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Diskussionsbeiträge

J.W. von Goethe über das Internet und Hypertext

Harald H. Zimmermann

D44UGO1.DOC 1997-11-15

In Goethes Tag- und Jahrbüchern findet sich zum Jahre 1801 folgende Notiz (zitiert nach der ‚Hamburger Ausgabe in 14 Bänden‘, herausgegeben von Erich Trunz, Band 10, Autobiographische Schriften II, 8. Auflage, München 1982, S. 414 f.; die beiden erläuternden Anmerkungen in Klammern stammen von mir):

„Mein eigentlicher Zweck bei einem längern Aufenthalt daselbst (Anm.: in Göttingen) war, die Lücken des historischen Teils der Farbenlehre, deren sich noch manche fühlbar machten, abschließlich auszufüllen. Ich hatte ein Verzeichnis aller Bücher und Schriften mitgebracht, deren ich bisher nicht habhaft werden können; ich übergab solches dem Herrn Professor Reuß (Anm.: Kustos an der Universitätsbibliothek in Göttingen) und erfuhr von ihm sowie von allen übrigen Angestellten die entschiedenste Beihülfe. Nicht allein ward mir, was ich aufgezeichnet hatte, vorgelegt, sondern auch gar manches, das mir unbekannt geblieben war, nachgewiesen. Einen großen Teil des Tags vergönnte man mir auf der Bibliothek zuzubringen, viele Werke wurden mir nach Hause gegeben, und so verbracht‘ ich meine Zeit mit dem größten Nutzen …

So verbracht ich denn die Zeit so angenehm als nützlich, und mußte noch zuletzt gewahr werden, wie gefährlich es sei, sich einer so großen Masse von Gelehrsamkeit zu nähern: denn indem ich, um einzelner in mein Geschäft einschlagender Dissertationen willen, ganze Bände dergleichen akademischer Schriften vor mich legte, so fand ich nebenher allseitig so viel Anlockendes, daß ich bei meiner ohnehin leicht zu erregenden Bestimmbarkeit und Vorkenntnis in vielen Fächern hier und da hingezogen ward und meine Kollektaneen eine bunte Gestalt anzunehmen drohten. Ich faßte mich jedoch bald wieder ins Enge und wußte zur rechten Zeit einen Abschluß zu finden.“