Diese Website ist seit dem Ende des Studiengangs Informationswissenschaft
im Juni 2014 archiviert und wird nicht mehr aktualisiert.
Bei technischen Fragen: Sascha Beck - s AT saschabeck PUNKT ch
Drucken

Presse

1998 12 07 SZ

Saarbrücker Zeitung 07.12.1998

Wegweiser durchs Datennetz

Informationswissenschaft und Informationswirtschaft: Studiengänge mit besten Berufsaussichten – SZ-Uni-Serie, Teil 6 Es ist die Qual der Wahl – nach dem Abitur stellen sich viele junge Menschen die Frage: Was soll ich studieren? Welche Absolventen werden in ein paar Jahren gebraucht? In welchen Bereichen sind die Karriere-Chancen groß? Unsere Zeitung stellt in einer achtteiligen Serie „Studiengänge der Zukunft“ vor. Heute: Informationswirtschaft und -wissenschaft.

  • Von CARL VON SIEMENS
Die meisten Menschen können sich noch gut an die Zeit erinnern, in der es keine Videorecorder gab, keine CDs und keine Handys – geschweige denn Heimcomputer. Man schrieb das Jahr 1971, als der ungläubigen Öffentlichkeit der erste Chip präsentiert wurde. Und 1993 wurden bereits weltweit das erste Mal mehr PCs als Personenkraftwagen verkauft. Lange haben diese Rechner weitgehend isoliert voneinander gearbeitet, mit dem Internet ist ein allumfassender Austausch gespeicherter Informationen möglich geworden.

„Information“ , so schreibt der Fachverband Informationstechnik, „ist der Rohstoff der Zukunft. Der von Ort und Zeit unabhängige, kostengünstige Zugang zu Information und Rechenleistung wird zu einem entscheidenden Wettbewerbs- und somit Produktions- und Arbeitsplatzfaktor. Das Bundespatentamt hat errechnet, daß 1994 der deutschen Wirtschaft ein Schaden von 24 Milliarden Mark entstanden ist, nur weil vorhandene Informationsquellen über Forschungs- und Entwicklungsleistungen nicht genutzt wurden.“ Auch der Arbeitsplatz verändert sich: Im Jahr 2000 werden nach Angaben des Fachverbands Informationstechnik nur noch 36 Prozent der Arbeitnehmer ihren Beruf ohne PC-Kenntnisse anwenden können. Gleichzeitig entstehen neue Berufe: Informationsvermittler (Infobroker), die im Auftrag von Firmen Informationen aus dem Daten-Dschungel erschließen, Netzwerk-Manager, Software-Entwickler, Kommunikations-Berater und Multimedia-Designer. Produkte werden über das Internet verkauft, geliefert und berechnet. Dadurch wird Anwesenheit virtuell; Wissensarbeiter aus Nicaragua oder den Malediven können ihre Dienstleistungen Abnehmern in Schottland oder im Pfälzer Wald anbieten.

Allerdings: Chips speichern, womit man sie füttert, doch sie wissen nicht, was sie tun. Wie kann das Relevante von dem weniger Relevanten getrennt werden? Wie beschaffe ich mir die Information, die ich brauche? Was sind dabei die Wechselwirkungen zwischen Technologie und Ökonomie? Wie schütze ich mich vor Übergriffen auf mein Netzwerk? Welche rechtlichen Gesichtspunkte gibt es? Dieses und mehr sind die Fragen, mit denen sich seit über zehn Jahren die Informationswissenschaft an der Saar-Uni beschäftigt. Einer der bundesweiten Vorreiter war hier der Saarbrücker Professor Harald Zimmermann. Die Themen des Fachs umfassen das gesamte Spektrum der Informationsvermittlung in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Das Internet ist inzwischen zu einem der Schwerpunkt-Themen geworden. Die Berufsaussichten sind außerordentlich gut. Die Absolventen arbeiten als (Fach-)Journalisten, im Management, im Archivwesen. Zudem gründen nicht wenige aus ihrem Studium heraus erfolgreich Unternehmen im Bereich Informationsmanagement, Multimedia und Internet. Neben dem Magister- und Promotions-Studium (Zulassung nur zum Wintersemester mit Numerus Clausus), kann das Fach ergänzend auch zu Diplomstudiengängen wie der Informatik studiert werden.

Inzwischen findet das Fach Nachahmer – wenn auch unter anderen Namen und mit etwas anderen Inhalten. So wurde der Studiengang Informationswirtschaft im Wintersemester 1997/98 von der Informatik und den Wirtschaftswissenschaften der Uni Karlsruhe eingerichtet. Im Gegensatz zum Wirtschaftsinformatiker, der sich vor allem mit Problemen innerbetrieblicher Art des Informationsflusses beschäftigt, geht es bei diesem Studiengang um den Markt für Informationen. In Karlsruhe stehen 50 Plätze zur Verfügung, die nach einem Schlüssel aus Abiturnote und Wartezeit vergeben werden. Die Studierenden belegen eine Fächerkombination aus jeweils 40 Prozent Wirtschaftswissenschaften und Informatik sowie 20 Prozent Rechtswissenschaften, die innerhalb von zehn Semestern zum Abschluß als „Diplom-Informationswirt“ führen soll.

Im viersemestrigen Grundstudium werden Grundlagen und Methoden in den drei Fächern vermittelt; für das Vordiplom müssen Scheine in Rechnungswesen, Mathematik und Privatrecht erworben werden. An das viersemestrige Hauptstudium schließt sich ein Semester für die Diplomarbeit und eines für die Prüfungen an. Dr. Volker Binder, Fakultätsgeschäftsführer bei den Wirtschaftswissenschaften, ist zuversichtlich, daß der Abschluß von der Wirtschaft angenommen wird, wurde er doch zusammen mit SAP und anderen, kleineren Softwareunternehmen im Badischen entwickelt. Eine Hürde gibt es allerdings zu überspringen: Obgleich Studenten schon im dritten Semester auf den Diplom-Informationswirt hin studieren, muß die Prüfungsordnung von offizieller Seite noch genehmigt werden. Auch an der Saar-Uni gibt es übrigens Überlegungen, im Bereich Wirtschaftswissenschaften einen Studiengang Informationswirtschaft einzurichten. (Wird fortgesetzt) ¦ Saar-Uni: Fachbereich Informationswissenschaft, Bau 4, Im Stadtwald, 66123 Saarbrücken, (0681)302-3537, Internet: www.phil.uni-sb.de/FR/Infowiss ¦ Uni Karlsruhe: Prüfungssekretariat der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Kollegium am Schloß, Bau I, 76128 Karlsruhe, (0721)6083768, Internet: wiwi4.wiwi.uni-karlsruhe.de/fakultaet/ps/infowirt