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Diskussionsbeiträge

Autorensystem-Test

Education Professional

FH Regensburg

Bewertung von Education Professional

Ausstattung

Education Professional ist ein Autorenwerkzeug, das ab MS-DOS 3.03 auf PC XT/AT mit 80X86 und mindestens 1 MB Hauptspeicher, sowie EMS-Driver läuft. Unterstützt wird CGA, Herkules, EGA und VGA-Grafik.
Die Oberfläche verfügt über einen Vektorgrafikeditor, Animationseditor, Texteditor und Elemente zur Integration von Video- und Audiosequenzen. Musikalisch Begabte können sich an das Musikelement wagen, mit dem einfache Musikstücke durch die Angabe einer Sequenz von Notenwerten in ein Education Professional-Programm integriert werden.
Die Bedienung der Entwicklungsoberfläche erfolgt mit der Maus oder über Hot-Keys. Eine ONLINE-Hilfe steht nicht zur Verfügung.

PCX-Grab

Bei der Importierung von Grafikdateien – ausschließlich PCX-Bilder werden akzeptiert – ist darauf zu achten, daß das Format des PCX-Bildes nicht die Bildschirmgröße überschreitet. In diesem Fall kann das Bild nicht importiert werden. Eine Verkleinerungs-, Vergrößerungsmöglichkeit oder Einschränkung auf einen bestimmten Bildausschnitt ist bei importierten Grafiken nicht möglich.
Bei VGA stehen nur 16 Farben zur Verfügung stehen. Vom Programmentwickler festgelegte Farben werden beim Importieren von Grafik überschrieben, wenn angegeben wird, daß die Farbpalette des PCX-Bildes verwendet werden soll. Das führt zu dem unangenehmen Seiteneffekt, daß schon generierte Bildobjekte in anderer Farbe dargestellt werden.
Deshalb sollte bei der Erstellung einer Kursseite darauf geachtet werden, die benötigte Grafik zuerst zu importieren und dann erst die weiteren Vektorgrafikelemente anzulegen. Welches grafische Objekt im Vordergrund steht und andere Objekte überlagert, wird durch die Generierungsreihenfolge festgelegt. Ein Seitenausschnitt kann mit der Maus markiert und als PCX-Bild abgespeichert werden.

Animationsgeflüster

Der Animationseditor weist zwar Fähigkeiten wie Rückschrittmöglichkeit beim Vormachen einer Animationsbewegung auf, überzeugt jedoch beim Verschieben eines ausgefüllten Rechtecks mit Hilfe einer XOR-Operation nicht. Dazu müssen vorher zusätzlich die „XOR-Farben“ über Berechnung aus der Handbuchtabelle festgelegt werden. Bei anderen Autorenwerkzeugen ist dies nicht erforderlich.

Seitenbearbeitung

Bei der Seitenerstellung sind die generierten Seite nur als Nummern ansprechbar. Änderungen am Seitenaufbau bewirken keinen vollständigen neuen Seitenaufbau. Elementfragmente können zurückbleiben und verbliebene Objekte unkenntlich machen. Abhilfe schafft hier die manuelle Seitenaufbauanforderung über das Menü oder über Hot-Key.
Ein Fullscreen-Modus steht nicht zur Verfügung. Bei notwendigen Korrekturen an Position und Größe ist die Auswahl von dargestellten Objekten über den Bildbereich schwierig. Es muß der Bereich der linken obere Ecke eines Objekts selektiert werden. Versuchen Sie das einmal bei einem Kreis!

Textgestaltung mit Fonteditor

Praktisch für den Entwickler ist die breit angelegte Hotkeys-Unterstützung. Aber auch über das Menü ist die Auswahl von Funktionen leicht zu bewerkstelligen.
Der eingebaute Texteditor erlaubt zwar nur eine Schriftfarbe in einem Textobjekt, verfügt aber über beachtlich viele verschiedene Schriftgrößen, Schrifttypen und Schriftarten für ein DOS-Programm. Über den in die Entwicklungsoberfläche integrierten Fonteditor lassen sich Schriften hinzufügen bzw. abändern.
Bei der Textgestaltung werden Flattersatz links- oder rechtsbündig, Zentrierung und Blocksatz unterstützt. Bei Wechsel zwischen Darstellung von zentriertem Text und Texteingabe kann die Schrift unleserlich werden. Auch bei Verwendung des manuellen Seitenneuaufbaus läßt sich der Fehler nicht beheben.

Programmieren

Die eingebaute Programmiersprache umfaßt alle benötigten Befehle zur Kurserstellung. Sie werden über Dialogboxen eingegeben und in Form eines Listings abgelegt. Die Befehle sind in ihrer Gänze noch nicht praktisch genug gestaltet. Die Gestaltung von Verzweigungen und Schleifenstrukturen bietet wenig Übersicht über den Programmablauf anhand des Listings, falls kein Ablaufdiagramm zur Hand ist – eine parallele externe Dokumentation ist auch bei einer Schnelldurchsicht notwendig. Vergleichsoperationen, die für Verzweigungen benötigt werden, finden nur über den Gleichheitsoperator statt.
Programmlistings können nur gedruckt werden, Laden bzw. Speichern kann nur über die Education Professional-Dateien (keine extern lesbare ASCII-Dateien) vorgenommen werden. Ein weiterer Mißstand ist, daß zu einer Programmzeile bzw. zu einem Element kein Kommentar hinzugefügt werden kann.
Der Befehlsumfang der Programmiersprache erinnert an einen überarbeiteten, mit CBT-Elementen ausgestatteten Uralt-BASIC-Dialekt. Ein besserer Programmeditor – statt eines Listing-Viewers – würde auch ein besseres Bild abgeben.
Für die Kursentwicklung wird der Fragetyp „Mehrfachauswahl“ unterstützt. Die Entwicklungsumgebung erlaubt die Einbindung von Video- und Audiosequenzen über Programmiersprachenelemente.
Bei fertigen Programmen ersetzt das Runtime-Modul die Entwicklungsumgebung.

Resümee

Im Vergleich zu anderen Produkten sind die Anforderungen an Systemleistung in Bezug auf Schnelligkeit und Speicherplatz gering. Mit der Eigenschaft neben EGA und VGA auch CGA und Hercules zu unterstützen, kein MS-Windows zu benötigen und auf 80×86 mit 1 MB lauffähig zu sein, ist im Sinne einer Vertriebsabteilung für CBT-Programme gerade richtig. Eine große Bandbreite an PC XT/AT-Rechnern steht damit potentiell zur Verfügung. Nicht im Sinne von Entwicklern ist die integrierte verbesserungswürdige Programmiersprache und die mangelnde Unterstützung von anderen Grafikformaten bei der Importierung. Der Einstiegspreis für die Software mit ca. 8000 DM ist insgesamt betrachtet zu hoch gewählt.