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Presse

2002 10 22 SZ

Saarbrücker Zeitung 22.10.2002

Die Saar-Uni bleibt, wie sie ist

Saarländer halten zu ihrer Uni: Nach wie vor kommt über die Hälfte des studentischen Nachwuchses aus dem eigenen Land

Von CHRISTINE MAACK

An der Uni tut sich wenig: Die Anfängerzahlen sind leicht gestiegen, die Gesamtzahl leicht gesunken. Derzeit sind 16800 junge Leute eingeschrieben, der große Absturz wegen der Studiengebühren blieb aus.

Saarbrücken. An der Universität des Saarlandes bleibt alles, wie es ist. Zumindest, was die Erstsemester-Zahlen betrifft, denn die sind weder alarmierend gesunken noch deutlich gestiegen. In diesem Wintersemster beginnen 2440 junge Leute im Saarland ihr Studium, im vergangenen Jahr waren es 2342. Insgesamt studieren an der Universität des Saarlandes jetzt 16800 junge Leute. Das sind knapp 70 weniger als im Vorjahr, also ein im Grunde konstanter Wert. Der erwartete große Einbruch wegen der künftigen Studiengebühren, für die ab diesem Semester die Uhr läuft, blieb aus.

,,Offensichtlich wollen die meisten Langzeitstudenten wohl doch in absehbarer Zeit ihr Studium beenden, bevor die Gebühr fällig wird. Wirklich ausgestiegen sind nur 150, von denen 50 die Saar-Uni verlassen haben, während 100 sich nicht mehr zurückgemeldet haben“, weiß Gerhard Schmitt, Leiter des Studierendensekretariats. Wie bereits im Vorjahr, ist das Lehramtstudium wieder sehr beliebt, so dass für einzelne Fächer wie Geographie, Sport, Anglistik und Germanistik sogar interne Zulassungsbeschränkungen galten. Insgesamt wollen 319 Studienanfänger Lehrer werden. Knapp darüber liegen nur noch die Zahlen der Jura-Debütanten, die in diesem Jahr förmlich die Fakultät stürmten: 328 sind es insgesamt. Erstaunlich, so Universitäts-Präsidentin Margret Wintermantel, die die neuen Zahlen bekannt gab, sei das große Interesse an dem Fach Geschichte: 150 Anfänger fühlen sich zur Historie hingezogen. Aber auch Fächer, die noch vor zwei Jahren um jeden Studenten kämpften, haben aufgeholt.

Dazu gehören zum Beispiel die einzelnen Sparten innerhalb der Elektro-Technik. Für Computer- und Kommunikationstechnik interessieren sich 58, für System- und Elektrotechnik 35 und für Mikro- und Nanostrukturen immerhin noch zwölf Studienanfänger. Erleichtert nahm die Präsidentin zur Kenntnis, dass auch das Fach Chemie wieder anzieht, denn hier sei eine gute Ausstattung vorgehalten worden, ohne dass in den vergangenen drei Jahren die Studenten das Fach in entsprechendem Maße belegt hätten. ,,Man kann nicht auf alle Schwankungen sofort marktgerecht reagieren“, so die Präsidentin. Die Zahl der künftigen Chemiker, die nunmehr von 89 auf 114 gestiegen ist, hat dieses Missverhältnis zwischen (Personal-) Aussstattung und Studentenzahlen etwas ins Lot gebracht.

Der Ansturm auf die Informatik hat abgenommen, eine Tendenz, die schon im vergangenen Jahr zu beobachten war. ,,Das liegt daran, dass sich die klassische Informatik immer mehr in Spezialgebiete aufspaltet,“ so Margret Wintermantel. So kann man an der Saar-Uni seit diesem Jahr Wirtschaftsinformatik und seit dem letzten Jahr Bioinformatik studieren. Beide Fächer sind mit 60 beziehungsweise 50 Studienanfängern komplett ausgebucht. Im Fach Informatik haben sich 135 Erstsemester eingeschrieben, das sind zwar weniger als im Vorjahr (190), aber zusammen mit Bio- und Wirtschafts-Informatik wiederum deutlich mehr (245). ,,Studien-Angebote, die verschiedene Aspekte eines Fachs abdecken, kommen bei jungen Leuten gut an“, so die Präsidentin, die keine Anhängerin der Theorie ist, dass zu viele Aufspaltungen dazu führten, dass sich die ,,Unterfächer“ am Ende selbst kannibalisierten.

Die Universität des Saarlandes ist nach wie vor erste Anlaufstelle für die Landeskinder, der Saarländer-Anteil liegt, wie in den Jahren zuvor, bei 52 Prozent. Auch die ,,Importe“ haben sich nicht nennenswert verändert: 13 Prozent Rheinland-Pfälzer, fünf Prozent Baden-Württemberger und – die Zahl ist gestiegen – 19 Prozent Ausländer unter den Studienanfängern. Insgesamt studieren an der Saar-Uni 2480 junge Leute aus dem Ausland, das sind 15 Prozent – womit die Saar-Uni zu den Spitzenreitern zählt. Erstmals sind über die Hälfte, 56 Prozent aller Erstsemester, weiblich. Woran das liegt? Die Uni-Präsidentin kann nur vermuten: ,,Vielleicht, weil immer mehr junge Frauen neben den traditionellen Geisteswissenschaften auch verstärkt Jura, Betriebswirtschaft oder Psychologie studieren. Während es für männliche Studienanfänger ja auch noch die technischen Fächer an der Fachhochschule oder an technischen Unis gäbe.

Wie es mit den Verhandlungen über den Globalhaushalt für die Saar-Uni stehe, der 2004 in Kraft treten soll – dazu wollte die Präsidentin wenig sagen. Sie hält weiterhin an einer Aufstockung des Globalhaushaltes um 17 Millionen Euro fest, wie sie bereits im Gespräch mit unserer Zeitung vor einigen Wochen betont hatte, gab aber zu, dass diese Summe ,,noch Verhandlungsspielraum biete.“

Von den Studienanfängern im vergangenen Jahr kamen 53,4 Prozent aus dem Saarland, zehn Prozent aus Rheinland-Pfalz, etwa fünf Prozent aus Baden-Württemberg. Der Saarländer-Anteil erhöht sich erfahrungsgemäß im Laufe des Jahres auf etwa 64 Prozent, wenn viele ,,ZVS-Zwangsverschickte“ wieder heimgekehrt sind. Der Renner im vergangenen Jahr waren die Lehramtsstudiengänge, für die sich 267 Studenten an der Saar-Uni eingeschrieben hatten. Das waren mehr als im Fach Jura, das erstmals mehr Studienplätze (333) bereit hielt, als sich Interessenten fanden (243). Mit Hilfe begehrter und zum Teil neuer Fächer wie Bioinformatik, Informationswissenschaft, Wirtschaftspädagogik oder Historisch orientierte Kulturwissenschaften konnte die Uni im vergangenen Jahr punkten. Hier gab es mehr Bewerber als Studienplätze, so dass ein interner Numerus clausus über die Zulassung entschied. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 30 Fächer, die eine örtliche Zulassungsbeschränkung verhängt hatten.maa