesem Thema, definiert der Autor in diesem Kapitel auch einige Termini, die sp�ter immer wieder aufgegriffen werden. So setzt er den Terminus des „Interaction Design“ – den er auch immer meint, wenn er nur von Design spricht – deutlich von „Program Design“ und „Interface Design“ ab. Unter „Program Design“ versteht er die technische Seite des Software Designs, die fehlerfreie und schnelle Implementation der Funktionen in das Software-Innenleben. „Interface Design“ ersch�pft sich f�r ihn in der �sthetischen Seite der Bedienungsoberfl�che, wohingegen „Interaction Design“ weiter greift und die gesamte Interaktion des Benutzers mit dem Programm umfa�t, also sich nicht nur auf die optische Anordnung von Bedienelementen, sondern auch auf ergonomische Gesichtspunkte bezieht. Er konstatiert bei seinen Ausf�hrungen, da� „interaction Design“ zumeist vernachl�ssigt wird, sozusagen durch Unfall oder Zufall geschieht.

Daneben f�hrt er auch den Terminus des „Dancing Bear“ beziehungsweise der „Dancing Bearware“ ein, mit der er beschreibt, da� bei Software oft nicht die gute und einfache Erf�llung von Anforderungen betrachtet wird, sondern da� die Anforderungen �berhaupt erf�llt werden – „the wonder isn’t that the bear dances well but that the bear dances at all.

Die Problematik der „Featuritis“, an der Software oft krankt, l��t er auch nicht unerw�hnt. Er sieht in der �berladung der Programme mit Funktionen ein sehr weitverbreitetes Problem.

F�r seine sp�teren Ausf�hrungen teilt er die Softwarenutzer in zwei Gruppen ein: „Apologists“ und „Survivors“. Die „Apologists“ sind Personen, die durchaus technikverliebt sind und bereit sind sich an schlechte Software anzupassen, Cooper z�hlt fast alle Programmierer zu dieser Gruppe, ebenso wie viele nicht-technische Nutzer. „Survivors“ hingegen definieren sich dar�ber, da� sie bei Computern und Software die Schwierigkeit der Bedienung erkennen, aber keine M�glichkeit der Abhilfe erkennen k�nnen, sie ertragen diese Schwierigkeiten klaglos, um nicht als dumm angesehen zu werden.

Eine Vielzahl der Probleme, die sich bei der Interaktion mit Computern ergeben, f�hrt Cooper auf das zur�ck, was er mit dem Terminus „Software Apartheid“ belegt: Durch die Abgeschlossenheit in der sich Programmierer h�ufig bewegen, verlieren sie das Gef�hl f�r den normalen Nutzer. Hierdurch aber haben sie falsche Voraussetzungen im Blick, wenn sie ihre Produkte entwickeln und schaffen so eine neue Art der Trennung in der Gesellschaft, die sich nur noch aus dem K�nnen Computer und Software zu bedienen herleitet.