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Presse

2005 12 20 SZ

Saarbrücker Zeitung 20.12.2005

Fakultät macht Schotten dicht

Aufnahmestopp für Informationswissenschaft – Studenten fürchten um die Zukunft ihres Fachs

Wie geht es weiter in der Saarbrücker Informationswissenschaft? Morgen will der Fakultätsrat einen Aufnahmestopp für den bestehenden Magister-Studiengang beschließen. Doch das könnte der Anfang vom Ende des Fachs sein, fürchten viele Studenten.

Saarbrücken. Schwierige Tage auf dem Saarbrücker Campus. Nachdem die Aufregung wegen des alles überlagernden Themas Studiengebühren schon groß war, kommt nun ein neues Streitthema hinzu. Morgen will der Fakultätsrat der Informationswissenschaft beschließen, eine so genannte Nullquote einzuführen. Das würde bedeuten, dass künftig keine neuen Studenten aufgenommen werden. Das Sterben des Fachs sei denkbar, meint auch Harald Zimmermann, Professor für Informationswissenschaft und Inhaber des einzigen Lehrstuhls, auch wenn Nullquote allein nicht dramatisch sei. Sie sei nötig, so Zimmermann, weil die Fakultät schon jetzt eine starke Überlast tragen müsse und ihre Kapazität erschöpft sei. Man könne nicht noch mehr Studenten aufnehmen. Es kommt laut Zimmermann noch hinzu, dass das Studienangebot ab 2007/2008 auf das Bachelor/Master-System umgestellt werden soll. In der Zeit bis dahin noch Studierende im Magister-Studiengang aufzunehmen, sei wenig sinnvoll.

Zweifel an der Zukunft

Professor Harald Zimmermann wird im Herbst 2006 emeritiert; über eine Lehrstuhl-Nachfolge ist noch nicht entschieden, wie er sagt. Seit längerem ist geplant, kleine Fächer wie Informations- oder Erziehungswissenschaft zu einem gemeinsamen Bachelor-Studiengang zu vereinen, so Zimmermann. Seit 2002 existiert ein Konzept, das die Verschmelzung der Informations-, der Erziehungswissenschaft und der Reste der Soziologie zu einen gemeinsamen Bachelor-Studiengang „Information Science“ vorsieht. Wenn die Informationswissenschaft in einem solchen neuen Bachelor-Studiengang wie geplant auch für die Lehrerbildung genutzt werde, sei jedoch fraglich, so Zimmermann, ob die restlichen Magister-Studenten, die sich bis jetzt eingeschrieben hätten und ihr Studium um das Jahr 2010 beenden wollten, von dem neuen Lehrstuhlinhaber noch ausreichend betreut werden könnten.

Viele Studenten der Fakultät haben deshalb Zweifel, ob die Informationswissenschaft als eigenständiger Schwerpunkt unter diesen Umständen Zukunft hat. So fordert die Juso-Hochschulgruppe Uni-Präsidentin Margret Wintermantel auf, sich in die Diskussion zur Zukunft des Fachs einzuschalten. Es könne nicht angehen, dass ein Dekan und einige Hochschullehrer das Ende der Informationswissenschaft besiegeln und die Hochschulleitung dies akzeptiere, so Martin Sand, Sprecher der Juso-Hochschulgruppe und Mitglied des Universitätsrats.

Entscheidung vertrödelt

Seit längerem liege ein Konzept der Informationswissenschaft für einen neuen Studiengang auf dem Tisch. Die Fakultät habe die Sache jedoch so lange vertrödelt, dass nun das Risiko bestehe, dass das Fach geschlossen werde. Auch die Studierenden der Informationswissenschaft selbst zeigen sich besorgt über die Zukunft des Studiengangs. Bei einer Vollversammlung am vergangenen Donnerstag lehnten sie die angepeilte Nullquote einstimmig ab. Außerdem wollen sie in einer Resolution die Neubesetzung der ab Herbst vakanten Professur Harald Zimmermanns fordern.

Universitätspräsidentin Margret Wintermantel hält die Stellungnahme der Juso-Gruppe für „Theaterdonner“. Das Fach Informationswissenschaft werde nicht dichtgemacht, „diese Inhalte müssen erhalten bleiben“. Allerdings sei auch klar, dass die Informationswissenschaft in ihrer heutigen Form und mit dieser knappen Ausstattung so nicht weitergeführt werden könne. Ihre Studieninhalte müssten aufs Bachelor/Master-System umgestellt werden, das Fach brauche einen Partner an der Uni. Die Präsidentin plädiert für die Erziehungswissenschaft. Übers neue Konzept und den Partner werde 2006 entschieden. oge/byl